Bürogezeter Das kleine Schimpfwort-Abc

Corbis

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3. Teil: Von G wie Giftmüllfässchen bis I wie Intelligenz-Allergiker


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G


Gehirnzellen-Diarrhoetiker
jemand, dessen Gehirnzellen vornehmlich ballastartig unnötige, unausgegorene und üble Gedanken durchfallartig ausschütten

Gelegenheitspoet
"Und wer führt heute Protokoll?" Auch wenn jetzt alle betreten auf das Teppichmuster starren oder im Terminkalender blättern - einen wird es beim Meeting erwischen, und der hat die Chance, sich literarisch auszuzeichnen.

Geradeausgucker
Lautstarke Telefonate, Streit unter Kollegen, Gewusel auf den Gängen - im Großraumbüro tost das pralle Leben. Und der Geradeausgucker? Guckt geradeaus. Den Feueralarm würde er überhören, einen Blitzeinschlag übersehen. Er ist immer voll bei der Arbeit und lässt sich von gar nichts ablenken.

Gesichtstaliban
Mit "Die absolute Härte sind Oberlippenbärte" landeten die Punks der Band Nasenpower Germany Ende der achtziger Jahre einen kleinen Szenehit; die Kollegen von Elfmorgen konterten später mit "Das Leben ist hart ohne Oberlippenbart". Zweifellos ist der Schnauzer alias Oliba aka Pornobalken eine schlimme optische Nötigung und völlig zu Recht beinah ausgestorben; großflächigere Gesichtsbewaldung stand lange nur ostdeutschen Pfarrern und Sozialkundelehrern nahe der Pensionsgrenze zu. Inzwischen experimentieren damit auch Angestellte in der Spätpubertät oder in der Midlife-Crisis (was direkt ineinander übergehen kann). Drohen sie komplett zuzuwuchern, wird es Zeit für einen Ordnungsruf: "Gesichtstaliban" verfehlt selten seine Wirkung. Und ist die mildere Lösung im Vergleich zu "Mentaltaliban".

Ghettoblaster
Die ersten Handys hatten noch einen arg eingeschränkten Fundus an Klingeltönen. Inzwischen ist die Auswahl gigantisch, von "Für Elise" in der Richard-Clayderman-Version bis zu "Hell's Bells" von AC/DC. Der Profitelefonierer hat je nach Anrufer eine reiche Auswahl verschiedenster Melodien eingespeichert. Und verwöhnt die Kollegen im Großraumbüro immer gern mit den neuesten Tönen.

Giftmüllfässchen
Ist fachlich zu nichts zu gebrauchen, macht aber durch äußerst giftiges Auftreten alle Kollegen im Umfeld krank. Für das Gifmüllfässchen findet sich einfach kein anderer Platz mit gleicher Gehaltsstufe - außerdem ist es politisch gewollt, Giftmüll langfristig einzulagern.

Gleitzeitökonom
ab 17 Uhr daheim

Goldkehlchen
Kollegin mit aparter, durchsetzungsfähiger Stimme

Grüßwunder
Kollege, der grundsätzlich nicht grüßt

Gummifelsen
Mitarbeiter/Vorgesetzter, der nur scheinbar nachgibt, danach aber sogleich seine alte Form wieder einnimmt

Gummirücken
Mitarbeiter mit besonders elastischem Rückgrat in Konfliktsituationen

H


Habenwirnicht und Kriegenwirnicht
Das dolle Duo, oft ein Groß- und Einzelhandelskaufmann und ein BWLer: die liebenswerten Kollegen im operativen und strategischen Einkauf

Habibitelefonierer
Dauertelefonierer mit Dialekt, den keiner versteht

Häftling
Kollege, der nix kann, außer den Heftapparat zu bedienen

Halbhirn
Servicemitarbeiter eines großen Telekommunikationsunternehmens, weil sich dort Gerüchten zufolge immer 2 Mitarbeiter 1 Gehirn teilen müssen

Halbleiter
Kann nicht, wenn er leiten darf. Darf nicht, wenn er leiten kann

Handbuchpragmatiker
Kollege, der lediglich über angelesenes Wissen verfügt

Heißluftgebläse
Mitmenschen, die stundenlang inhaltslos reden können

Heulboje
Scheint draußen die Sonne, ist es ihnen zu windig. Laufen die Geschäfte der Firma blendend, sehen sie am Horizont nur die künftigen Risiken - und das nächste Projekt, das wird doch garantiert ein Fiasko. Manche Kollegen haben sich tief in der Schmollecke verkrochen und bei jeder Gelegenheit etwas zu beklagen.

Heuschrecke
2005 debattierte ganz Deutschland über Heuschrecken, nachdem der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering scharfe Kapitalismuskritik an skrupellosen Finanzinvestoren geübt hatte: "Sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter." Gemünzt war das auf Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften. Im ganz normalen Arbeitsleben sind Heuschrecken harmloser: Auf Betriebsfesten plätten sie das Büffet binnen weniger Minuten, an Geburtstagen räumen sie ruck-zuck den Kuchen und die obligatorischen Süßigkeiten ab.

His masters voice
redet, wie der Chef denkt

Honk
Helfer ohne nennenswerte Kenntnisse

Hotlinehostess
Kollege, der Kunden am Telefon völlig Unhaltbares verspricht, nur um sie loszuwerden

Hubschrauber
fliegt ein, wirbelt Staub auf, fliegt wieder ab - zum Beispiel CEO zu Besuch bei der Tochterfirma

Human Firewall
Bei Assistenten oder Sekretärinnen ist es oft der undankbare Teil ihres Jobs, die Vorgesetzten von minder wichtigen Anfragen abzuschirmen. Darum werden sie "Abfangjäger" oder auch, Neudeutsch, "Human Firewall" genannt: An ihnen vorbeizukommen, ist nahezu unmöglich.

Hundertsassa
zur subtilen Herabwürdigung eines selbsternannten Multitalents, eines Tausendsassas

I


Impulsarbeiter
Manche Angestellten reagieren generell nicht auf E-Mails. Ans Telefon gehen sie ebenfalls ungern und benötigen erst einen starken Impuls, um sich in Bewegung zu setzen. Grobe Charaktere sprechen auch vom "Tritt in den Hintern". Meist ist der Impuls nicht von Dauer, das Trägheitsgesetz macht bei der nächsten Aufgabe einen erneuten Impuls notwendig.

Industrieschauspieler
Ahnungslose Führungskraft, die ihre Unwissenheit gern mit selbstbewusstem Auftreten überspielt

Insolvenzbeschleuniger
Manager aus den Vorstandsetagen, der aufgrund seiner Führungsqualitäten nach Kräften zu enormen Verlusten eines Unternehmens beiträgt - durch seine Arbeitsweise richtet er mehr Schaden an, als er Nutzen stiftet.

Intelligenzallergiker
Inkompetenter Mitarbeiter

Intelligenzamöbe
Häufig anzutreffende Einzellerart, wenn es um das Verstehen einfacher Abläufe geht

Irooc - Kürzel für: Idiot right out of College
Wer frisch von der Uni auf seiner ersten Stelle in einem Unternehmen anheuert, genießt eigentlich, so ist es guter Brauch, für ein paar Wochen oder Monate Welpenschutz. Junge Akademiker beginnen manchmal theorieverdorben und mit schwacher praktischer Grundierung, also müssen sie sich erst einmal zurechtfinden. Ganz ohne Spott kommen sie trotzdem nicht davon. So beantwortete der Manager eines großen Software-Unternehmens die Frage, woher er denn das Personal für ein neues Projekt nehmen wolle, mit: "Get enough Iroocs".

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