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Doris Brenner

Tipps von der Karriereberaterin Brauche ich wirklich 500+ LinkedIn-Kontakte?

Doris Brenner
Ein Gastbeitrag von Doris Brenner
Niels ist verunsichert: Der Ingenieur will weiter Karriere machen, aber sein berufliches Netzwerk ist klein – ganze 84 Kontakte hat er auf Xing und LinkedIn. Ist das ein Problem? Oder gar nicht so wichtig?
Foto: VectorFun / iStock / Getty Images

Niels, 33 Jahre, fragt: »Ich arbeite als Serviceingenieur in der Medizintechnik. Kürzlich habe ich mich mit einem Freund unterhalten, der berufliches Networking für extrem wichtig hält und mir riet, mich doch viel aktiver in sozialen Netzwerken wie LinkedIn und Xing zu tummeln. Er lachte über meine lediglich 84 Kontakte, die ich dort habe. Ist es wirklich so wichtig, dass ich mit Hunderten von Leuten verlinkt bin?«

Hallo Niels,

ein solides berufliches Netzwerk kann in der Tat eine hilfreiche Basis bei der beruflichen Entwicklung sein. Doch lässt sich dies an der Anzahl der Kontakte, die Sie auf sozialen Plattformen haben, messen? Nutzen Sie die Anmerkung Ihres Freundes als guten Gedankenanstoß, damit Sie sich einmal näher damit beschäftigen, was berufliche Netzwerke für Sie persönlich bedeuten und was sie Ihnen bieten können.

Networking, also der bewusste Aufbau und die Pflege von Kontakten, ist zunächst einmal nichts Neues. Im Grunde geht es darum, mit Menschen in Verbindung zu stehen, mit denen Sie etwas teilen, denen Sie vertrauen und die sich gegenseitig unterstützen. Menschen haben sich schon seit jeher zusammengeschlossen. Jetzt vollzieht sich dies immer stärker auch virtuell. Das ist aber kein Selbstzweck.

Ziele von Networking

Weshalb sie diese Verbindungen suchen, kann sehr unterschiedliche Gründe haben.

  • Der Austausch von Informationen. Je mehr Menschen ihren Wissensschatz einbringen und teilen, umso breiter ist die Datenbasis, je verlässlicher und aussagefähiger die Schlussfolgerungen.

  • Der Austausch von Erfahrungen. Man muss nicht jeden Fehler selbst machen. So ist es sehr sinnvoll und hilfreich, mögliche Fettnäpfchen, in die andere schon getreten sind, zu erkennen und dadurch umgehen zu können.

  • Menschen bewusst zusammenbringen. Wo Passgenauigkeit herrscht und gemeinsame Interessen bestehen, lässt sich besser und zielgerichteter arbeiten und lassen sich auch Synergien erzielen.

  • Gemeinschaft spüren. Besonders in schwierigen Zeiten und in Veränderungsprozessen, wie der Existenzgründung oder der Jobsuche, ist es essenziell, gut eingebunden zu sein und Rückhalt zu spüren.

  • Interessen und Anliegen zusammen vertreten. Gemeinschaft stärkt, schafft mehr Aufmerksamkeit und erhöht die Ressourcen. So lassen sich Positionen und Interessen mit mehr Gewicht nach außen vertreten und auch durchsetzen.

Was ist Ihnen wichtig?

Fragen Sie sich daher zunächst, welche Ziele Sie verfolgen. Steht der fachliche Austausch im Vordergrund, kann die Mitgliedschaft in einem Berufsverband oder ein Fachforum für Sie sinnvoll sein. Möchten Sie im Hinblick auf einen möglichen Jobwechsel Kontakte nutzen, kann die Verbindung zu Personalberatern und Researchern hilfreich sein.

Die Anzahl der Kontakte allein sagt wenig

Die Kontakte in beruflichen sozialen Netzwerken wie LinkedIn oder Xing spiegeln nicht unbedingt Ihr wahres berufliches Netzwerk wider. Leicht neigen wir dazu, Masse mit Klasse zu verwechseln. Während für eine Influencerin die Anzahl und die organische Wachstumsrate ihrer Follower die Messgröße der Popularität und damit ihres Marktwertes für Unternehmen als Werbebotschafterin darstellt, ist dies beim beruflichen Networking nicht das Maß der Dinge. Es ist ziemlich leicht, wahllos Leute zu adden oder eine Kontaktanfrage anzunehmen.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass Sie zu diesen Menschen wirklich in einer verlässlichen Beziehung stehen und im Bedarfsfall auf diesen Kontakt zurückgreifen können. Wer 999+ Kontakte in seinem Profil ausweist, muss sich der Frage stellen, ob man den Kontakt zu Tausenden von Menschen wirklich pflegen kann. Denn Vertrauen entsteht in der Regel nur über gemeinsame positive Erfahrungen. So können Ihre 84 Kontakte ergiebig sein, wenn dahinter echte Beziehungen stehen.

Der große Vorteil von Kontakten in sozialen Netzwerken besteht darin, dass Sie Menschen, mit denen Sie eben nicht (mehr) sehr eng und intensiv im täglichen Kontakt stehen über den verbindenden Link in ihrer Entwicklung verfolgen können. Sprich: Sie haben immer deren aktuelle Kontaktdaten, natürlich unter der Voraussetzung, dass diese sie auch pflegen.

Bei Menschen, mit denen Sie wirklich eng verbunden sind, benötigen Sie diesen Service nicht, da Sie sich ohnehin regelmäßig austauschen und damit über mögliche Veränderungen Bescheid wissen. So gesehen geben die Kontakte in den sozialen Netzwerken keinen aussagekräftigen Überblick über Ihre engsten beruflichen Beziehungen.

Gute Infos und Events

Mittels Plattformen wie Xing oder LinkedIn erfahren Sie von Events, die für Sie spannend sein können und die häufig auch kostenfrei angeboten werden. Zudem posten immer mehr Menschen in ihren Netzwerken auch offene Jobs aus ihren Unternehmen. So wissen Sie, dass die Stellen wirklich aktuell sind und dass Sie sich gegebenenfalls auch auf die Person beziehen können, die sie gepostet hat.

Kontakte sind Referenzen

Seien Sie sich bewusst, dass Sie Menschen, mit denen Sie in sozialen Netzwerken öffentlich verlinkt sind, damit auch eine Referenz geben, sprich zu diesen Kontakten stehen. Grundsätzlich besteht aber auch die Möglichkeit, das eigene Kontaktnetzwerk verdeckt zu halten.

Netzwerken heißt Geben und Nehmen

Ein guter Netzwerker fragt nicht in erster Linie, was er von anderen bekommt, sondern was er anderen auch geben kann. Nur wenn diese Bereitschaft, zu teilen und sich einzubringen, vorhanden ist, werden Sie als wertvolles Netzwerkmitglied akzeptiert werden. Einfach »abgreifen« wollen, würde Sie schnell ins Aus bewegen. Kontakte sollte man sich aufbauen, wenn man sie noch nicht braucht. Nur dann kann man im Bedarfsfall auf sie zurückgreifen.

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