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25. März 2014, 15:15 Uhr

Einstellungstest

Können Sie Bundeswehr?

Auch Moppel sollen dienen dürfen! Verteidigungsministerin von der Leyen will die Aufnahmeregeln für künftige Soldaten lockern. Noch müssen alle Bewerber dieselben Ansprüche an Ausdauer und Schnelligkeit erfüllen. Welche das sind, erfahren Sie hier.

Mit schweren Rucksäcken durch den Schlamm robben, stundenlange Gewaltmärsche durch Wald und Wiesen: Der Dienst bei der Bundeswehr steht im Ruf, nur etwas für Hochleistungssportler zu sein. Selbst wer später als Sanitäter oder Koch arbeitet, kommt um die harte Grundausbildung nicht herum - und hier ist körperliche Fitness gefragt.

Das will Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nun ändern und damit auch weniger sportlichen Menschen eine Karriere beim Bund ermöglichen. "Es stellt sich die Frage, ob jeder einzelne Soldat und jede einzelne Soldatin, gleich welche Aufgabe sie im Riesenkonzern Bundeswehr ausfüllt, tatsächlich einen langen Marsch mit schwerem Gepäck bewältigen können muss", sagte sie.

Doch was müssen Anwärter auf eine Karriere bei der Bundeswehr eigentlich können? Sie sollen zu den "besten Frauen und besten Männern" gehören, so steht es auf der Bundeswehr-Internetseite.

Der Eignungstest besteht aus vier Teilen: einer ärztlichen Begutachtung, dem Sporttest, einem Online-Test und einem klassischen Bewerbergespräch. Angehende Führungskräfte wie Feldwebel und Offiziere müssen zusätzlich in einer Diskussion bestehen und einen Vortrag halten, für Offiziere ist außerdem eine Studienberatung verpflichtend und für angehende Piloten ein Theorietest.

Bei dem Online-Test werden logische, sprachliche und mathematische Fähigkeiten abgefragt, die Bewerber müssen etwa geografische Muster erkennen und weiterführen, Rechtschreibfehler erkennen oder Wörter in Beziehung setzen.

Dann wird es körperlich: Beim Sporttest über die Grundfitness stehen ein 11x10-Meter-Sprinttest, der Klimmhang und ein 3000-Meter-Fahrradergometer-Test auf dem Programm. Beim Sprinttest, bei dem sich der Bewerber nach einer 20-Meter-Strecke um einen Pylonen jeweils einmal auf den Bauch legen und die Hände hinter dem Rücken zusammenschlagen muss, sollte man für fünfeinhalb Runden nicht länger als 60 Sekunden benötigen. Beim Klimmhang müssen die Bewerber in der Endposition eines Klimmzuges mindestens fünf Sekunden verharren, das Kinn darf dabei nicht unter die Stange. Für Frauen kann das schwierig sein.

Und beim Fahrradergometer-Test dürfen die Kandidaten maximal 6:30 Minuten für die vorgegebene Strecke benötigen. Wer das nicht schafft, bleibt Zivilist - die gute Nachricht ist aber, dass der Test innerhalb von sechs Monaten wiederholt werden darf.

Offiziere müssen weiter schwitzen

Wer es in der Bundeswehr zum Offizier bringen will, ist damit aber noch lange nicht am Ziel. Angehende Führungskräfte müssen mehr können und weitere fünf Prüfungsstationen erfolgreich absolvieren. Beim Pendellauf rennen sie viermal hintereinander die Strecke von neun Metern - Männer in mindestens 10,3 Sekunden, Frauen in 11,2 Sekunden. Dabei kommt es auf schnelle Richtungswechsel und natürlich Geschwindigkeit an. Dann folgen Sit-ups, innerhalb von 40 Sekunden sind möglichst viele zu absolvieren. Frauen müssen auf mindestens 17 kommen, Männer sollten 21 schaffen.

Die nächste Prüfung ist der Weitsprung aus dem Stand. Die Anforderungen für angehende Soldaten: 1,95 Meter für Männer, für Frauen 1,57 Meter. Weiter geht's mit Liegestützen: In der Ausgangslage auf dem Bauch, die immer wieder eingenommen werden muss, liegen die Hände auf dem Rücken. Nach dem Hochdrücken muss mit einer Hand der andere Arm kurz berührt werden. Hier sollten es Frauen wie Männer auf 13 Stück in 40 Sekunden bringen. Danach geht es für die Offiziersbewerber auf die Laufbahn, wo in zwölf Minuten eine möglichst weite Strecke zurückgelegt werden soll. Frauen müssen auf mindestens 1476 Meter kommen, Männer auf 1901 Meter.

Allerdings reicht es nicht, in allen Disziplinen nur die Mindestanforderungen zu erfüllen. Um die geforderten sechs Gesamtpunkte zu erreichen, müssen die Kandidaten in einigen der ersten vier Tests besser sein. Denn für die oben genannten Werte erhalten sie jeweils einen Punkt, sie müssen aber bei mindestens einer der ersten vier Disziplinen besser sein und zwei Punkte erreichen.

Sollten die Bewerber scheitern - auch dieser Test kann innerhalb von sechs Monaten wiederholt werden. Und vielleicht können dank von der Leyen bald auch Sportmuffel bestehen.

joe

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