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Boom beim Freiwilligendienst Alte sind die neuen Zivis

Mehr Bewerber als Stellen - damit hatte man beim Bundesfreiwilligendienst nicht gerechnet. 35.000 "Bufdis" haben seit Juli angefangen, viele sind doppelt so alt wie die Zivis, die sie ersetzen sollen. Ein gutes Zeichen, sagen die einen. Lohndumping, die anderen.
Foto: Andreas Gebert/ dpa

Der Neue ist ein "Bufdi". 58 Jahre alt, kurze graue Haare, tiefe Stimme und tiefe Falten: Bernd Scheftelowitz betreut in Berlin geistig behinderte Kinder. Die Abkürzung "Bufdi" steht für den Bundesfreiwilligendienst (BFD). Im Gegensatz zum Zivildienst, den es seit dem 1. Januar nicht mehr gibt, hat der Bundesfreiwilligendienst keine Altersbegrenzung.

In der Einrichtung, in der Scheftelowitz arbeitet, waren früher 15 Zivis beschäftigt. Heute gibt es neben ihm noch drei weitere "Bufdis". "Das heißt, es fehlen elf Leute, die händeringend gebraucht werden", sagt er. Bewerber gebe es genug, Geld offenbar nicht.

Für ihre Arbeit erhalten die "Bufdis" ein Taschengeld von bis zu 330 Euro, manche Träger stellen dazu auch Unterkunft und Verpflegung zur Verfügung. Der Dienst dauert in der Regel ein Jahr, man kann ihn aber auch auf zwei Jahre verlängern oder auf ein halbes Jahr verkürzen. Bewerben können sich alle: Frauen und Männer, Junge und Alte, Deutsche und Ausländer. Das Interesse ist groß.

35.000 Plätze für "Bufdis" hatte der Staat vorgesehen, alle sind besetzt, 45 Prozent der Stellen mit Frauen. "Mit dem großen Ansturm hatte niemand gerechnet", sagt Martin Schulze vom Bundesarbeitskreis Freiwilliges Soziales Jahr. Eine genaue Zahl, wie viele Bewerber abgelehnt werden mussten, gibt es nicht.

Die Bundesfreiwilligen

In vielen Einrichtungen treffen die "Bufdis" auf FSJ-ler, junge Leute, die ein Freiwilliges Soziales Jahr machen, so wie Torge Riebesell, 20. Er sagt, es gebe "merkbare Unterschiede" zwischen FSJ-lern und "Bufdis". Sie machten zwar die gleiche Arbeit, würden aber unterschiedlich betreut und müssten auch verschiedene Seminare besuchen. Das sei für viele "nicht nachvollziehbar". Auch sei das FSJ in Deutschland weniger anerkannt als früher der Zivildienst, etwa wenn es um Vergünstigungen geht.

Ein weiteres Problem: Viele befürchten, dass der Bundesfreiwilligendienst reguläre Arbeitsplätze gefährdet. Auch Scheftwlowitz sagt, dies sei für ihn eine sehr gute Chance gewesen, "noch mal 'beruflich' tätig zu werden und mich einzubringen". Der Jugendverband des Deutscher Gewerkschaftsbundes (DGB) warnt vor "Lohndumping, vor allem bei sozialen Berufen".

Scheftelowitz ist mit seinem neuen Freiwilligen-Job zufrieden. Seine Hilfe kommt an. Die Mitarbeiter und die betreuten Menschen seien sehr dankbar: "Es ist einfach toll, mit geistig Behinderten zu arbeiten. Die haben nicht solche Berührungsängste, die haben riesengroße Herzen."

Die Abbrecherquote bei den "Bufdis" ist laut Markus Grübel, dem Vorsitzenden des Bundestag-Unterausschusses Bürgerschaftliches Engagement, mit zehn Prozent niedrig. Zum Vergleich: Beim freiwilligen Wehrdienst beträgt sie 27 Prozent.

Johanna Uchtmann, dpa/vet