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Bewerberauswahl Beratungen schwärzen Uni-Namen im Lebenslauf

Harvard und Yale, Oxford und Cambridge - das Examen an einer Elite-Uni erhöht die Chancen auf lukrative Jobs. In Großbritannien wollen zwei Unternehmensberatungen nicht mehr wissen, wo die Bewerber studiert haben.
Too much information: Bewerbungen künftig ohne Uni-Bonus

Too much information: Bewerbungen künftig ohne Uni-Bonus

Foto: Corbis

45.000 Dollar Studiengebühren plus 15.000 Dollar für die Unterbringung pro Jahr - wer an einer Elite-Uni wie Harvard studieren will, muss tief in die Tasche greifen. Lohnt sich das? Zumindest macht sich ein klangvoller Hochschulname später im Lebenslauf gut. Aber die Unternehmensberatung Deloitte will diesen Bonus jetzt abschaffen, zumindest in Großbritannien.

Ab kommendem Jahr sollen die Personaler dort keinen Einblick mehr bekommen, welcher Kandidat welche Uni besucht hat: ein Fall von TMI, too much information. Stattdessen soll ein Algorithmus dabei helfen, in die Bewerberauswahl "kontextuelle Informationen" mit einzubeziehen. Das kann beispielsweise das allgemeine Leistungsniveau an der jeweiligen Uni sein. Oder ob der Bewerber aus einer eher ärmeren Gegend stammt und es trotzdem zu einem guten Abschluss gebracht hat.

Ziel des neuen Ansatzes sei es, Studenten mit Potenzial zu finden und nicht immer aus dem gleichen Reservoir von Universitäten und sozialer Herkunft zu schöpfen, zitiert die britische BBC  die Unternehmensberatung. In Deutschland sei das Schwärzen der Uni im Lebenslauf nicht geplant, so Deloitte-Sprecherin Isabel Milojevic.

Deloitte ist nicht die erste Beratung in Großbritannien, die akademischen Meriten mittlerweile weniger Bedeutung einräumt. Auch Ernst & Young fragt bei britischen Bewerbern nicht mehr nach dem Namen der Uni. Außerdem werden dort und bei PricewaterhouseCoopers mittlerweile auch Bewerber ohne überragende Abschlussnoten eingeladen - ein Novum.

Neben den Bemühungen um mehr Vielfalt in der Belegschaft könnte der Sinneswandel aber auch ganz elementaren Recruitment-Erwägungen geschuldet sein: Für viele Bewerber der Generation Y haben die internationalen Großberatungen massiv an Attraktivität verloren, auch wegen ihrer enormen Anforderungen an Flexibilität und Arbeitseinsatz. Was die Rekrutierung exzellenter Berufseinsteiger immer schwieriger macht - und die Beraterfirmen zwingt, auch mal in einem größeren Pool nach neuen Mitarbeitern zu fischen.

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mihec/vet
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