Arbeitsrecht Wer zahlt die Anfahrt zum Bewerbungsgespräch?

Ob mit der Bahn oder dem eigenen Auto: Muss ein Bewerber für ein Jobinterview länger fahren, zahlt dafür der potenzielle Arbeitgeber - mit einer Ausnahme.

Reisende im ICE
dpa

Reisende im ICE


Von München nach Hamburg und zurück - wer zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird, ist mitunter schnell eine größere Summe für die Anreise los. Muss der Arbeitgeber die Anfahrtskosten für den Bewerbungstermin bezahlen?

"Wenn der Arbeitgeber einen Bewerber bittet, zu einem Vorstellungsgespräch zu kommen, und nichts zu den Anreisekosten vereinbart ist, muss der Arbeitgeber sie in der Regel tragen", erläutert Peter Meyer, Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Ein Arbeitgeber kann diese Erstattungspflicht aber ausdrücklich mit der Einladung zum Vorstellungsgespräch ausschließen, so Meyer. Dann trägt der Bewerber die Fahrtkosten selbst.

Pauschbetrag für Höhe der Kosten

Reist der Bewerber mit dem Auto an, stehen ihm die nach dem Steuerrecht bekannten Pauschbeträge zu, sagt Meyer. Das sind 30 Cent pro Kilometer.

Bei Zugfahrten kann der Arbeitgeber die Kosten deckeln. Er kann zum Beispiel festlegen, dass er nur für die Fahrt in der zweiten Klasse zahlt.

Übernachtet ein Bewerber für das Vorstellungsgespräch vor Ort, gelten die gleichen Grundsätze: Der Arbeitgeber erstattet die Kosten, wenn es nicht anders vereinbart ist - aber nur, wenn der Bewerber nicht problemlos am Vorstellungstag an- und abreisen kann.

Keine Erstattung bei Verdienstausfall

Ebenfalls eindeutig ist die Sache, wenn es um die Zeit des Arbeitnehmers geht, erklärt Meyer: Wer sich für ein Bewerbungsgespräch Urlaub nimmt oder Arbeitszeit in seinem aktuellen Job verpasst, hat keinen Anspruch darauf, dass der potenzielle neue Arbeitgeber für den Zeitaufwand aufkommt oder den Verdienstausfall ersetzt.

sun/dpa

insgesamt 32 Beiträge
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Crom 20.03.2019
1.
Falls der Arbeitgeber sich bereits bei solchen Fragen knausrig zeigt, wäre der bei mir unten durch, außer er wäre in der gleichen Stadt oder um die Ecke, dann handelt es sich um Kleckerbeträge, wo die Bürokratie mehr kostet als die Anreise an sich. Da sollte man als potentieller Arbeitnehmern im Gegenzug auch nicht so erpicht auf jeden Cent sein.
eisbaer68 20.03.2019
2. Dem potentiellen Arbeitgeber
gleich mit einer Forderung zur Erstattung der Fahrtkosten zu kommen, macht sicher einen super Eindruck. Entweder er spricht dieses Thema selbst an oder man nutzt dafür wenigstens die Steuererklärung. Da ist zwar u.U. nicht so viel zu holen, macht aber keinen schlechten Eindruck. Wer sich bewirbt weiß schließlich worauf er sich einlässt. Für den Fall, dass man genommen wird, sollte sich die Gesamtsituation (Einkommen und Arbeitsklima) verbessert habe. Dann war das eine korrekte Investition in die Zukunft. Wenn nicht, hat man vielleicht Lehrgeld bezahlt.
labuday 20.03.2019
3. naja - als Bäckergeselle aus Hamburg würde ich auch nicht
nach MUC fahren. Das sind ja schon eher höherwertigere Jobs - ich kauf mir einen neuen Anzug für 600/800 € und 300 € 2. Klasse sind mir dann zuviel ? Einfach nur dumm. Wenn ich einen solchen Job in Aussicht habe, hole ich das Geld doch ´nach 2 Wochen schon wieder raus, ich bewerbe mich doch nicht in einem Job ´, bei dem ich nur 150€/Monat mehr kriege.
chef_vom_dienst 20.03.2019
4. Unis erstatten Fahrtkosten meistens nicht
Dies gilt auch bei Stellen für Führungspositionen, wie Akademische (Ober-)Räte und Professuren.
Hans-Dampf 20.03.2019
5.
@eisbaer68 Ich sehe das anders. Wer eine Einladung ausspricht, zahlt am Ende auch, wenn nicht anders vereinbart. Das ist im Privaten schließlich auch so. Wenn ein potentieller Arbeitgeber die Anfahrtskosten für den Bewerber fürchtet, sollte nicht bundesweit suchen und/oder nur die einladen, die in unmittelbarer Nähe wohnen.
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