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Matthias Martens

Bewerbungen nach dem Burn-out Wie soll ich das denn erklären?

Ein Teamleiter sucht nach einem Burn-out einen neuen Job. Soll er die Pause im Lebenslauf erklären oder lieber verschleiern?
Gestresster Mitarbeiter (Symbolfoto)

Gestresster Mitarbeiter (Symbolfoto)

Foto: Jens Schierenbeck/ picture alliance / dpa

Bernd, 47, fragt:

Ich bin Teamleiter im Kundenservice. Vor knapp zwei Jahren hatte ich ein Burn-out und bin in dem Zusammenhang von meiner Firma gekündigt worden. Nach einem Klinikaufenthalt und anschließender Behandlung fühle ich mich wieder gut und möchte zurück in den Beruf. In meinen beruflichen Fähigkeiten sehe ich mich nicht beeinträchtigt, sondern sogar reflektierter als vorher. Soll ich mit meinem Burn-out in den Bewerbungen offen umgehen?

Hallo Bernd,

Auf der Suche nach neuen Mitarbeitern achtet jedes Unternehmen darauf, möglichst qualifizierte und leistungsfähige Mitarbeiter zu rekrutieren. Eine längere Krankheit könnte bei den Personalverantwortlichen Zweifel an Ihrer Leistungsfähigkeit wecken.

Grundsätzlich sollten Sie jedoch in Ihrer Bewerbung niemals Falschangaben machen. Gefälschte Dokumente und falsche Qualifikationsangaben können schlimmstenfalls zu einer fristlosen Kündigung führen. In Ihrem Fall wäre mindestens das Vertrauen in Ihre Person erschüttert, wenn irgendwann durch einen Zufall heraus kommt, dass Sie geschwindelt haben.

Sie könnten in Betracht ziehen, die Krankheit einfach unerwähnt zu lassen. Im Einzelfall hängt es von der Länge des beschäftigungslosen Zeitraums ab. Eine Lücke von zwei bis drei Monaten wird meistens akzeptiert und erweckt kaum Argwohn. Bei längeren Lücken und fehlenden Angaben werden aufmerksame Personaler jedoch im Bewerbungsgespräch nachhaken und unbequeme Fragen stellen. Wer befürchtet, Sie verheimlichten etwas, sortiert Ihre Unterlage aus.

Bei einer längeren Arbeitslosigkeit ist es also sinnvoll, mit offenen Karten zu spielen. Nach einer überstandenen Operation und erfolgreicher Reha bestünde für den Arbeitgeber kaum Grund zukünftige Ausfallzeiten zu befürchten. Das ließe sich auch entsprechend verdeutlichen. Bei Burn-out ist es für den Arbeitgeber viel schwieriger einzuschätzen, ob Sie wieder stabil oder nur eingeschränkt belastbar sind.

Für den Lebenslauf empfehle ich Ihnen die Formulierung "Berufliche Pause aus privaten Gründen." Damit offenbaren Sie zunächst nicht mehr als nötig und gleichzeitig stehen Sie zu der Pause. Private Gründe - das kann Vieles bedeuten, eine lange Reise oder die Pflege eines Angehörigen. Interessierte Personaler werden hier ganz sicher nachfragen, um den konkreten Grund für die arbeitslose Zeit zu erfahren. Ich empfehle Ihnen, im Vorstellungsgespräch so nah wie möglich an der Wahrheit zu bleiben. Sonst laufen Sie Gefahr, sich in Widersprüchen zu verstricken und Ihre Körpersprache verrät Sie. Bauen Sie Ihre neue berufliche Zukunft nicht auf einer Unwahrheit auf.

Eine gute Storyline verbindet die Trennungsgründe vom alten Arbeitgeber mit der anschließenden Auszeit. Ich weiß nicht, in welchen Aspekten Sie gestärkt aus Ihrer Krise hervorgegangen sind. Da gibt es sicher einiges zu erzählen. Im Vorstellungsgespräch können Sie darstellen, was Sie daraus für sich gelernt haben und welche Fähigkeiten Sie dadurch erweitern konnten. Nicht ausgeschlossen, dass Sie bei bestimmten Anforderungen der konkreten Stelle auf diese Weise sogar Pluspunkte sammeln. Kommt es in Ihrem Beruf beispielsweise auf kommunikative Fähigkeiten und Einfühlungsvermögen an, wären Ihre persönlichen Erfahrungen sehr bereichernd - wenn Sie diese für sich gut reflektiert und aufgearbeitet haben.

Voraussetzung dafür ist die richtige Einstellung. Sehen Sie sich selbst als Opfer der Umstände oder unfairer Mitmenschen und blicken mit Groll zurück, werden Sie dies ungewollt auch so darstellen. Das schreckt potenzielle Arbeitgeber ab. Dann würde ich Ihnen empfehlen, Ihre Haltung zu überdenken. Suchen Sie bei den Ursachen - neben Stress und belastenden externen Umfeldfaktoren - auch Ihre eigenen Anteile. Können Sie Fehler eingestehen? Haben Sie daraus Ihre Schlüsse gezogen und sich aktiv befreit, nötigt das Ihren Gesprächspartner Respekt ab. Diese Offenheit ist entwaffnend, selbstbewusst und glaubwürdig.

Obwohl sich viele Personaler in den letzten Jahren intensiv mit der Burn-out-Thematik befasst haben, kann es den einen oder anderen Vorgesetzten geben, bei dem eigene Ängste und Vorurteile überwiegen. Doch ganz ehrlich - möchten Sie dort arbeiten? Sicher nicht. Mit dieser Strategie sortieren Sie die ungeeigneten Arbeitgeber automatisch aus. Es kann sein, dass Sie mehr Bewerbungen schreiben, Gespräche führen und Zeit investieren müssen, bis Sie ein passendes Unternehmen gefunden haben. Dafür erhalten Sie dann einen neuen Job bei einem wirklich guten Arbeitgeber und mit einer tollen Unternehmenskultur.

Zum Autor

Matthias Martens, Jahrgang 1964, war zehn Jahre Personalleiter im Otto-Konzern, bevor er sich 2006 für die Selbstständigkeit entschied. Heute begleitet der Inhaber einer Outplacementberatung  als Berater und Coach vor allem Menschen in der Lebensmitte, die sich beruflich neu orientieren wollen oder müssen. Alle Kolumnen von Matthias Martens  Mail an den Coach 

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