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Frag die Karriereberaterin Hilfe, meine Mitarbeiter lästern ständig

Sobald die eine Kollegin den Raum verlässt, zieht die andere über sie her - und alle machen mit. Der Teamleiter fühlt sich überfordert. Was soll er tun? Tacheles reden, sagt Beraterin Svenja Hofert.
Wie die wieder aussieht! Chefs sollten Lästereien im Büro nicht zulassen

Wie die wieder aussieht! Chefs sollten Lästereien im Büro nicht zulassen

Foto: Corbis

"Ich leite als Mann eine Abteilung mit sieben Frauen im sozial-karitativen Bereich. Die leistungsfähigste Mitarbeiterin ist schon älter, aber dominiert fast alles. Eine jüngere Mitarbeiterin hat den Rest des Teams gegen sie mobilisiert. Sobald die Leistungsträgerin aus dem Raum ist, wird unter der Gürtellinie gelästert, zum Beispiel über ihre Figur und ihre Kleidung. Ich weiß nicht, wie ich mich als Führungskraft verhalten soll."

Karriereberaterin Svenja Hofert antwortet:

Haben Sie mal einen Hahnenkampf beobachtet? Das ist eine direkte, aggressive Auseinandersetzung. Was Sie beschreiben, hört sich eher nach einem Zickenkrieg an. Der wird öfter mal indirekt ausgetragen und ist durchaus nicht nur Frauen vorbehalten. Das können auch Männer; nur dass sich die Lästerthemen unterscheiden. Aber ich will keine Klischees zitieren. Männer können wie Frauen sein, und Frauen wie Männer. Entscheidend ist das Umfeld.

Zur Autorin

Svenja Hofert ist Karriere- und Managementcoach  und hat mehr als 35 Bücher geschrieben, unter anderem "Agiler Führen" und "Karriere mit System".

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Und dieses diktiert auch die Lösung: Ihre Mitarbeiterin hat sich eine Sonderstellung und informelle Chefposition erarbeitet. Das ist doch wunderbar. Sie scheint eine leistungsfähige Person zu sein und ist deshalb wichtig für Sie und das Unternehmen. Teams brauchen leistungsbereite Mitglieder - und auch eine gewisse Unterschiedlichkeit in der Leistungsfähigkeit. Diese Unterschiedlichkeit ist gut für das Gesamtergebnis, steigert aber auch das Konfliktpotenzial, vor allem dann, wenn wenig offen gesprochen wird.

Das eigentliche Problem im Team ist nicht ihre leistungsstarke Mitarbeiterin, sondern die schlechte Kommunikation. Diese geht oft Hand in Hand mit schlechter Führung. Als Führungskraft sind nun mal Sie derjenige, der Teamgeist herstellen und auch die Regeln der Zusammenarbeit aufstellen sollte, jedenfalls in einer klassischen Organisationsstruktur. In modernen Organisationen kann das auch das Team tun - aber wenn, dann bitte alle gemeinsam.

Lästern entsteht nur, wenn es zugelassen wird.

Ein klares: "Ich dulde hier keine üble Nachrede. Bitte stellen Sie das ab", sollte reichen, wenn Sie als Respektsperson wahrgenommen werden wollen. Leider erlebe ich diese Klarheit bei Führungskräften selten. Dabei ist sie gerade in diesen Zeiten, in denen auch politische Themen Eingang in die Büros finden, besonders wichtig. Denn das Lästern bezieht sich, das ist meine Erfahrung, immer öfter auch auf Einstellungen zu aktuellen gesellschaftlichen Themen.

Der Bestsellerautor Reinhard Sprenger definiert Führung als die Organisation und Optimierung von Zusammenarbeit. Führung ist also nichts anderes als Teamentwicklung. Verwechseln Sie einen guten Teamgeist dabei nicht mit guter Stimmung. Es müssen nicht alle beste Freunde sein - aber der Umgang untereinander muss fair sein. Dafür muss es Regeln geben.

Sie sollten ihr Team jetzt aktiv entwickeln, um die Zusammenarbeit zu verbessern. Dafür ist es zunächst wichtig zu verstehen, wo die Mitarbeiter stehen und was der Knackpunkt ist, durch den die Lästerei entstanden ist. Lästerei ist nur möglich, wenn Vertrauen fehlt und mangelnde Konfliktbereitschaft herrscht. Ihre Mitarbeiterinnen sagen offen nichts, sondern nur hinterm Rücken. Keine traut sich die Dinge offen anzusprechen - weder der Lästerfrau gegenüber noch im Beisein des dominanten Lästeropfers. Überlegen Sie einmal, was Ihre Rolle beim Entstehen dieser Situation war. Fördern Sie Vertrauen? Unterstützen Sie, dass Konflikte ausgetragen werden, oder kehren Sie unter den Teppich?

Ganz praktischer Tipp: Organisieren und moderieren Sie als Führungskraft einen Halbtages-Workshop, in dem Sie nur über Vertrauen sprechen. Was bedeutet es, und was bedeutet es nicht? Geben Sie ruhig eine Definition vor, sehr gut ist die des Systemtheoretikers Niklas Luhmann: "Vertrauen bedeutet dem anderen keine bösen Absichten zu unterstellen." Entwickeln Sie daraus gemeinsame Verhaltensregeln. Wer sich vertraut, kann dem anderen auch sagen, was stört.

Machen Sie dabei aber nicht den Fehler der Gleichschalterei. Ihre Leistungsträgerin zieht ihre Motivation ziemlich sicher auch aus ihrer machtvollen Position. Würden Sie diese wegnehmen oder verkleinern, könnte das am Ende dazu führen, dass sie das Unternehmen verlässt. Auch unterschiedliche Persönlichkeiten und Rollen im Team sollten Sie besprechen und das Bewusstsein prägen, dass diese wichtig sind. Hört die Lästerei nicht auf und nimmt sie destruktive Züge an, hilft nur eins: klar durchgreifen und die Lästerquelle aus dem Team entfernen oder dafür sorgen, dass sie selbst geht.

Kollegen sind die Pest
Foto: Corbis


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