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Kritik vom Betriebsrat Bundeswehr nutzt Stellenabbau bei Ford für Jobwerbung

"Job Fort? Mach, was wirklich zählt": Die Bundeswehr knüpft mit einer Werbung an den Stellenabbau beim Autobauer Ford an. Der Betriebsrat findet das geschmacklos. Was sagt das Verteidigungsministerium?
Bundeswehranzeige auf der Titelseite des Kölner "Express"

Bundeswehranzeige auf der Titelseite des Kölner "Express"

Foto: Oliver Berg/DPA

Die Bundeswehr ist für eine Werbeanzeige scharf vom Betriebsrat von Ford Europa kritisiert worden. Auf der Titelseite der Kölner Boulevardzeitung "Express" vom Donnerstag ist eine Bundeswehr-Anzeige mit dem Text "Job Fort? Mach, was wirklich zählt" platziert. Das Wort "Fort" wurde dabei dem Ford-Logo nachempfunden. Vor dem Ford-Werk in Köln zeigte ein Lieferwagen mit Werbefläche dieselbe Botschaft.

"Das ist absolut unangemessen und respektlos", sagte Martin Hennig, Betriebsratschef von Ford Europa. "Die Bundeswehr instrumentalisiert auf geschmacklose Weise Schicksale für Werbezwecke."

Bei Ford in Köln und in Saarlouis sollen demnächst 5400 Stellen über Abfindungen und Frühverrentungen wegfallen.

Auch bei Verteidigungspolitikern sorgten die Bilder der Bundeswehr-Kampagne für Kopfschütteln. "Diese Art von Werbung ist geschmacklos, fast makaber", sagte der Grünen-Politiker Tobias Lindner dem SPIEGEL. "Ministerin Ursula von der Leyen sollte die Kampagne umgehend zurückzuziehen und sich bei den vom Jobverlust bedrohten Mitarbeiter entschuldigen", forderte er.

"Ziel verfehlt"

Bei der FDP fand die Kampagne hingegen Anklang: "Der Werbespruch ist zwar semi-lustig, dafür aber unkonventionell und erfrischend anders", sagte die Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Statt einer Beleidigung sieht sie eine Wertschätzung für die Ford-Mitarbeiter und ihren Fähigkeiten. "Bevor Ford meckert, sollte es sich angesichts der Entlassungswelle selbst an die Nase fassen", so die FDP-Politikerin.

Der Wehrbeauftragte des Bundestags findet es zwar in Ordnung, dass die Bundeswehr auch in Krisenbranchen nach neuem Personal sucht. "Der Slogan bei Ford aber liegt doch ein bisschen unter Schülerzeitung-Niveau", sagte Hans-Peter Bartels. Mit solchen Provokationen verfehle man das Ziel.

Eine Sprecherin des Bundesverteidigungsministeriums sagte dem SPIEGEL, man wolle niemanden beleidigen: "Die Bundeswehr will Menschen, die von Stellenabbau betroffen sind, eine berufliche Perspektive in Uniform oder in unserem zivilen Bereich anbieten." Es seien mehrere tausend Jobs frei.

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So habe man am Donnerstag in einer einmaligen Aktion auch vor dem VW-Werk in Wolfsburg für die Bundeswehr geworben. Dort sei ebenfalls ein Lieferwagen mit Werbefläche vorgefahren. Darauf habe der Spruch "Einen Job fürs Volk wagen" gestanden.

Ein Sprecher des VW-Konzernbetriebsrats kritisierte die Aktion ebenfalls. "Werbung darf sicherlich frech sein, aber sie darf nicht zur Frechheit werden." Volkswagen hatte kürzlich bekanntgegeben, in den nächsten fünf Jahren könnten 5000 bis 7000 Stellen wegfallen.

Die Bundeswehr hat seit einiger Zeit eine eigene Abteilung gegründet, die mit neuen Ideen versucht, gerade junges Personal anzulocken. Bereits nach der Pleite von Air Berlin hatte die Truppe mit großen Plakaten dafür geworben, dass sich das Kabinenpersonal bei der Bundeswehr bewerben könne.

mes/sun/mgb/dpa