Bürohunde "Man kann sich nicht streiten, während man einen Hund streichelt"

Eine Streicheleinheit am Schreibtisch, ein Spaziergang in der Mittagspause: Hunde am Arbeitsplatz sind längst keine Seltenheit mehr. Das Hamburger Unternehmen Staffnet hat sogar drei Bürohunde. Funktioniert das?

Tierisch netter Kollege: Anja Kühnbaum mit Bürohund Joey
Lara Jäkel/ SPIEGEL ONLINE

Tierisch netter Kollege: Anja Kühnbaum mit Bürohund Joey

Von Lara Jäkel


Hunde im Büro sorgen für Lärm, Dreck und Ablenkung - könnte man meinen. Nicht so im Hamburger Unternehmen Staffnet: Aufs Kommando tappen die beiden graubraunen Mischlingshunde von Anja Kühnbaum durch das Zimmer und legen sich auf ihre orangefarbenen Kissen. Mit wachen Augen und schiefgelegtem Kopf beobachten sie das Geschehen.

"Es ist wichtig, dass sie so gut erzogen sind", sagt Kühnbaum, "sonst könnte ich sie hierher nicht mitnehmen." Joey und Coco sind zwei von drei Bürohunden bei Staffnet - an ein paar Tagen in der Woche begleiten sie die Gründerin und Geschäftsführerin des Personaldienstleisters zur Arbeit. "Das hat bisher immer gut geklappt", sagt Kühnbaum.

Schon vor 20 Jahren, als sie noch bei einem anderen Unternehmen arbeitete, habe sie regelmäßig ihre Schäferhündin Pia mit ins Büro genommen. Inzwischen kommt neben ihren beiden Hunden auch Shelby, der rotblonde Mischling von Mitarbeiterin Annett Wohlers, mit ins Staffnet-Büro.

Anja Kühnbaums Hunde Joey und Coco
Lara Jäkel/ SPIEGEL ONLINE

Anja Kühnbaums Hunde Joey und Coco

Kühnbaum ist überzeugt, dass die Tiere am Arbeitsplatz für eine entspanntere Atmosphäre sorgen. So reagierten die Hunde etwa sehr sensibel auf Stress oder Aufregung und wirkten in angespannten Situationen wie ein Mediator. "Man kann sich kaum streiten, wenn man gleichzeitig einen Hund streichelt", sagt die Geschäftsführerin.

Rücksicht auf Mitarbeiter mit Hundeangst

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine kürzlich vom Bundesverband Bürohund veröffentlichte Umfrage unter gut 1300 Erwerbstätigen in Deutschland: Mehr als 90 Prozent der Teilnehmer, die in einem Unternehmen mit Bürohund arbeiten, nehmen demnach eine Verbesserung des Arbeitsklimas durch die Tiere wahr. "Der Hund schafft eine Brücke zwischen Menschen", heißt es auf der Webseite des Verbands.

Der Bundesverband Bürohund unterstützt Unternehmen unter anderem durch Infomaterial und Schulungen dabei, Hunde in den Arbeitsalltag zu integrieren. Das Interesse daran sei in den letzten Jahren deutlich gestiegen, sagt Pressesprecher Daniel Rüder. Inzwischen erhalte der Verband mehr als zwei Dutzend Anfragen pro Tag.

Staffnet-Mitarbeiterin Annett Wohlers mit Hund Shelby
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Staffnet-Mitarbeiterin Annett Wohlers mit Hund Shelby

Doch es gibt auch Stimmen, die sich gegen die vierbeinigen Kollegen aussprechen. Man müsse Rücksicht nehmen auf Mitarbeiter, die Angst vor Hunden haben oder allergisch auf die Tiere reagieren, heißt es etwa von Kritikern. Bei Staffnet halten sich die Bürohunde laut Kühnbaum daher nur in der zweiten Etage auf, wo die Kunden nicht mit ihnen in Kontakt kommen. "Man kann ja nicht von jedem erwarten, dass er das gut findet", sagt sie.

Weil die tägliche Fahrt aus ihrem Wohnort in Schleswig-Holstein nach Hamburg für Joey und Coco zu stressig sei, nimmt Kühnbaum die beiden Hunde nur ab und zu mit zur Arbeit. In der Mittagspause beschäftige sie sich dann ausgiebig mit ihnen, sagt sie: "Die Hunde wissen genau, wann Zeit für den Spaziergang ist. Dann stehen sie schon an der Treppe bereit."

Bei den insgesamt sieben Mitarbeitern des Unternehmens, von denen einige auch eigene Tiere haben, sind die drei Bürohunde laut Kühnbaum jedenfalls sehr beliebt. Wenn mal ein Hund bellt oder ein paar Haare herumliegen, müssten die Mitarbeiter dem natürlich eine gewisse Toleranz entgegenbringen. "Aber die braucht man gegenüber Kollegen ja manchmal auch", sagt Kühnbaum lachend.

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insgesamt 44 Beiträge
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grumpy53 27.06.2019
1. und trotzdem eher dagegen
kleinere Büroeinheiten mögen das unproblematisch lösen und sich an den positiven Faktoren freuen. In größeren Firmen sehe ich das eher problematisch. Sind immer KollegInnen dabei, die sich vielleicht um der Harmonie willen nicht trauen, zu widersprechen. Und tun sie es doch, sind sie in der Minderheit oder bekommen Vorwürfe, man sei gegen Tiere per se oder würde dem "mainstream" nicht folgen wollen. Hat sich jemand gefragt, wie das für die Tiere ist (ja, sicher besser, als ganze Tage alleine zu Hause oder im Auto...), aber bittschön, das sollten sich die Hundebesitzer fragen, bevor sie ein Tier anschaffen. Mal eben in der Mittagspause mit dem Hund um den Block, ist ja nicht jedes Büro in Parknähe, schon hat der Rest der Passanten mit den Begleiterscheinungen zu tun, kann man ja nachlesen, wie viele Hundehaufen die Innenstädte zieren. Ist nicht lustig, auf schwierige KollegInnen Rücksicht nehmen zu müssen, die ihre Selbstverwirklichung ausleben - und auf deren Tiere, und schon gibt es neue Spielregeln zu beachten: laß dein Pausenbrot nicht unbeachtet, akzeptiere, dass der neugierige Hund durch deine Handtasche schnuffelt und sich auch mal wegen der Hitze ausgezogene Schuhe unter deinem Schreibtisch holt... ach ja, wegen Kundschaft müssen die Türen zubleiben und in der Teeküche dürfen für alle keine Kekse mehr stehen, dieser Versuchung kann das arme Tier nicht widerstehen. Übrigens: ich mag Tiere sehr, wenn Hunde und Besitzer das Signal geben, Streicheleinheiten sind erwünscht, wird das freundliche Tier gekrault und auch mal ein Spielzeug geworfen. Aber bitte außerhalb der Arbeitszeit. By the way, Therapiehunde sind ausdrücklich ausgenommen, das versteht sich von selbst. Nur der schlecht erzogene Kläffer des auch sonst unsympathischen Kollegen hat in meinem Büro nix zu suchen, und schon gar nicht als naß geregneter Stinker.
ramsis77 27.06.2019
2. jenseits von Gut und böse!
Nicht nur, dass das Thema für ein Nachrichtenmagazim ja wohl zum totlachen peinlich ist, so ist dessen Inhalt ja jenseits von Gut und böse! Haben Sie das aus einer Grundschülerzeitung? Ich hab den Artikel gelesen, weil sich neulich eine Kollegin beschwert hat, dass man in unserem Großkonzern keine Hunde mit in Büro nehmen darf! 5.000 Angestellte in einem Büro- und Fabrikkomplex, in dem ein paar Bäume und Blumenkübel stehen. Die angrenzende Nachbarschaft wird sich freuen, wenn damnächst 50 Hunde des Mittags zum k... Vorbei schauen. 1 Hund in einem kleinen 5-Personen-Büro mag vielleicht lustig sein, aber spätestens mit dem 2. beschäftigen einen die Hunde doch wohl mehr als die Arbeit! Übrigens : eine gepflegte Streitkultur bringt wertvollere Ergebnisse, als ein Hundekuschelkurs!
felimd 27.06.2019
3.
In unserem Unternehmen gibt es inzwischen vier Bürohunde und das klappt prima. Selbstverständlich muss dies zuvor stets mit allen Beteiligten abgesprochen sein, doch auch das stellte bislang nuecein Problem dar. Und ich muss zugeben, obwohl ich zu Beginn selbst skeptisch war, das Arbeitsklima hat sich merklich gebessert.
dasfred 27.06.2019
4. Weniger Drama als unnütze Bedenken
Mein Hund kam immer mit zur Arbeit. Auch bei einem Jobwechsel. Ich hatte ihn schon beim Vorstellungsgespräch dabei und den Chef, selbst Hundehalter sofort überzeugt. Das Tier bringt tatsächlich Ruhe in den Ablauf, muss allerdings auch sehr gut erzogen sein. Anspringen oder kläffen geht gar nicht. Auch auf die Kunden hat ein Hund einen positiven Einfluss. Allergien sind extrem selten und Hunde-Angst ist meist nur auf bestimmte Tiere beschränkt.
Koda 27.06.2019
5. Dann schauen wiir doch mal in den Artikel
Zitat von ramsis77Nicht nur, dass das Thema für ein Nachrichtenmagazim ja wohl zum totlachen peinlich ist, so ist dessen Inhalt ja jenseits von Gut und böse! Haben Sie das aus einer Grundschülerzeitung? Ich hab den Artikel gelesen, weil sich neulich eine Kollegin beschwert hat, dass man in unserem Großkonzern keine Hunde mit in Büro nehmen darf! 5.000 Angestellte in einem Büro- und Fabrikkomplex, in dem ein paar Bäume und Blumenkübel stehen. Die angrenzende Nachbarschaft wird sich freuen, wenn damnächst 50 Hunde des Mittags zum k... Vorbei schauen. 1 Hund in einem kleinen 5-Personen-Büro mag vielleicht lustig sein, aber spätestens mit dem 2. beschäftigen einen die Hunde doch wohl mehr als die Arbeit! Übrigens : eine gepflegte Streitkultur bringt wertvollere Ergebnisse, als ein Hundekuschelkurs!
Und lesen:" Mehr als 90 Prozent der Teilnehmer, die in einem Unternehmen mit Bürohund arbeiten, nehmen demnach eine Verbesserung des Arbeitsklimas durch die Tiere wahr. " Da stehen Sie dann wohl mit Ihrer Meinung alleine da. Was meinen Sie denn genau mit " gepflegte Streitkultur"? Wie schnellkann man denn da die Grenze zu "un gepflegte Streitkultur" überschreiten? Und wie schnell und wie leicht kommt man wieder zurück?
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