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Ungewöhnliche Bewerbungen Hey Chef, fahren wir ein Wettrennen?

Brillantes Anschreiben oder kleiner Plausch - was mehr bringt, fragten US-Forscher. Personaler erzählen, wie bei mutigen Bewerbern der Funke übersprang. Einer erschien mit Kleckerkrawatte, einer prahlte mit seinem Bleifuß.

Die Augen als Fenster zur Seele... mag sein. Aber bei Kontakten im Alltag bewerten wir vor allem die Stimme unseres Gegenübers. Bewerber können sich diesen Umstand zunutze machen: Ein kurzes Gespräch überzeugt meist mehr als jedes brillant formulierte Anschreiben. Das zumindest besagt eine Studie  von Juliana Schroeder und Nicholas Epley von der Booth School of Business der University of Chicago.

Für das Experiment an der Uni sollten potenzielle Arbeitgeber Bewerbungen bewerten. MBA-Studenten bereiteten "Elevator Pitches" vor, kurze Selbstbeschreibungen, mit denen sie sich bei einer schnellen Fahrstuhlfahrt (daher elevator) selbst anpreisen (to pitch) könnten. Sie hielten vor einer Kamera ihren Kurzvortrag, dann wurden ihre Worte transkribiert.

Die Personaler des Experiments sollten den Intellekt einschätzen, die Vertrauenswürdigkeit, die Umsichtigkeit, das Urteilsvermögen. Und dazu ihre persönliche Sympathie für den Kandidaten. Ergebnis: Die Einschätzung fiel besser aus, wenn die Stimme des Bewerbers zu hören war. Ob im Video oder nur als Audioaufnahme, das ergab kaum einen Unterschied. Ohne Tonspur jedoch schnitten die Bewerber durchweg schlechter ab.

Was Personalvorstände beeindruckte

KarriereSPIEGEL fragte eine Reihe von Personalern nach ihrer persönlichen Einschätzung. Fast jeder konnte eine Episode aus seinem eigenen Berufsalltag erzählen, wie Bewerber sich mit einem persönlichen Auftritt empfohlen haben. Hier die Anekdoten:

Aber woher rührt der Vorteil des persönlichen Vorsprechens? In der Stimme werden zusätzliche Feinheiten wahrgenommen, schreiben die Autoren der Studie aus Chicago. Denn Betonung, Rhythmus und Tonlage verraten viel über die Gefühle des Sprechers.

Foto: Amelia Wischnewski

Isabell Prophet (Jahrgang 1986) ist Autorin in Hamburg.

In einem weiteren Experiment ließen die Wissenschaftler die schriftlichen Pitches von Schauspielern vorlesen. Wie weibliche Stimmen wirken, ist umstritten, so Co-Autorin Juliana Schroeder: "Manches deutet darauf hin, dass weibliche Stimmen wärmer klingen, andere Studien lassen vermuten, dass sie als weniger kompetent wahrgenommen werden." In ihrem Experiment erhielten die weiblichen Stimmen höhere Bewertungen bei der Sympathie und dem Gesamteindruck.

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