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Branchen mit Wau-Faktor: Hier müssen Hunde nicht draußen bleiben

Foto: Uwe Anspach/ picture-alliance/ dpa

Tiere am Arbeitsplatz "Bürohunde helfen gegen Burn-out"

Markus Beyer will mehr Hunde in deutsche Büros bringen. Denn, so sagt er: Die Tiere schützen die Mitarbeiter vor Burn-out und verbessern das Betriebsklima.
Zur Person
Foto: Benita Suchodrev - Blick.Macht.Bild.

Markus Beyer, hier mit seinem Hund Chester, ist der Vorsitzende des Bundesverbandes Bürohund e.V.  Der Berliner Hundetrainer hat es sich das Motto "Dog-In statt Burn-Out" zum Ziel gesetzt.

Frage: Herr Beyer, wo ist Ihr Hund gerade?

Beyer: Der liegt ganz friedlich und zufrieden im Gang. Hunde schlafen ja bis zu 80 Prozent des Tages.

Frage : Ist es für Hunde nicht trotzdem todlangweilig, den ganzen Tag im Büro abzuhängen? Klingt nicht nach einer artgerechten Umgebung.

Beyer: Ein Bürohund liegt ja nicht acht Stunden am Tag ununterbrochen neben dem Schreibtisch. Das wäre ein grober Fehler. Man muss den seelischen und körperlichen Gegebenheiten des Hundes entsprechen: Er braucht Aufmerksamkeit, und er muss auch mal nach draußen. Aber beides nicht immer und ständig. Andere machen Raucherpausen, wir gehen kurz mit den Hunden.

Frage : Wie qualifiziert sich ein Hund als Bürohund?

Beyer: Alle drei Gruppen sollen sich wohl fühlen: Mitarbeiter, Unternehmen und Hunde. Der Hund darf keinen Stress haben, sondern muss normal leben und sich auch zurückziehen können. Das Verhältnis zwischen Hund und Halter ist entscheidend: Wenn der Hund das Gefühl hat, er muss die Situation verantwortlich übernehmen, immer on duty sein und die Tür bewachen, ist das Stress für ihn. Der Hund muss für sich entschieden haben: Mein Mensch, der macht das schon, ich kann mich entspannen.

Frage : Was tut der Hund für das Arbeitsklima?

Beyer: Die schwedische Forscherin Linda Handlin hat vor einigen Jahren bewiesen, dass das Liebes- und Bindungshormon Oxytocin nicht nur im zwischenmenschlichen Kontakt ausgeschüttet wird. Hundehalter, die ihre Tiere streichelten, kamen auf ähnliche Werte wie Mütter, die mit ihren Kindern interagierten - und auch die Hunde selbst schütten Oxytocin aus. Daher kommt die tiefe innere, gegenseitige Bindung. Oxytocin senkt Stresshormone. Ein Hund im Büro ist ein natürlicher Weg, Burn-outs zu vermeiden. Das Betriebsklima wird besser, weil ein höherer Oxytocinlevel uns empathischer und loyaler macht - das senkt auch die Recruiting-Kosten.

Frage: Sie meinen, weil loyale Mitarbeiter seltener kündigen?

Beyer: Genau. Hinzu kommt: Mit einem Hund im Büro bekommen wir mehr Bewegung. Man unterbricht krankmachende Abläufe. Der Hund kommt ab und zu und guckt, wie es mir geht. Er ist quasi eine Erinnerungs-App mit Fell, dass man für sich und andere sorgen soll.

Frage : Viele Leute haben ja Angst vor Hunden. Oder auch eine Allergie.

Beyer: Unser größtes Hindernis ist die Fantasie derer, die noch keine realen Erfahrungen mit Hunden haben. Viele haben so einen Film im Kopf: Hunde beißen, sind laut, stinken. Aber die Realität ist ganz anders. Was die Allergien angeht: Bei rund sieben Prozent unserer Bevölkerung kann man eine Sensibilität für Hundehaare messen - aber nur ein knappes Drittel davon zeigt tatsächlich allergische Reaktionen oder bekommt Probleme, viel weniger als etwa bei Hausstaub. Als Arbeitgeber muss ich diese Leute natürlich schützen. Aber da reicht in der Regel eine gewisse Kreativität vor Ort - etwa, indem man strikt hundefreie Bereiche definiert.

Frage : Ihr Verband wirbt seit zwei Jahren für eine vereinfachte Zulassung von Hunden im Büro. Was haben Sie schon erreicht?

Beyer: Wir sind immer noch in der ersten Phase: Wir machen den Verband bekannter und weisen auf die vielen Vorteile des Hundes hin. Jeder kennt doch mindestens drei bis vier Leute, die burnout-gefährdet sind. Da muss viel mehr passieren. In Phase zwei wollen wir in die Unternehmen gehen und unsere Beratung anbieten.

Frage : Das klingt dann aber eher nach einem Geschäftsmodell als nach Ehrenamt.

Beyer: Ich mache die Arbeit für den Verband ehrenamtlich, die anderen auch - wir sind derzeit rund zehn Leute, haben aber etwa 2500 Unterstützer und Förderer, die uns auch mit Spenden helfen. Wenn wir aber größer werden und mit Trainern in die Betriebe gehen, müssen wir das professionalisieren, um überleben zu können.

Frage : Welche Unternehmen sind denn besonders hundefreundlich?

Beyer: Viele kleinere Firmen - aber das Highlight ist Google, die von Anfang an gesagt haben: "We are a dog Company." Bei Amazon in Seattle gibt es 1500 eingetragene Hundehalter, die ihre Tiere auch mit zur Arbeit bringen können. Die Mars Holding in Verden und Fressnapf in Krefeld sind große Unternehmen in Deutschland, die das Thema Bürohund nach vorne bringen.

Frage : Und wer haftet, wenn der Bürohund beißt oder jemand über ihn stolpert?

Beyer: Wir empfehlen jedem Unternehmen, eine schriftliche Dog Policy aufzusetzen. Darin kann man auch festhalten, dass jeder, der einen Hund zur Arbeit mitbringt, eine Haftpflichtversicherung für ihn braucht und für Sauberkeit und Gesundheit des Tieres zu sorgen hat - und wie viele Hunde es maximal pro Büro oder Etage geben darf. Wichtig ist: Der Hund darf niemals bloßes Mittel zum Zweck des Stressabbaus sein. Der Hund muss ein Mitglied des Teams sein.

Das Interview führte Maren Hoffmann, Redakteurin bei manager magazin Online. Dort erschien ihr Beitrag zuerst.