200.000 Hin- und Rückflüge Regierungsbeamte pendeln häufig per Flugzeug zwischen Bonn und Berlin

Wenn sie von Bonn nach Berlin müssen, fliegen deutlich mehr Regierungsbeamte die Strecken, statt mit der Bahn zu fahren. Das ist nicht besonders klimafreundlich - und soll vom Bundesumweltministerium nun geändert erden.

Flugzeug über Nordrhein-Westfalen: Regierungsbeamte fahren selten mit der Bahn
Federico Gambarini/ DPA

Flugzeug über Nordrhein-Westfalen: Regierungsbeamte fahren selten mit der Bahn


Trotz Klimadebatte lösten pendelnde Regierungsbeamte im vergangenen Jahr für Flüge zwischen den Flughäfen Köln/Bonn und Berlin 109.422 Tickets für mehr als 200.000 Hin- und Rückflüge. Im selben Zeitraum fuhren sie nur 26.661 Mal mit dem Zug. Das geht aus einer Antwort der Regierung auf eine FDP-Anfrage hervor, über die die "Bild"-Zeitung zuerst berichtete.

Im ersten Halbjahr des Jahres 2019 flogen Mitarbeiter der Bundesministerien die Strecke bereits 61.839 Mal, wohingegen 13.991 Bahntickets gelöst wurden. Ausgenommen sind Fahrten mit der BahnCard 100, deren Besitzer ticketfrei fahren können. Wie häufig Regierungsbeamte für Dienstreisen das Auto nutzten, geht aus dem Papier nicht hervor.

"Allein im letzten Jahr haben die Mitarbeiter der Bundesministerien mehr als zehnmal öfter das Flugzeug genommen als die Bahn, um zwischen den Regierungssitzen Bonn und Berlin hin- und herzureisen", kritisierte FDP-Abgeordnete Katharina Willkomm. "Das ist weder vorbildhaft, noch nachvollziehbar."

Videokonferenzen als Alternative

Das Bundesumweltministerium teilte dazu mit: Bei ähnlichen Fahrtzeiten und Preisen sollten Regierungsbeamte die Bahn dem Flugverkehr vorziehen. Die Strecke Berlin - Köln/Bonn dauert mit dem Flugzeug etwa eine Stunde und 15 Minuten. Mit dem Zug brauchen Reisende rund viermal so lange.

Reisen würden zudem nur durchgeführt, wenn es keine kostengünstige Alternativen wie Videokonferenzen gebe, sagte ein Ministeriumssprecher. Im Vergleich zu 2012 würden inzwischen deutlich mehr Beamte mithilfe solcher Technik an Meetings und Ausschüssen teilnehmen. Man wolle das Angebot weiter ausbauen.

"Gleichwohl wird es auch weiterhin unvermeidliche Dienstreisen geben", sagte der Sprecher. Das Umweltministerium will die bereits geltenden Regeln durch eine Änderung des Bundesreisekostengesetzes weiter verschärfen.

"Unser Vorschlag ist, dass die Umweltverträglichkeit im Reisekostengesetz genauso wichtig ist wie Wirtschaftlichkeit", so der Sprecher. "Dann könnte Bahnfahren auf vielen Strecken zur Regel werden und Fliegen zur Ausnahme."

nil/dpa



insgesamt 117 Beiträge
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blackzed 16.09.2019
1. Andere Alternative:
Zweigeteilte Ministerien zusammenführen. dann fallen solche Reisen weg.
specialsymbol 16.09.2019
2. Das Auto nimmt auf der Strecke keiner
Nur ein Idiot würde die Strecke mit dem Auto fahren. Baustelle an Baustelle, Stau an Stau. Selbst mit Chauffeur macht das keinen Spaß. Wobei, wenn man einen genügend hohen Status hat und freigestellt ist kümmern einen Tempolimits natürlich wenig.
zzipfel 16.09.2019
3. Und das Europäische Parlament ...
verkündet große Klimaauflagen für die die alles erwirtschaften und gönnt sich einen ebenso überflüssigen wie klimaschädlichen Reisezirkus zwischen Straßburg und Brüssel. Glaubwürdigkeit sieht anders aus.
David Morgenstern 16.09.2019
4. Unvermeidlich?
Unvermeidliche 200.000 Flüge. Wäre doch auch schade, die Statusmeilen verfallen zu lassen.
neswlf88 16.09.2019
5. recht so
Find ich gut! Wenn zum Beispiel Mitarbeiter des Verkehrsministeriums gezwungen wären, öfter per Bahn zwischen Berlin und Bonn zu pendeln - was meinen Sie, wie schnell die DB auf Vordermann gebracht würde? Solange das Ministerium nämlich die Zustände, die (nicht nur) auf dieser Bahnstrecke herrschen, ignorieren und dem "Fußvolk" überlassen kann, während man selbst lässig drüber hinwegfliegt... so lange wird sich auch am maroden Zustand der DB auch nichts ändern. Insofern sehr begrüßenswert!
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