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Lebenslauf Das denken Arbeitgeber über kranke Bewerber

Zwei Jahre krank, zwei Jahre raus aus dem Arbeitsleben. Wie verpackt man das im Lebenslauf, ohne gleich aussortiert zu werden? Ein Personalchef spricht Klartext.
Von Adrian Schimpf
Eine lange Krankheit ist überstanden - aber wie geht es weiter?

Eine lange Krankheit ist überstanden - aber wie geht es weiter?

Foto: DPA
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Foto: Nico Herzog/ Madsack

Adrian Schimpf (Jahrgang 1969) ist Konzernpersonalchef der Madsack Mediengruppe. Zuvor war er Leiter der Personalentwicklung beim Verlag Gruner + Jahr. Der Jurist hat ein Herz für Hertha BSC und für England.Jetzt mal ehrlich: E-Mail an Adrian Schimpf 

Eine Leserin schreibt: Zwei Jahre hat sie nicht gearbeitet, sie war schwer krank. Danach nahm sie schnell das erstbeste Jobangebot an. Nun will sie sich beruflich weiterentwickeln. Doch sie ist unschlüssig, wie sie die Zwangspause im Lebenslauf erwähnen soll und würde am liebsten "arbeitsuchend" schreiben. Jetzt mal ehrlich, Herr Schimpf, läuten beim Personalchef die Alarmglocken, wenn er "krankheitsbedingt ohne Beschäftigung" liest?


Personalchef Adrian Schimpf antwortet:
Die oberste Grundregel bei der Erstellung des Lebenslaufs lautet: Nicht lügen. Wenn Sie zwei Jahre lang aufgrund einer Krankheit nicht arbeitsuchend waren, dann sollten Sie diesen Zeitabschnitt auch nicht so beschreiben.

Außerdem würden Sie im Einstellungsgespräch mit Sicherheit gefragt werden, warum es denn so schwierig war, einen neuen Job zu finden und warum das alles so lange gedauert hat. Dann müssten Sie entweder doch von Ihrer Erkrankung berichten, schweigen oder - nun ja - irgendeine ausgedachte Geschichte erzählen. Alles keine guten Lösungen. So geht es also auf keinen Fall.

Die zweitwichtigste Grundregel für den Lebenslauf lautet: Keine Lücken. Sie können diese zwei Jahre also auch nicht einfach unkommentiert lassen.

Zwei Jahre im Knast?

Eine Möglichkeit wäre, im Lebenslauf von einer "Auszeit aus persönlichen Gründen" zu sprechen. Das kann vieles sein: die Pflege eines Angehörigen, der Roman, den man immer mal schreiben wollte - oder eben eine Erkrankung. (Zynische Arbeitgeber würden vielleicht auch an einen Gefängnisaufenthalt denken.) Den Begriff Sabbatical würde ich nicht verwenden, weil ein Sabbatical ja immer eine freiwillige Auszeit ist. Im Einstellungsgespräch werden Sie dann natürlich nach der Auszeit und den Gründen gefragt, sie sollten darauf ehrlich antworten. Ein verständiger Arbeitgeber kann nachvollziehen, dass eine Bewerberin eine so sensible Information nicht verschriftlicht.

Die von Ihnen vorgeschlagene Angabe "Krankheitsbedingt ohne Beschäftigung" kann bei Arbeitgebern zu zwei möglichen Reaktionen führen: Entweder werden Sie "erst recht" eingeladen, weil der Arbeitgeber Angst hat, dass sich dahinter der Hinweis auf eine Behinderung versteckt und Sie ihn wegen Diskriminierung verklagen, wenn er Sie nicht zum Vorstellungsgespräch einlädt - manche Arbeitgeber ticken tatsächlich so. Oder er lädt Sie wegen der Angabe nicht ein, weil er befürchtet, dass es sich bei der Bewerberin um eine nicht voll belastbare Arbeitnehmerin handelt.

Was also schreiben, "Auszeit aus persönlichen Gründen" oder "Krankheitsbedingt ohne Beschäftigung"? Meine persönliche Meinung: Wählen Sie die Alternative, mit der Sie sich wohler fühlen. Bei mir wäre das "Krankheitsbedingt ohne Beschäftigung". Je früher man ehrlich den Grund der zweijährigen Auszeit offenlegt, desto früher bekommt man die Rückmeldung, ob der potenzielle Arbeitgeber das als Problem ansieht oder nicht. Will mich ein Arbeitgeber nicht einstellen, weil ich vor einiger Zeit Hautkrebs hatte, dann würde ich bei ihm auch nicht arbeiten wollen.

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