Berufsausbildungsbeihilfe Bundesregierung will Zuschüsse für Azubis deutlich anheben

Wohnen Auszubildende weit vom Arbeitsort entfernt und werden für den Lebensunterhalt nicht ausreichend vergütet, kann der Staat einspringen. Diese Beihilfe soll nun deutlich erhöht werden.

Ein Auszubildender beim Gasschweißen (Symbolbild)
DPA

Ein Auszubildender beim Gasschweißen (Symbolbild)


Die Bundesregierung will die monatlichen Zuschüsse erhöhen, die Auszubildende unter bestimmten Umständen vom Staat bekommen. Das sieht ein Gesetzesentwurf von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) zur Anpassung der Berufsausbildungsbeihilfe vor. Geplant sind Steigerungen von rund 23,5 Prozent.

Die Bundesagentur für Arbeit zahlt diese Zuschüsse, wenn der Ausbildungsbetrieb zu weit von den Eltern entfernt ist, um zu Hause wohnen zu bleiben, die Ausbildungsvergütung aber nicht reicht für Miete, Verpflegung und Fahrten. Der monatliche Höchstbedarf für die Unterkunft soll von 340 auf 420 Euro erhöht werden, der für die Verpflegung von 136 auf 168 Euro.

Bei der Zuschussberechnung werden den Bedarfssätzen unter Berücksichtigung von Freibeträgen das Einkommen der Eltern und die Ausbildungsvergütung gegenübergestellt. Die Mehrkosten für die geplanten Änderungen sind mit 61 Millionen Euro für 2019 angesetzt und sollen bis 2022 auf jährlich 123 Millionen Euro steigen.

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) hatte zuerst darüber berichtet. Den Zeitungen zufolge hieß es in dem Gesetzesentwurf: "Durch die Anpassung wird den steigenden Unterkunfts- und Verpflegungskosten aufgrund der allgemeinen Preisentwicklung Rechnung getragen." Das Gesetz soll dem Bundespresseamt zufolge an diesem Mittwoch vom Kabinett beschlossen werden.

Im vergangenen November hatte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) auf dem Berufsbildungskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) angesichts der geringen Vergütung vieler Auszubildender angekündigt, einen Azubi-Mindestlohn einführen zu wollen. Sie schlug eine Höhe von 504 Euro als Einstiegsniveau vor, ähnlich des Schüler-Bafögs. Der DGB fordert eine Mindestvergütung von 660 Euro brutto und hat ausgerechnet, welche Azubis davon profitieren würden.

kko/dpa/AFP



insgesamt 6 Beiträge
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gluonball 12.03.2019
1. Fachkräftemangel
Huch? Haben wir nicht Fachkräftemangel?
DianaSimon 12.03.2019
2. Eine gute Sache
für uns auf dem Land. Es gibt hier zwar Ausbildungsplätze, aber nur für einige Berufe. Kinder, die etwas anderes lernen wollen, müssen auswärts etwas suchen. Das ist bei vielen Familien nur möglich mit dieser sinnvollen Hilfe.
aktiverbeobachter 13.03.2019
3. falscher Weg
Aus meiner Sicht wieder einmal der falsche Weg hier eine staatliche Hilfe einzubauen und damit nicht auf Selbstverantwortung und Selbstbestimmung zu setzen. Die Politik sollte vielmehr dafür sorgen, dass es ausreichend Ausbildungsplätze gibt, diese angemessen bezahlt werden, bezahlbare Wohnungen zur Verfügung stehen, der öffentliche Nahverkehr preiswert und attraktiv ist usw. Dann ist den jungen Menschen und Familien auch geholfen und sie lernen schnell (und bekommen eine faire Chance) für sich selbst zu sorgen, ohnen nach staatlicher Hilfe zu schreien.
kleinsteminderheit 13.03.2019
4. Nicht gut genug
Was immer noch fehlt ist eine Beihilfe für Azubis aus H4 Bedarfsgemeinschaften. Die behalten, nach Verrechnung mit der Stütze, von ihrem Ausbildungslohn nur etwa 150€. Davon müssen sie Fahrtkosten zum Betrieb und zur Berufsschule, Bücher, Verpflegung, Kleidung etc. bezahlen. €150 reichen, gerade in ländlichen Regionen, häufig nicht aus, um diese Kosten zu decken. Derzeit hat das Jobcenter keine rechtliche Möglichkeit, den betroffenen Jugendlichen Freibeträge zur Deckung dieser Kosten einzuräumen. Wenn Betriebe den betroffenen Azubis Bargeld geben um ihnen in dieser Notlage zu helfen, machen sie sich strafbar. Dies ist einer der Hauptgründe, warum H4 Jugendliche sich häufig eher für einen Aushilfsjob als für eine Ausbildung entscheiden. Die Erhöhung der BAB, so sinnvoll sie ansonsten sein mag, bringt dieser Gruppe gar nichts. Was hier gebraucht wird , ist eine weitgehende Freistellung des Ausbildungslohns von der Verrechnung mit dem H4 Bezug, bis Stütze und Lohn zusammen genommen das Niveau der BAB erreichen.
wasistlosnix 13.03.2019
5. Bürokratie
Der Ruf nach dem Staat. Mit den im Bericht genannten Beträgen gibt es in keiner Großstadt ein WG Zimmer zu mieten. Die Unternehmen wollen doch Bürokratieabbau, also einfach den Lehrlingen das selber ermöglichen anstatt auf stattliche Unterstützung vertrauen.
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