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Umfrage zur Arbeitszeit Die große Sehnsucht: mehr Freizeit

Weniger arbeiten: Das wünscht sich laut einer Studie jeder zweite Erwerbstätige in Deutschland. Im Einzelnen aber klaffen die Vorstellungen auseinander, etwa zwischen Frauen und Männern.

Mit ihrer Forderung nach einer 35-Stunden-Woche treffen Gewerkschaften in Deutschland einen Nerv. Könnten die Angestellten ihre Arbeitszeit selbst bestimmen - auch zu dem Preis, dass sich ihr Verdienst entsprechend ändert - würden sie sich im Schnitt genau das wünschen: eine Arbeitszeit von 35 Stunden pro Woche, meistens also mehr Freizeit als bisher.

Das geht aus einer Umfrage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz  hervor. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegen demnach vier Stunden. Um diese Zeit würden die Erwerbstätigen ihren wöchentliche Arbeitsumfang gerne reduzieren - im Schnitt. Der Studie zufolge gehen die Bedürfnisse der einzelnen Erwerbstätigen weit auseinander:

  • 49 Prozent der Beschäftigten wollen ihre wöchentliche Arbeitszeit verkürzen, und zwar im Schnitt um neun Stunden. Das gilt vor allem für Menschen mit Vollzeitjobs. Von ihnen will mehr als die Hälfte die Arbeitszeit reduzieren.
  • 39 Prozent der Befragten sind mit dem Ist-Zustand zufrieden. Sie möchten nichts am Umfang ihrer Arbeitszeit ändern.
  • Zwölf Prozent wollen länger arbeiten als bisher, und zwar im Schnitt acht Stunden mehr als bisher. Das betrifft vor allem Menschen, die teilzeitbeschäftigt sind.

Ein wenig überraschendes Ergebnis: Der Wunsch nach mehr Stunden pro Woche hängt deutlich vom Einkommen der Befragten ab. Wer leicht oder sehr leicht über die Runden kommt, wünscht sich nur selten, mehr zu arbeiten (neun Prozent). Beschäftigte, die schwer oder sehr schwer mit ihrem Geld zurechtkommen, wollen öfter mehr arbeiten (22 Prozent). Unabhängig vom Einkommen möchte jeder Zweite seine Arbeitszeit verkürzen.

Der Wunsch nach weniger Arbeit geht der Studie zufolge bei vielen Menschen mit gesundheitlichen Belastungen einher. Wer reduzieren will, schätzt seine Gesundheit oft schlechter ein und klagt über Beschwerden wie Rücken- oder Kreuzschmerzen, Schlafstörungen, Müdigkeit oder körperliche Erschöpfung. Bei Beschäftigten, die ihre Arbeitszeit beibehalten oder verlängern wollen, ist das deutlich seltener der Fall.

Große Unterschiede zwischen Frauen und Männern

Was die wöchentliche Arbeitszeit betrifft, gibt es große Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Erwerbstätigen. Männer gehen im Schnitt 43 Stunden pro Woche einer Erwerbstätigkeit nach, Frauen dagegen 35 Stunden. Auch die Wünsche klaffen auseinander: 46 Prozent der Frauen wünschen sich einen Teilzeitjob im Umfang zwischen 20 und 34 Stunden. 41 Prozent der Männer wollen Vollzeit arbeiten: zwischen 40 und 47 Stunden.

Wie viel Zeit Menschen an ihrem Arbeitsplatz verbringen möchten, hängt der Studie zufolge stark davon ab, in welcher Lebensphase sie sich befinden, ob sie etwa Kinder oder ältere Angehörige betreuen und welche Anforderungen damit verknüpft sind. Das gelte allerdings vor allem für Frauen - und kaum für Männer.

Frauen arbeiten weniger im Job - und mehr zu Hause

"Bei Männern bleiben gewünschte, tatsächliche und vertraglich vereinbarte Arbeitszeit über unterschiedliche Lebensphasen hinweg sehr konstant", schreiben die Autoren der Studie. "Kinder oder Pflegeaufgaben scheinen insgesamt kaum mit den Arbeitszeiten von Männern zusammenzuhängen." Bei Frauen sehe das ganz anders aus.

Frauen haben insbesondere in den Lebensphasen, in denen minderjährige Kinder mit ihnen in einem Haushalt leben, deutlich kürzere gewünschte, tatsächliche oder vertragliche Arbeitszeiten als Männer. So liegt beispielsweise die tatsächliche Wochenarbeitszeit bei Frauen elf bis zwölf Stunden unter der tatsächlichen Arbeitszeit von Männern. Auch bei Beschäftigten, die regelmäßig Pflegeaufgaben übernehmen, arbeiten Männer durchschnittlich neun Stunden länger als Frauen.

Unterschiede zwischen den Geschlechtern - Frauen arbeiten im Schnitt insgesamt weniger als Männer - finden sich auch in anderen Lebensphasen, allerdings weniger ausgeprägt.

Bei Männern liege die vertragliche und gewünschte Arbeitszeit in allen Lebensphasen nahe beieinander und variiere nur wenig, so das Ergebnis der Umfrage. Etwas längere Arbeitszeiten wünschten sich Männer mit Kindern zwischen sieben und zwölf Jahren.

Bei Teilzeitbeschäftigten liegen sowohl die tatsächliche Arbeitszeit (24,0 Stunden) als auch die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit (22,8 Stunden) unter der gewünschten Arbeitszeit (25,8 Stunden). Im Schnitt wünschen sich Teilzeitbeschäftigte also eine Arbeitszeit, die drei Stunden länger als ihre vertraglich vereinbarte Arbeitszeit ist.

Unzufrieden mit Überstunden

Bei dem Wunsch nach mehr Freizeit, kommt es den Statistikern zufolge sehr darauf an, wonach die Erwerbstätigen genau gefragt werden:

Insbesondere bei den Vollzeitbeschäftigten mit einer Arbeitszeit ab 35 Stunden liegen gewünschte und vertraglich vereinbarte Arbeitszeit nahe beieinander. So entspricht die gewünschte Arbeitszeit (38,2 Stunden pro Woche) bei Vollzeitbeschäftigten im Schnitt beinahe der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit (38,6 Stunden), heißt es in der Studie.

Werden Überstunden mitberücksichtigt, ergibt sich jedoch ein anderes Bild: Immerhin 31 Prozent der Beschäftigten, die ihre Arbeit gerne reduzieren wollen, wünschen sich eine Arbeitszeit, die dem in ihrem Vertrag festgelegten Umfang entspricht.

Liegt die tatsächliche Arbeitszeit bei 43,2 Stunden, ist der Wunsch nach mehr Freizeit der Studie zufolge hoch. Im Schnitt wollen die Beschäftigen dann fünf Stunden pro Woche weniger arbeiten.

Umfrage zur Arbeitszeit

Je mehr Überstunden, desto größer der Wunsch, früher Feierabend zu machen: Bei Beschäftigten, die etwa zwei Überstunden pro Woche machen, wollen nur 38 Prozent der Befragten ihre Arbeitszeit reduzieren. Bei denen, die mehr als zehn Überstunden pro Woche schieben, steigt der Anteil auf 71 Prozent.

Zusammengefasst: Durchschnittlich die Hälfte der Arbeitnehmer in Deutschland wünscht sich kürzere Arbeitszeiten und mehr Freizeit - es gibt jedoch, je nach Lebenslage, erhebliche Unterschiede. Um den Beschäftigten entgegenzukommen und sie zu entlasten, müssten Arbeitgeber nicht nur die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit im Blick haben, sondern auch dauerhafte Überstunden und Mehrarbeit berücksichtigen.

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