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27. Dezember 2011, 14:08 Uhr

Bierbrauerin allein unter Männern

"In dem Job darfst du keine Mimose sein"

Technisch, körperlich anstrengend, eher einsam: Bierbrauen ist ein Traditions-Handwerk, das nur wenige Frauen ausüben. Andrea Falke ging einen langen Weg von der Ausbildung bis zur gestandenen Brauerin. Wenn sie Feierabend hat, muss sie nicht mehr ins Fitnessstudio.

Die Vorfreude der Besucher ist groß. Erst soll es durch die verschiedenen Abteilungen der Brauerei gehen, dann zur Verkostung. Die erste Station auf dem Weg zum kühlen Bier ist das Sudhaus, der Ort der Würzeherstellung, an dem nach strengem Rezept Hopfen, Wasser und Malz vermischt und gekocht werden. Dort stellt sich ihnen eine Frau vor: "Ich heiße Andrea Falke und bin hier die Brauerin." Die Männer schauen irritiert. Andrea Falke, 34, lacht: "Keine Angst, das Bier schmeckt nicht anders, nur weil eine Frau es braut."

Seit neun Jahren arbeitet sie im Schichtdienst im Sudhaus der Stauder-Brauerei in Essen. Ihre Kollegen sind alle Männer - mit einer Ausnahme: Im vergangenen Jahr hat Katharina Hauke, 19, ihre Ausbildung zur Brauerin begonnen. Laut Ausbildungsstatistik der Industrie- und Handelskammer gab es 2010 deutschlandweit 659 Azubis mit dem Berufsziel Brauer und Mälzer - und davon nur 41 Frauen.

Stauder in Essen ist ein mittelständischer Privatbetrieb, den es schon seit 1888 gibt, heute geführt von den Brüdern Thomas und Axel Stauder. Die Mitarbeiter füllen jede Stunde 40.000 Flaschen Pils und Malzbier ab. Stauder trinkt man vor allem im Ruhrgebiet, das Bier kann man aber auch im Berliner Adlon und in einigen Interconti-Hotels an der Bar bestellen.

Im Sudhaus ist es schwül, stickige 26 Grad, es riecht stark nach Hopfen. Andrea Falke steht mit blauer Latzhose und Stahlkappenschuhen vor einer großen Schalttafel. Das Brauen beginnt mit dem Maischen, der Prozess, bei dem das Bier seinen Geschmack bekommt. Dafür wird Wasser in einer kupfernen Kochpfanne auf 60 Grad erhitzt und Malz zugegeben.

Wie im Fitnessstudio - mit Sauna

Andrea Falke beobachtet, wie die sogenannte Maische unter ständigem Rühren weiter erhitzt wird, damit Enzyme Stärke aus dem Malzzucker umsetzen. In einer anderen Pfanne werden Malz und Würze, also die Flüssigkeit, die beim Brauen entsteht, voneinander getrennt.

Später spielt noch eine weitere Pfanne eine Rolle, die bis zu 450 Hektoliter fasst. Hier regelt Andrea Falke durch Nachgüsse mit heißem Wasser, wie die Würze aus dem Treber gespült und mit Hopfen gekocht wird. Sechs Stunden dauert das. Anschließend wird die Würze abgekühlt und geht in den Gärkeller, wo die passende Hefe dazukommt.

Die Arbeit verlangt Präzision und ist oft auch körperlich anstrengend. Falke muss schwere Schläuche durch die Hallen ziehen, mit dem Hochdruckreiniger Siebe säubern oder Hopfen packen. "Ich habe hier mein Fitnessstudio inklusive Sauna", sagt sie, "Sport muss ich nicht mehr machen."

Es gibt Schichten, da wechselt die Brauerin kaum ein Wort: "Das muss man schon mögen, der Typ dafür sein." Die Kollegen arbeiten in den anderen Abteilungen, im Gär- und Lagerkeller, wo die abgekühlte Würze weiterverarbeitet wird, im Labor oder in der Abfüllung. Andrea Falke braut von montags bis mittwochs jeweils acht Stunden lang. Donnerstags und freitags reinigt sie die Anlagen oder packt den Hopfen in Tüten, das Wochenende hat sie frei. Die Brauerin kann sich nicht vorstellen, in einem anderen Beruf zu arbeiten, obwohl die Arbeit sie manchmal körperlich schlaucht: "Ich mag alles an dem Job."

Starkbier aus der Garage

Brauerin zu werden, auf diese Idee brachte sie ihr Vater. "Mach doch etwas mit Bier. Das wird immer getrunken", hatte er gesagt. Andrea Falke machte ein zweiwöchiges Praktikum in einer Krefelder Brauerei, dann bekam sie in Düsseldorf eine Stelle als Mälzerin angeboten. 1993 war sie in ihrer damaligen Brauerei die erste Auszubildende in diesem Beruf. "Klar kommt da mal ein Spruch von den Männern", sagt Falke. "Aber du darfst in dem Job eh keine Mimose sein, musst auch mit einem rauen Umgangston klarkommen."

Nach ein paar Jahren wollte Andrea Falke mehr Verantwortung übernehmen, sie besuchte eine Meisterschule für Brauwesen in München. Die Schwierigkeiten zeichneten sich nach dem Abschluss ab: "Viele Brauereien sind nicht auf Frauen einstellt, hadern mit dem Arbeitsschutz. Das fängt bei getrennten Toiletten an und geht bis zu Umkleideräumen."

Andrea Falke schrieb viele Bewerbungen, finanzierte sich mit Vertretungsjobs, ein Jahr lang war sie arbeitslos. 2002 fing sie als Brauerin bei Stauder an: "Das hat sich ergeben, weil ein Kollege in den Vaterschaftsurlaub gegangen ist."

Für ihre Freunde bedeutete der neue Job einen Verlust: Falke hatte in ihrer Garage eine kleine Brauerei aufgebaut, besonderes beliebt war ihr Starkbier. "Ich habe zehn Stunden am Wochenende allein in der Garage verbracht", sagt sie. "Auch wenn ich den Beruf liebe: Das war zu viel."

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