Bier aus Brotresten Das kann man doch noch trinken

Täglich werden tonnenweise Lebensmittel weggeschmissen, die noch genießbar sind. Mehrere Start-ups wollen das ändern. Zum Beispiel, indem sie Bier aus Brot brauen.

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Das Bier ist bernsteinfarben und würzig, für die besondere Geschmacksnote sorgt unter anderem die Verzuckerung an den Brotkrusten. Brotkrusten? Ja, Dominic Meyerhans, 40, lässt in der Schweiz Bier aus Brot brauen. Er nennt das "wertschätzenden Genuss".

Meyerhans, Mühlenunternehmer in sechster Generation, will helfen, dass weniger Lebensmittelreste weggeworfen werden. Er sammelt unverkauftes Brot aus Bäckereien, lässt es trocknen und mahlen und braut dann mit Wasser, Hefe, Hopfen und Gerstenmalz Bier daraus. Das Brot ersetzt etwa 30 Prozent des Braumalzes. Acht Tonnen ergeben etwa tausend Hektoliter "Damn Good Bread Beer", wie Meyerhans seine Kreation nennt: "Verdammt gutes Brotbier".

Auch an der Hochschule Niederrhein in Krefeld experimentieren Studenten mit Brot als Gärungsgrundlage. "Bier" darf das Gebräu in Deutschland aber nur in Anführungsstrichen heißen - wegen des deutschen Reinheitsgebots.

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The Good Food: Chance für aussortierte Lebensmittel

Es sind gigantische Berge von Essen, die in Europa im Müll landen: angeschlagenes Obst, Artikel mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum oder Salat, der im Kühlschrank welk wurde, bevor er auf den Tisch kam. Europaweit werden laut der Umweltstiftung WWF mindestens 123 Kilogramm genusstaugliche Lebensmittel pro Person und Jahr weggeworfen. In Deutschland wären das zehn Millionen Tonnen oder gut 300 Kilogramm pro Sekunde.

48 Millionen Tonnen Treibhausgase würden jährlich gespart, wenn in Deutschland alle Nahrungsmittelverluste vermieden würden, hat der WWF ausgerechnet. Das Ziel der Vereinten Nationen: Lebensmittelabfälle weltweit bis 2030 zu halbieren.

Und immer mehr Unternehmer setzen genau da an. In Resteläden wie The Good Food in Köln werden krumme Möhren und kleine Kartoffeln verkauft, die anderswo aus dem Sortiment fliegen. Und in Restaurants wie dem Restlos glücklich in Berlin werden überreife Früchte zu Chutneys oder altes Brot zu Muffins verarbeitet.

Auch Janine Trappe will mit "gerettetem Brot", wie sie sagt, ins Geschäft kommen. Mit zwei Freunden hat sie in Konstanz die Firma Knödelkult gegründet. Aus altem Brot machen sie Knödel im Glas, die dann in Scheiben geschnitten angebraten werden können. Es gibt Varianten mit Speck, Zwiebeln, Käse oder Karotten, Walnüssen und Curry. Bald soll der Onlineversand starten.

Gegen die Verschwendung von Lebensmitteln sollen auch die Apps "MealSaver" und "Too Good To Go" helfen. Per Klick können Nutzer in ihrer Umgebung Restaurants und Geschäfte finden, die vor Ladenschluss noch übriges Essen preisgünstig abgeben.

In Deutschland startete "Too Good To Go" in diesem Jahr, 500 Betriebe machen schon mit. "Wir haben schon 40.000 Mahlzeiten gerettet", sagt Sprecherin Teresa Sophie Rath. Aus der Idee soll irgendwann ein profitables Geschäft werden.

mja/Christiane Oelrich/dpa



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upalatus 28.05.2017
1.
Kwass. Gibts seit ewigen Zeiten. Soll ungemein gesund sein.
pauliolli 28.05.2017
2. Das ist Kwas oder Brottrunk
Dieses Getränk ist sehr beliebt bei Jung und Alt in Russland. Es gibt dort weißen Kwas, der im Sommer gerne für Okroschka verwendet wird und den braunen Kwas oder auch "pitewaja Kwas". Sehr lecker aber natürlich nicht Kalorienarm. Es gibt Kwas im übrigen in fast jedem russischen Shop zu kaufen. Wer mehr wissen will findet es auch in Wikipedia. (https://de.wikipedia.org/wiki/Kwas)
Georg E. 28.05.2017
3. Meal Saver...
....und "too good to go". Muss erst wieder ein nach weiter Welt klingender Name dafür gefunden werden, damit man nicht zuviel Lebensmittel kauft? Anstatt einfach mal weniger zu konsumieren um nichts wegzuschmeissen, muss erst ein Trend erfunden werden, der den Leuten die Ehrfurcht vor den Nahrungsmitteln beibringt? "Gerettete" Lebensmittel dann online per App kaufen? Noch mehr Verpackungswahnsinn und umweltschädlichen Versandhandel. Vornehm (aber dafür mit gutem Gewissen) geht die Welt zu Grunde...
Miere 29.05.2017
4. Kann man machen.
Wenn's denn schmeckt. Früher mal hat man kein Essen weggeworfen, sondern mit den Resten die Schweine gefüttert. Bis irgendwann gesetzlich verboten wurde, irgendwelches Brot oder Gemüse, das schonmal ein Mensch im Supermarkt angegrabbelt haben könnte, an Tiere zu verfüttern.
kloppskalli 29.05.2017
5. @Georg E. gestern, 23:44 Uhr
Lieber Georg, JA, man muss einen 'nach weiter Welt klingenden Namen' dafür finden. Die mehrheit wird nicht einfach mal so 'einfach mal weniger konsumieren' und nichts wegschmeissen. "Gerettete" Lebensmittel dann online per App kaufen? JA, wieso nicht. Das ist recycling pur. Klar waere es besser, wenn alle Menschen gewissenhaft und verantwortungsvoll konsumieren wuerden, allerdings muss der Baecker so oder so immer ein paar Broetchen zu viel backen, sonst bleiben dem bald noch die letzten Kunden weg, wenn er regelmaessig ohne da steht und die Langschlaefer zu seinen Kollegen schicken muss, die noch Broetchen haben..
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