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Bewerbungsfotos: Bitte recht männlich

Bewerbungsfotos "Manche Fotografen gehören eingesperrt"

Da ragt einer dynamisch von schräg unten ins Bild. Eine andere kneift den Mund zusammen, weil man angeblich keine Zähne zeigen darf. Beim Bewerbungsfoto kann man viel falsch machen - aber wie wichtig ist es überhaupt? Fünf Experten verraten, worauf sie achten.

Wie sieht die perfekte Bewerbung aus? Wovon träumen Personaler, wenn sie durch Hunderte von Jobanfragen blättern? Und welches Detail eines Anschreibens bleibt im Gedächtnis haften? Um solche Fragen ging es, als in diesem Wintersemester die Veranstaltungsreihe "KarriereSPIEGEL im Hörsaal" an der TU Dresden und der TU Darmstadt Station machte.

"Mal mit relevanten Personalleuten reden, ohne dass es um die eigene Bewerbung geht - das ist perfekt", sagte Janni Viering, 22. Der Maschinenbaustudent aus Dresden hatte, wie viele andere auch, seine Bewerbungsmappe mitgebracht, um sie von Experten begutachten zu lassen.

Nicht nur bei ihm kam das Gespräch bald auf die Bewerbungsfotos. Denn um deren Bedeutung bei der schriftlichen Bewerbung ranken sich viele Gerüchte: Wer nicht lächelt, fliegt auf jeden Fall raus. Oder auch: Nur Lächler mit leicht geöffnetem Mund schaffen es überhaupt in die zweite Runde. "Keine Sorge, da gibt's keinen geheimen Kriterienkatalog", sagte Julia Rohleder, Recruitment-Chefin beim Handelskonzern Otto.

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KarriereSPIEGEL im Hörsaal: Ein Bild von einer Bewerbung

Foto: Robert Lohse/ Career Service

Wir haben die wichtigsten Fragen rund um das Bewerbungsfoto zusammengefasst - und die Antworten von vier Fachleuten.

  • Wie sieht ein gutes Bewerbungsfoto aus?

Dagmar Hochbein, Personalexpertin bei Bosch: "Es sollte vor allem aktuell sein, nicht älter als zwölf Monate - ich will die Bewerberin oder den Bewerber ja wiedererkennen. Bitte kein Passfoto und auch kein Ganzkörperfoto."

Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer und KarriereSPIEGEL-Autor: "Nehmen Sie Blickkontakt mit dem imaginären Betrachter auf. Dazu gehören...
ein begrüßendes, offenes Lächeln,
die schattenfreie Ausleuchtung des Gesichts,
ein natürlicher Hautton,
eine fixierte Frisur,
ein freies Gesicht,
die Ausrichtung des Körpers auf einen imaginären Gegenüber,
möglichst keine Neigung des Kopfes,
eine Darstellung nur von Kopf bis Schultern (Krawattenknoten - oberster Shirt-Knopf),
mit dem Körper möglichst senkrecht zur Blickachse - nicht dem Betrachter zugeneigt."

  • Was sollte ich auf dem Bewerbungsfoto anziehen?

Julia Rohleder, Personalerin bei Otto: "Das hängt von der Position ab, um die Sie sich bewerben. Wenn es um eine Entwicklerposition geht, müssen Sie keinen Anzug tragen. Ihr Erscheinungsbild sollte in jedem Fall gepflegt sein. Das Foto sollte professionell aufgenommen und kein Ausschnitt aus dem letzten Familienfoto sein. Generell gilt: Dress for the job you want, not the job you have!"

Helene Endres, KarriereSPIEGEL-Redakteurin vom manager magazin: "Seriöse, der Stelle und Branche angemessene Kleidung. Wenn Sie sich als Bademeister bewerben, ist der Dreiteiler mit Krawatte unangebracht - das Poloshirt hat dafür in der Bank nichts zu suchen."

  • Andere Länder tendieren zu anonymen Bewerbungen - wie wichtig ist denn ein Bewerbungsfoto überhaupt noch?

Dagmar Hochbein: "Die Bedeutung nimmt tatsächlich ab."

Helene Endres: "In Deutschland ist das immer noch sehr wichtig. Das Gesicht zu den Fakten macht die Bewerbung erst rund. Wichtiger als perfekte Schönheit: ein wacher, offener Blick, natürliches Lächeln und gepflegtes Äußeres."

Gerhard Winkler: "Man freut sich auf Kandidatinnen und Kandidaten, die sich selber freuen und die einem offensichtlich viel Freude machen werden. Wenn man kein PR-Foto in eigener Sache mitgibt, hat der Jobanbieter weniger, auf das er sich freuen kann. Ich würde als Bewerber immer Freude schenken! Das passende Foto visualisiert deshalb:
Ich bin gesund und munter.
Ich trage einen Dress, mit dem ich bei formalen geschäftlichen Begegnungen bestens ins Bild passe.
Ich schaue dem Jobanbieter in die Augen.
Ich kann zur Begrüßung sehr freundlich und offen lächeln.
Ich freue mich augenscheinlich auf das anstehende Gespräch."

  • Gibt es ein Bewerbungsfoto, das Ihnen als besonders positiv in Erinnerung geblieben ist?

Thomas Fritz, deutscher Chef-Recruiter bei McKinsey: Nein, da für uns die Bewerbungsfotos - ehrlich gesagt - unwichtig sind. Wir legen vor allem Wert darauf, in der schriftlichen Bewerbung die Qualitäten des Bewerbers zu erkennen.

Julia Rohleder: "Ja! Eine junge Dame, die sich als Online-Produktmanagerin bei Otto beworben hat. Mit ihrem Gesichtsausdruck hat sie Begeisterung ausgestrahlt à la 'Für diesen Job habe ich die größte Motivation!' Und wir haben sie tatsächlich eingestellt, auch wenn das nicht am Foto lag."

Dagmar Hochbein: "Leider nein. Das Gesamtpaket ist wichtig, das heißt: Das Foto ist Bestandteil des Lebenslaufs - der sollte übersichtlich aufgebaut sein, die Inhalte sollten gut zur ausgeschriebenen Position passen."

  • Gab es schon einmal richtige Negativ-Ausreißer bei Bewerbungsfotos? Und was war darauf zu sehen?

Thomas Fritz: Nein, bislang haben wir keine Negativ-Ausreißer erhalten. Aber manchmal wundert man sich, wenn Bewerber Urlaubsschnappschüsse oder Fotos im Trainingsanzug schicken. Doch solange der Rest der Bewerbung überzeugt, kann es passieren, dass selbst diese Bewerber zu einem Gespräch eingeladen werden.

Gerhard Winkler: "Bestürzend finde ich...
ein abgrundtiefes Dekolleté,
einen Oberkörper, der so gedreht ist, dass die prachtvolle Büste weit nach vorn ragt,
ein von oben herab aufgenommenes Porträt mit weit aufgerissenen Augen und einem kriecherischen Lächeln (gibt's nur bei Frauen, manche Fotografen gehören eingesperrt),
die Denkerpose mit aufgestütztem Kinn,
ostentatives Vorbeischauen am Betrachter,
ein auf Kopf und Oberkörper zurechtgeschnittenes Urlaubsfoto,
ein offensichtlich gescanntes, da viel zu dunkles und gerastertes Bild im Stil 'Mitglied des Politbüros 1969'."

  • Was mache ich mit anderen Fotos von mir im Netz - also den berüchtigten Partybildern in sozialen Netzwerken?

Julia Rohleder: "Googeln Sie sich. Alle Fotos, die Sie selbst als nicht 'arbeitgebertauglich' bezeichnen, lassen Sie löschen beziehungsweise löschen sie selbst von Ihren eigenen Seiten. Wichtiges Stichwort: Privatsphäre-Einstellungen der sozialen Netzwerke nutzen!"

Helene Endres: "Sie sollten von vornherein die Sicherheitseinstellungen Ihrer sozialen Netzwerke überprüfen, damit keiner die ganz schlimmen Dinger sehen kann. Achten Sie auch darauf, wer Sie in anderen Bildern markieren darf - auch das lässt sich kontrollieren. Vor allem aber: Bewahren Sie einen kühlen Kopf. Oder denken Sie wirklich, der Personaler glaubt, Sie sitzen den ganzen Tag vor einem Glas Leitungswasser zu Hause? Und warum sollte er so jemanden einstellen?"

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Bewerben mit Xing und LinkedIn: "Der rote Faden fehlt völlig"

Foto: Foto: Corbis
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