Branchenvergleich Wo man für den gleichen Job viel mehr Geld bekommt

Sie wollen mehr Geld? Dann wechseln Sie die Branche! Ein Buchhalter, der im Callcenter 35.000 Euro verdient, kann im Maschinenbau auf 56.000 Euro kommen. Wie schneidet Ihre Branche ab?

Die Entscheidung für eine Branche ist oft auch eine über das Gehalt
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Die Entscheidung für eine Branche ist oft auch eine über das Gehalt

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Ist ja eigentlich egal, ob man gerade mit der Ausbildung fertig ist oder schon ein paar Jahre im Berufsleben steht: Wer einen neuen Arbeitgeber sucht, stellt sich oft die Frage, in welcher Branche es weitergehen soll. Buchhalterinnen, Sekretäre, Controllerinnen oder Justiziare können ihren Beruf in den unterschiedlichsten Umgebungen ausüben - und viele andere auch.

Und die Entscheidung für eine Branche ist oft auch eine über das Gehalt. Denn identische Berufe werden von Branche zu Branche ganz unterschiedlich bezahlt. Das zeigt der Branchenindex der Vergütungsberatung Compensation Partner, der kommende Woche vorgestellt wird.

Dafür wurden die Gehaltsdaten von 17 Berufen verglichen, die in vielen Branchen gebraucht werden, zum Beispiel Personalleiter, Geschäftsführer oder Systemadministrator, insgesamt 148.000 Datensätze aus dem vergangenen Jahr. Um einen reinen Branchenwert zu erhalten, wurden Faktoren wie die Größe der Firma oder die Berufserfahrung der Arbeitnehmer rausgerechnet.

Hohe Budgets plus Wettbewerb

Ergebnis: Wer in einer Maschinenbaufirma arbeitet, steht beim Gehalt am besten da - und muss dafür wohlgemerkt nicht unbedingt Maschinenbauingenieur sein. So verdienen eben Systemadministratoren in Maschinenbaufirmen deutlich besser als ihre Kollegen in der Lebensmittelindustrie - bei gleicher Qualifikation, Erfahrung und Unternehmensgröße.

Weitere Topbranchen sind die Investitionsgüterindustrie, die Medizintechnik und Softwarehersteller. Tim Böger von Compensation Partner erklärt: "Diese besonders lukrativen Branchen verfügen zum Teil über extrem hohe Budgets für ihr Personal." Das mache sich in allen Funktionen und Berufen bemerkbar.

Für die Studie hat man zunächst das durchschnittliche Gehaltsniveau aller Datensätze errechnet - um dann zu sehen, wie weit die jeweiligen Branchen mit ihrem eigenen Durchschnitt davon abweichen. Das ist vor allem bei denen der Fall, die in vielen Bereichen Spezialisten beschäftigen. So weicht der Maschinenbau um 25 Prozentpunkte nach oben ab, die anderen drei Spitzenreiter um 23.

Callcenter zahlen schlecht

Ganz anders die Schlusslichter der Liste: Wer Systemadministrator in einem Callcenter ist, bekommt nur 64 Prozent des branchenübergreifenden Durchschnitts. In Zeitarbeitsfirmen liegt der Wert bei 77 Prozent, in Krankenhäusern bei 82 Prozent. Damit liegen diese Branchen noch hinter Hotels und Gaststätten, die im vorigen Jahr das Schlusslicht bildeten.

Was heißt das für einen Jobwechsel? "Unabhängig von Alter, Region und Erfahrung kann ein Wechsel der Branche ein deutliches Gehaltsplus bedeuten", sagt Böger. Im Alltag freilich kann man andere Faktoren nicht einfach so ausklammern - bei Gehältern kommt es generell vor allem auf das Verhandlungsgeschick an, wenn sie nicht durch einen Tarifvertrag oder Haustarif geregelt sind. Wer aber nach seinen Gehaltsvorstellungen gefragt wird, kann mithilfe dieses Index abschätzen, was er in der neuen Branche verlangen kann. In der Übersicht unten finden Sie alle verglichenen Branchen mit ihren Werten.


Wie schneidet Ihre Branche ab? So lesen Sie die folgende Übersicht: Über alle verglichenen Berufe hinweg wurde ein Mittelwert für das Gehalt errechnet. Die Balkendiagramme zeigen nun, wie stark die jeweilige Branche davon abweicht. Der Mittelwert ist gleichbedeutend mit 100 Prozent. Die Maschinenbauer mit 125 Prozent liegt also 25 Prozentpunkte darüber, die Immobilienunternehmen treffen genau den Mittelwert mit 100 Prozent, Callcenter liegen mit 64 Prozent weit darunter.



insgesamt 29 Beiträge
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Affenhirn 06.01.2017
1. Äpfel und Birnen?
Bei einem Systemadministrator mag es sein, bei einem Buchhalter oder Controller sicherlich auch noch, aber beim Geschäftsführer sind Sie da wohl dem Ihnen vorliegenden Bericht etwas leichtgläubig gefolgt. Gerade im Maschinenbau werden Sie in der Regel hoch qualifizierte Mitarbeiter in der ersten Reihe finden, zumindest die technisch-vertriebliche Seite ist da kaum durch Quereinsteiger erfüllbar. Im übrigen können Sie davon ausgehen, dass mit dem höheren Lohn etwa eines Buchhalters oder Systemadministrators auch die Ansprüche an diese Personen wachsen. Denn beim Callcenter landet dann möglicherweise auch nur jemand, der bei anderen "vergleichbaren" Positionen nicht zum Zuge kam. Die Ausbildung mag die gleiche sein, aber in jedem Beruf gibt es 85% Pfeifen.
unimog_andi 06.01.2017
2. Na, da wissen wir doch endlich
wo Schwesigs ominöse 21% Gender Pay Gap herkommen. Es ist ein Branchen-Gap! Man schaue auf die Liste und ermittle den Frauenanteil bei den "grünen" Branchen.
SasX 06.01.2017
3.
Nanu. War der Grundsatz nicht "Gleiches Geld für gleiche Arbeit"? Und nun erfahren wir ganz unaufgeregt, dass allein die persönliche Wahl des Arbeitgebers einen derart riesigen Unterschied ausmacht?
m.sielmann 06.01.2017
4. Gewerkschaftliche Leistungsfähigkeit
Ihr Beitrag zeigt, dass in vielen Branchen Gewerkschaften großes für die Menschen geleistet haben. Das können sie natürlich nur dort, wo sich Menschen für die Mitgliedschaft entscheiden. Entlarvend erscheint mir die niedrige Vergütung in dem Bereich der Zeitarbeit. Dort wo der rechtliche Rahmen gewerkschaftliche Organisation und Verhandlungskraft nicht zulässt, dort sind auch die Vergütungen extrem niedrig. Frankreich hat daher ein Höhervergütungsgebot für Leiharbeit eingeführt. Es würde der Bundesrepublik gut anstehen, ebenfalls darüber nachzudenken.
jbnlp123 06.01.2017
5.
Zitat von SasXNanu. War der Grundsatz nicht "Gleiches Geld für gleiche Arbeit"? Und nun erfahren wir ganz unaufgeregt, dass allein die persönliche Wahl des Arbeitgebers einen derart riesigen Unterschied ausmacht?
Dass dich das überrascht ist überraschend... Das sollte doch allgemein bekannt sein, dass man in einem High-Tech-Unternehmen oder in einer Bank besser bezahlt wird als in einem Callcenter... Wen dass im Jahre 2017 noch wundert, der sollte mal die Augen aufmachen.
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