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Urteil des Bundessozialgerichts Sturz im Homeoffice zählt als Arbeitsunfall

Gilt der Unfallschutz, wenn man im Homeoffice stürzt? Ja, urteilte nun das Bundessozialgericht. Eine Voraussetzung ist dabei allerdings entscheidend.
Sturz im Homeoffice: Hat ein Beschäftigter Anspruch auf den gesetzlichen Unfallschutz?

Sturz im Homeoffice: Hat ein Beschäftigter Anspruch auf den gesetzlichen Unfallschutz?

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Simona Pilolla / Westend61 / IMAGO

In der Pandemie arbeiten viele Menschen aus dem Homeoffice. Die Wege sind nicht weit, trotzdem kann es passieren, dass zwischen Bett und Schreibtisch ein Unglück passiert. Ist ein Beschäftigter dann durch die gesetzliche Unfallversicherung geschützt? Zählt das als Arbeitsunfall?

Ja, entschied nun das Bundessozialgericht  (BSG) in Kassel (Aktenzeichen: B 2 U 4/21 R). Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Homeoffice stehen auch auf dem Weg zur erstmaligen Arbeitsaufnahme in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Maßgeblich ist die »Handlungstendenz« hin zur beruflichen Tätigkeit, urteilte das Gericht. Dies gelte auch für Unfälle vor der jüngsten Gesetzesänderung im Juni.

Das Gericht bestätigt dadurch, was ohnehin schon vorherrschende Meinung ist: Wer im Homeoffice etwas tut, was in direktem Zusammenhang zur Arbeit steht, ist gesetzlich unfallversichert.

Sturz von der Wendeltreppe

Im aktuellen Fall klagte ein Mann aus dem Raum Aachen, der als angestellter Gebietsverkaufsleiter im Außendienst tätig ist. Er ist daher viel unterwegs, Verwaltungsaufgaben erledigt er zu Hause. Dort hat er sich hierfür ein Büro oberhalb der Wohnräume eingerichtet, das über eine Wendeltreppe erreichbar ist.

Im September 2018 stürzte er auf dem Weg von den Wohnräumen ins Homeoffice die Wendeltreppe hinunter. Dabei erlitt er einen Brustwirbeltrümmerbruch, seine Ehefrau fand ihn bewusstlos.

Weil er auf direktem Weg zur Arbeit war, beantragte er bei der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik die Anerkennung des Sturzes als Arbeitsunfall. Die lehnte jedoch ab, er klagte.

Anders als das Sozialgericht Aachen wies das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen in zweiter Instanz  die Klage des Mannes ab: Wege innerhalb der eigenen Wohnung sind nämlich generell nicht unfallversichert. Laut Urteil sei der Weg auf der Treppe weder ein »Betriebsweg« noch ein Weg zur Arbeit, wie sie von den Berufsgenossenschaften versichert sind. Sein Sturz habe sich vielmehr »im häuslichen Wirkungskreis« ereignet, stellte das Gericht fest.

Das BSG sprach dem Kläger nun Leistungen der Unfallversicherung zu. Dies können neben den Behandlungskosten je nach Unfallfolgen auch Rentenzahlungen sein.

Zur Begründung erklärte das BSG, der Weg auf der Treppe habe in einem engen Zusammenhang mit der Arbeit gestanden. Der Verkaufsleiter habe seine Arbeit aufnehmen wollen. Diese »objektive Handlungstendenz« sei entscheidend.

Unfallschutz im Homeoffice »in gleichem Umfang« wie im Betrieb

Die Kasseler Richter betonten, dass dies unabhängig von einer Gesetzesänderung zum 18. Juni 2021 gilt und auch vorher galt. Nach der Neuregelung besteht Unfallschutz im Homeoffice »in gleichem Umfang wie bei Ausübung der Tätigkeit auf der Unternehmensstätte«. Die Gesetzesänderung sichert die neuere BSG-Rechtsprechung ab, wonach auch betriebliche Wege innerhalb der Wohnung versichert sind, künftig zudem wohl auch Wege bis zur Küchentür, um zu essen oder zu trinken.

Auch im Streitfall habe es sich um einen solchen Betriebsweg gehandelt. Das BSG stellte den Sturz damit einem Unfall gleich, wenn ein Arbeitnehmer den Betrieb erreicht hat, dann aber auf dem Weg zwischen Betriebseingang und Arbeitsplatz stürzt. Bei sogenannten Wegeunfällen halte das BSG dagegen daran fest, dass der Unfallschutz erst nach Durchschreiten der privaten Außentür beginnt.

faq/AFP
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