SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

31. Juli 2014, 09:34 Uhr

Blogger-Schule

"Schnelles Geld verdient man so nicht"

Ein Interview von

Geschrieben wird viel, gelesen wenig. Sebastian Canaves weiß, wie schwer es ist, Bloggen zum Beruf zu machen. Sein Erfolgsrezept verkauft er jetzt in Online-Kursen. Erste Lektion: Die meiste Zeit geht fürs Organisieren drauf.

KarriereSPIEGEL: Herr Canaves, Sie sind Blogger und bringen nun in einer Online-Schule anderen das Bloggen bei. Was ist das Wichtigste, damit's klappt?

Sebastian Canaves: Man braucht den richtigen Biss. Es entstehen jeden Tag neue Blogs - und jeden Tag sterben auch etliche. Meist trennt sich nach ein paar Monaten die Spreu vom Weizen. Dann, wenn klar wird, dass ein professioneller Blog richtig viel Arbeit bedeutet und man eine Menge Durchhaltevermögen braucht. Ich glaube, dass jeder ein erfolgreicher Blogger werden kann. Entscheidend dafür ist letztlich die Reichweite.

KarriereSPIEGEL: Und wie bekommt man die?

Canaves: Vermeintlich spannende Reiseanekdoten allein locken nicht mehr. Wichtig ist, dass der Blog einen Mehrwert bietet: Je informativer, desto besser. Einige Themen ziehen von allein, andere Blogger müssen erst auf sich aufmerksam machen, indem sie auf anderen Blogs kommentieren, Gastbeiträge schreiben, in anderen Medien präsent sind.

KarriereSPIEGEL: Was gehört denn so zum Joballtag?

Canaves : Mittlerweile verbringe ich nur noch 20 Prozent der Zeit mit Schreiben, der Rest geht für Vermarktung, Organisation und andere Aktivitäten drauf. Einen Blog einzurichten ist einfach. Dafür zu sorgen, dass regelmäßig neue Inhalte online gehen und die Reichweite stimmt, ist der schwierige Teil. Das sieht ein Laie von außen natürlich nicht.

KarriereSPIEGEL: Wenn man Bloggen als Beruf versteht: Wie verdient man da am besten Geld?

Canaves : Das kommt darauf an, wie kreativ man ist und wozu man bereit ist. Viele Blogger lassen Unternehmen Werbung auf ihren Seiten schalten oder testen deren Produkte, meist in Form von Advertorials. Das heißt: Sie schreiben in ihrem Blog darüber und bekommen dafür ein Honorar. Die Produkte passen meist zur inhaltlichen Ausrichtung der Seite, bei Reisebloggern etwa Rucksäcke, Kopfhörer, Wanderschuhe oder mal ein Hotel-Test.

KarriereSPIEGEL: Lohnt sich das?

Canaves : Der Umsatz hängt von der Reichweite ab. Je mehr Leser ich habe, desto attraktiver bin ich für die Unternehmen. Am Anfang habe ich natürlich recht wenig für einen Beitrag bekommen, mittlerweile werde ich gut bezahlt. Eine weitere gute Einnahmequelle ist es, auf Produkte hinzuweisen, die für den Leser hilfreich sind und sein Leben auf Reisen vereinfachen, und darauf zu verlinken.

KarriereSPIEGEL: Also Empfehlungsmarketing?

Canaves : Genau. Ich empfehle zum Beispiel eine Kreditkarte. Für jede über meinen Blog verkaufte Karte bekomme ich eine Provision. Momentan verdiene ich damit sehr gut. Manchmal startet ein Unternehmen auch ein Gewinnspiel auf meinem Blog, bei dem dann etwa eine Sprachreise nach Nizza ausgelost wird.

KarriereSPIEGEL: Nervt das die Leser nicht, wenn Sie ihnen ständig irgendwelche Produkte empfehlen?

Canaves : Man darf es natürlich nicht übertreiben. Ich bekomme mittlerweile rund 20 Anfragen von Unternehmen täglich, aber 99 Prozent davon sortiere ich aus. Ich würde meine Leser niemals verarschen und etwas empfehlen, das ich nicht selber für sinnvoll halte.

KarriereSPIEGEL: Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es noch?

Canaves : Etliche Blogger bringen inzwischen auch ihre eigenen E-Books heraus. Andere bieten Online-Kurse an. Das zu etablieren, ist in Deutschland aber schwer. Hier herrscht noch die Mentalität, dass Lernprodukte im Internet möglichst umsonst sein sollten. Das ist etwa in den USA ganz anders. Ich bin aber sicher, das wird sich hier auch noch ändern.

KarriereSPIEGEL: Damit's klappt: Welchen Fehler gilt es unbedingt zu vermeiden?

Canaves : Die häufigste Falle ist der Gedanke, dass man mit Bloggen schnell Geld verdienen kann. Wenn ich von meinem Blog-Erfolg spreche, dann meine ich natürlich die Gegenwart. Viele vergessen dabei, dass ich über zwei Jahre gebraucht habe, um gut davon zu leben. Ich habe mir ein nachhaltiges Business aufgebaut. .

URL:


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung