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Jobsuche Wie bewerbe ich mich richtig?

Wer eine neue Stelle sucht, muss erst mal mit seiner Bewerbungsmappe überzeugen, um es dann zum Vorstellungsgespräch zu schaffen. Wie das geht, lesen Sie hier.
Jobsuchende sind bei Bewerbungen häufig verunsichert

Jobsuchende sind bei Bewerbungen häufig verunsichert

Foto: 10'000 Hours / Digital Vision / Getty Images

Muss ich meinen Familienstand angeben? Sind Fotos noch obligatorisch? Und wer liest mein Anschreiben überhaupt? In Bewerbungsphasen zerbrechen sich Jobsuchende häufig den Kopf. In manchen Aspekten herrscht Einigkeit, in anderen große Verunsicherung. Doch was müssen Sie tatsächlich beachten? Und was unterscheidet eine gute von einer schlechten Bewerbung?

Alles Wichtige erfahren Sie hier:

Wie sieht eine gute Bewerbung aus?

Schon bei der Länge einer Bewerbung sind Jobsuchende verunsichert. Tatsächlich aber ist es wichtig, sich kurzzufassen. "Eine gute Bewerbung sollte so knapp und kompakt wie möglich und so ausführlich und aussagekräftig wie nötig sein", sagt die Rechtsanwältin und Personalerin Spiridula Minassidou. Inhalt und Form seien gleichermaßen wichtig. "Dies gilt vom Aufbau der Mappe, über die Gestaltung des Anschreibens bis hin zum sauberen Ausdruck der Dokumente", so Minassidou.

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Der Inhalt und Umfang einer Bewerbung sind laut der Juristin jedoch auch von der Bewerbungssituation, der Art der Stelle und den Anforderungen der Arbeitgeber abhängig.

Obwohl sich Bewerber kurzfassen sollten, dürfen folgende Unterlagen niemals fehlen:

  • Anschreiben,

  • Lebenslauf,

  • das Zeugnis, welches die höchste Berufsqualifikation belegt

  • und die letzten drei Arbeitszeugnisse.

Verzichtet werden sollte hingegen auf Arbeitszeugnisse, die älter als zehn Jahre sind. Zertifikate über Fort- und Weiterbildungen sollten nur beigefügt werden, wenn diese einen Bezug zur neuen Stelle haben und auch wirklich noch aktuell sind.

Sollte ich ein Foto beifügen und meinen Familienstand angeben?

Auch bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Tatsächlich aber ist es einzig und allein dem Bewerber überlassen: "Durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz  wurde der Familienstand im Lebenslauf zu einer optionalen Angabe, bei der Bewerber die Wahl haben - wie etwa auch beim Bewerbungsfoto", sagt Minassidou.

Durch das Antidiskriminierungsgesetz soll verhindert werden, dass Kandidaten aufgrund des angegebenen Familienstands oder des beigefügten Bewerbungsfotos unterschiedlich behandelt und bewertet werden und wegen ihrer Religion, Herkunft, sexuellen Identität, Weltanschauung oder ihres Geschlechtes diskriminiert werden. "Der Familienstand im Lebenslauf sagt nichts über die Qualifikationen eines Bewerbers aus und stellt deshalb für Unternehmen keine relevante Information dar", so die Rechtsanwältin weiter.

In der Praxis ist es allerdings so, dass ein beigefügtes Foto eher die Regel als die Ausnahme ist. Bewerber nutzen Fotos, um sich auch visuell von anderen Interessenten abzuheben. Sollte das Bild fehlen, darf dies jedoch keine negativen Auswirkungen für den Bewerber haben.

Bewerber sollen frei entscheiden dürfen, ob sie ihre Bewerbung mit einem Foto schmücken wollen oder nicht. "Ebenfalls muss der Bitte eines Personalverantwortlichen, ein solches Bild nachzureichen, nicht Folge geleistet werden", sagt Minassidou. Eine grundsätzliche Empfehlung, ein Foto beizufügen, könne somit nicht abgegeben werden.

Wer liest überhaupt eine Bewerbung?

Eine der Fragen, die jeden Bewerber verunsichert: Wen erreicht meine Bewerbung? Und wird sie unter Umständen schon aussortiert, bevor der Chef sie zu Gesicht bekommt? Dies hängt von mehreren Faktoren ab. So liest in kleineren Unternehmen zumeist der Chef das Anschreiben, in größeren hingegen kommt es auf die Position an, die besetzt werden soll.

"Ist die Position aufgrund der Organisationsstruktur des Unternehmens so hoch angesiedelt, dass sich der Chef die Entscheidung über die Stellenbesetzung vorbehalten hat, dann liest er sie, in der Regel nach einer Vorauswahl durch den Personalleiter, auch tatsächlich selbst", so die Rechtsanwältin. Als Faustregel gilt: Meist liest derjenige, mit dem Sie später das Bewerbungsgespräch führen, Ihr Anschreiben.

Was sind klassische Fehler?

Auch im Bereich der Bewerbungen gibt es No-Gos. Dazu zählen vor allem die sogenannten "Copy-Paste-Fehler" im Datum, Lebenslauf und Anschreiben (Rechtschreibfehler, falscher Ansprechpartner) sowie Fehler in der Benennung der angehängten Dateien oder fehlende Anhänge.

Mehreren Arbeitgebern die gleiche Bewerbung zu schicken, spart zwar Zeit, minimiert in den meisten Fällen jedoch die Erfolgschancen. "Personaler merken dies ohnehin sofort und strafen die fehlende Mühe mit einer Absage", so Minassidou.

Gibt es einen "langweiligen Einstieg"?

"Mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige gelesen..." - so beginnen auch heute noch viele Anschreiben. Viele Experten raten davon ab und empfehlen einen kreativeren Einstieg. Auch Minassidou ist kein großer Fan solcher Sätze. "Einem solchen Einstieg fehlt einfach eine Aussagekraft, weil er fast immer verwendet wird. Man suggeriert damit, dass einem nichts Besseres eingefallen ist oder man sich zu wenig Gedanken gemacht hat."

Gleiches gilt laut der Juristin für beliebte Floskeln wie "belastbar, flexibel und zuverlässig", die je nach Stellenausschreibung gern ohne weiteren Kommentar in die eigene Bewerbung aufgenommen werden. Ein langweiliges Anschreiben, das lieblos und wenig individuell wirkt, macht nicht neugierig auf Sie - deshalb sollten Sie sich hier Mühe geben und nicht im Floskelsumpf versinken. Ein praktischer Tipp: Lesen Sie sich das Anschreiben selbst laut vor. Bringen Sie endlose Sätze ins Stottern oder langweilen Sie Ihre eigenen Worte, werden Sie damit wohl auch Ihr Gegenüber nicht vom Stuhl reißen‚.

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