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08. März 2012, 18:26 Uhr

Billy-Allianz

Ikea-Mitarbeiter aller Länder vereinigen sich

"Sie verkaufen die gleichen Fleischbällchen wie wir", sagt Eyüp Alemdar von der türkischen Gewerkschaft Koop-Is. In Istanbul haben sich Ikea-Mitarbeiter aus 14 Staaten getroffen. Eine neue Allianz soll Druck machen für gleiche Bedingungen in allen Ikea-Filialen.

Billy sieht überall gleich aus, die Arbeitsbedingungen beim Hersteller Ikea dagegen nicht. Deswegen wollen sich Mitarbeiter des Möbel-Multis nun international verbünden. Dazu fand am heutigen Donnerstag ein Treffen von 20 Gewerkschaften aus 14 Ländern in Istanbul statt.

Der Anlass war national: Mit dem Treffen wollten die Gewerkschafter ihre Solidarität mit den türkischen Kollegen bei der Arbeitnehmervertretung Koop-Is zeigen. Dort versucht man bereits seit 2010, einen Tarifvertrag für alle türkischen Ikea-Angestellten abzuschließen. Das Management verhindere dies mit allen Mitteln, klagt Koop-Is. In einem Fall habe die Leitung eines türkischen Ikea-Möbelhauses versucht, mutmaßliche Gewerkschaftsmitglieder unter den Angestellten ausfindig zu machen, sagt Metin Guney, der Generalsekretär der Gewerkschaft. Einige sollen daraufhin entlassen worden sein.

Auch in Frankreich hatte es kürzlich einen Skandal um das blau-gelbe Einrichtungshaus gegeben: Daten von Kunden und Mitarbeitern sollen ausspioniert und gespeichert worden sein, sogar Informationen zu Liebesbeziehungen sollen archiviert worden sein.

Zusammen wollen die Arbeitnehmer und Vertreter von 20 Gewerkschaften aus 14 Staaten nun bessere Arbeitsbedingungen einfordern - unter dem Dach der internationalen Gewerkschaftsorganisation Uni Global Union. "Ein globales Unternehmen wie Ikea sollte die gleichen guten Standards für seine Beschäftigten in der ganzen Welt haben", sagt die Uni-Vertreterin Alke Boessinger.

Konzernleitung signalisiert Diskussionsbereitschaft

Die Ikea-Kollegen diskutierten auf dem Treffen die tatsächlichen Arbeitsbedingungen vor Ort. Sie sammelten gute und schlechte Beispiele für den Schutz der Rechte von Arbeitnehmern. Dabei wurde deutlich: Die Bedingungen für die insgesamt 100.000 Beschäftigten in 41 Staaten sind sehr unterschiedlich. Während Ikea vor allem in den nördlichen Ländern für hohe Sicherheit und Zufriedenheit stehe, berichteten Mitarbeiter aus anderen Ländern über Repressalien gegenüber Gewerkschaftern, über die Verletzung von Gesundheitsschutz- und Sicherheitsregeln.

Nun will man auch in diesen Ländern zur Mitgliedschaft in der Gewerkschaft stehen und ins Gespräch mit der Geschäftsführung kommen. Therese Möller, eine schwedische Gewerkschafterin und Ikea-Mitarbeiterin, sagte: "Wenn wir es in Schweden machen können, muss es auch anderswo möglich sein". Ein erster Erfolg konnte bereits verbucht werden: Nach Angaben der neuen Ikea-Allianz hat sich der Konzern schon zum Dialog bereit erklärt.

dpa/afp/mia

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