In Kooperation mit

Job & Karriere

Fotostrecke

Das Leben nach dem Profifußball: "Das hier ist das wahre Leben"

Foto: Oliver Weiken/ dpa

Profifußballer - und dann? Und plötzlich brauchst du einen neuen Lebensentwurf

Wer sein Geld in der Bundesliga verdient, muss sich spätestens mit Mitte 30 einen Beruf fürs Leben danach suchen. Drei ehemalige Profis erzählen, wie es nach dem Fußball weiterging.

Das alte Leben von Tobias Rau ist in Borgholzhausen sehr weit weg. Früher spielte er in der ersten Liga für den FC Bayern München, für Wolfsburg und Bielefeld. Mit den Bayern wurde er deutscher Meister und Pokalsieger, er kickte in der Champions League und absolvierte sieben Spiele mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Heute unterrichtet er Sport und Biologie an einer Gesamtschule.

Rau beendete seine Profikarriere 2009, im besten Fußballeralter, mit 27 Jahren. Obwohl er fit war wie selten.

"Das Fußballgeschäft", sagte er damals, "ist ein Monatsgeschäft. Fast sogar ein Wochengeschäft. Es geht ratzfatz, dann fliegst du aus deinem Verein. Da habe ich einen anderen Lebensentwurf."

Und der heißt Lehramt. Mittlerweile ist Rau 35, verheiratet und Referendar. "Die wichtigsten Sachen, die für mich hier zählen, sind nicht aus der Fußballwelt", sagt er. "Im Fußball steht der Erfolg über allem. Man muss funktionieren, es wird über Leichen gegangen." Heute sei seine Arbeit zwar nicht mehr so aufregend, doch sein Leben sei spaßiger. "Hier in der Schule ist es einfach ein totales Miteinander, und man hilft sich gegenseitig."

Im Profifußball gelten Sportler schon mit Mitte 30 als alt. Rennen, schießen, grätschen, darin sind sie den Vereinen zu langsam. Sie müssen eine neue Rolle im Leben finden.

"Je länger diese Menschen in der Branche waren, desto eher wollen sie auch ein Teil davon bleiben", sagt Sportmanagement-Professor Dirk Mazurkiewicz von der Hochschule Koblenz. Hoch im Kurs stehen Jobs als Trainer, Manager oder TV-Experte. Aber davon gibt es weniger als Ex-Profis. Und nach einer Untersuchung, die Mazurkiewicz mit der Fußballergewerkschaft VdV erstellt hat, bereiten sich zwei Drittel der Spieler nicht zielgerichtet auf einen Job nach der Karriere vor.

Klar, viele müssen das auch nicht. Wer zehn Jahre in der Ersten Bundesliga gespielt hat, dürfte mindestens einen mittleren einstelligen Millionenbetrag verdient haben, schätzt Mazurkiewicz.

Doch das Karriereende ist auch für Menschen, die ausgesorgt haben, nicht immer leicht zu verkraften. Es bedeutet einen Bruch in der Biografie, wie andere ihn kennen nach einer Krankheit, einem Unfall oder bei plötzlicher Arbeitslosigkeit. Carsten Ramelow vergleicht die Erfahrung mit einem Kinobesuch: "Der Film ist aus, und du kommst raus aus dem Kino. Keiner erkennt dich mehr."

Carsten Ramelow

Carsten Ramelow

Foto: Bernd Thissen/ dpa

Ramelow absolvierte 333 Erstligapartien und 46 Einsätze für Deutschland in der Nationalelf, mehr als ein Jahrzehnt spielte er in der Bundesliga für Bayer Leverkusen. Konkrete Gespräche über die Zeit danach gab es nicht. Das ist häufig so: Die Gewerkschaft VdV fordert deshalb von den Profiklubs, ihrer Fürsorgepflicht stärker nachzukommen.

Immerhin gab Leverkusen Ramelow einen vierjährigen Anschlussvertrag - aber kaum Aufgaben. In seinem neuen Leben ist er nun Teilhaber mehrerer Eventfirmen in Hürth, einem Vorort von Köln. Er kümmert sich um Strategie und Personalführung. Zudem vermittelt er Leuchtwerbung an Flughäfen und in Einkaufszentren an Unternehmen und verkauft VIP-Karten für Konzerte und Sportveranstaltungen. Manchmal begleitet er auch Kunden zu Events: "Wenn die Leute fußballinteressiert sind, und da ist der alte Hase dabei, der ein bisschen was erzählen kann, dann ist das für beide Seiten eine ganz nette Atmosphäre."

Fußballer-Namen sind teilweise Marken, sie lösen ein Gefühl von Kennen aus, eine Erinnerung. Christian Mikolajczak ist nicht so ein Name. Dabei war er länger als Tobias Rau im Geschäft.

Christian Mikolajczak

Christian Mikolajczak

Foto: Bernd Thissen/ dpa

Die beiden spielten zusammen in der Junioren-Nationalmannschaft. 2001 wäre Mikolajczak fast mit dem FC Schalke 04Deutscher Meister geworden. Doch nach seinem ersten Profijahr bei Schalke ging er zu Provinzklubs wie Ahlen in Westfalen, Aue im Erzgebirge, nach Kiel und Spiesen-Elversberg. Seine Reise endete mit 30. Neue Verträge kamen nicht mehr. Ab diesem Moment machte er sich Gedanken über seine Zukunft.

Mittlerweile lebt Mikolajczak, 36, wieder im Ruhrgebiet, seiner Heimat, und arbeitet in Oberhausen als Feuerwehrmann. Er findet, dass sein altes und sein neues Leben sich ähneln: "Im Endeffekt ist man auch in einem Team zusammen. Man trainiert verschiedene Szenarien, und wenn man rausgeht, muss man funktionieren."

Er hat eine Ausbildung zum Rettungsassistenten und zum Brandmeister gemacht. Nun will er Beamter auf Lebenszeit werden.

"Ich habe einen sicheren Job, und ich habe ein geregeltes Leben. Ich lebe nicht mehr aus dem Koffer", sagt Mikolajczak. "Das hier ist das wahre Leben."

Nikolai Huland/dpa/koe/vet
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.