Burnout "Die Mitarbeiter wollen selbst zu viel"

Siemens-Personalvorstand Brigitte Ederer setzt der Burnout-Debatte ihre "altmodische" Sicht entgegen, wonach man als Mensch auch selbst auf sich achten muss und nicht alles zugleich haben kann. Zum Betreuungsgeld für Frauen mit Kindern sagt sie: "Siemens macht exakt das Gegenteil."

Geht nicht um sechs Uhr früh joggen: Siemens-Vorstand Brigitte Ederer
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Geht nicht um sechs Uhr früh joggen: Siemens-Vorstand Brigitte Ederer

Von Cornelia Knust


"Ich kann nicht alles haben, beruflichen Erfolg, eine Familie mit Kindern und dann noch Marathon laufen in der Freizeit. Einerseits einen Weltkonzern, der mir in 190 Ländern alle Türen öffnet, und gleichzeitig mittelständische Strukturen." Brigitte Ederer begegnet der Debatte um allzu erschöpfte Mitarbeiter mit gewohnter Bodenständigkeit. Die Österreicherin ist seit Sommer 2010 im Siemens-Vorstand für Personal zuständig, nachdem sie zuvor schon als Politikerin und Chefin von Siemens Austria Karriere gemacht hatte.

"Die Mitarbeiter wollen auch selbst zu viel", sagt sie im Club Wirtschaftspresse München. Niemand verlange eine Präsenz rund um die Uhr von ihnen, doch scheine es ihr oft, dass die Menschen Angst hätten, etwas zu versäumen und deshalb ständig auf ihr Telefon starrten. Es gelte, mehr selbst auf sich aufzupassen. Und es sei ja normal, dass man sich im Beruf durchsetzen müsse und auch mal Niederlagen erlebe: "Aus denen habe ich immer am meisten gelernt."

Da spricht die ehemalige Staatssekretärin der österreichischen Sozialdemokraten, die für ihr Land die Kampagne zum EU-Beitritt in den neunziger Jahren geleitet hat, und für die Kompromisse zum Tagesgeschäft gehören, ebenso die Erkenntnis, dass alles seinen Preis hat.

Das bezieht sie auch auf sich persönlich. In Interviews sagt sie stets, sie habe ihren Aufstieg damit bezahlt, keine Kinder zu haben. Heute in München kokettiert sie mit ihrer nicht ganz schlanken Figur: "Natürlich wäre es da gut, wenn ich um sechs Uhr aufstünde, um Marathon zu laufen. Aber ich möchte nicht um sechs Uhr aufstehen, weil es mich erschöpft."

Betreuungsgeld? "Siemens macht das Gegenteil"

Die Karriere von Frauen bei Siemens zu fördern, sei ihr nicht nur deshalb ein Anliegen, weil es einen Kampf um Talente gebe. Sie glaubt auch, dass gemischte Teams bessere Ergebnisse erzielen. Die weibliche Sicht auf die Dinge werde gebraucht: "Es sind nun mal die Hälfte der Menschen auf der Welt weibliche Kunden." Die Quotendiskussion habe dabei "einen positiven Druck erzeugt".

Siemens setzt nicht nur auf flexible Arbeitszeitmodelle und organisiert Kinderbetreuungsplätze, der Konzern zahlt den Müttern auch monatlich 100 Euro Zuschuss für die Fremdbetreuung ihrer Kinder bis zum sechsten Lebensjahr. Müttern, die schon innerhalb der ersten 14 Monate nach der Geburt des Kindes in eine Teilzeittätigkeit zurückkehren, zahlt das Unternehmen sogar 500 Euro monatlich.

Auf die Frage, wie das denn mit dem Betreuungsgeld für Mütter am heimischen Herd zusammenpasse, das die CSU in Deutschland unbedingt einführen will, enthält sich Ederer einer Wertung und sagt nur leise lächelnd: "Siemens macht genau das Gegenteil."

Diplomatisch kommentiert sie auch das Verhältnis zur IG Metall, die sich in den letzten Monaten einen regelrechten Machtkampf mit Siemens geliefert und viele neue Mitglieder mobilisiert hat, vor allem wegen der geplanten Schließung der Münchner Hauptverwaltung von Nokia Siemens Networks (NSN), die am Ende verhindert wurde. Ederer will bei der IG Metall "in den vergangenen beiden Jahren keine Veränderung" festgestellt haben.

Sie behauptet auch, Siemens habe die Tragweite der Schließungsentscheidung bei NSN nicht unterschätzt, habe aber eben nicht in der operativen Führung der gemeinsamen Tochtergesellschaft mit Nokia gestanden. "Ich komme aus der Politik", sagt Ederer, um deutlich zu machen, dass ihr gleich klar war, dass es Ärger gibt: "Es war dann eine politische Situation, und Nokia hat erkannt, was das bedeutet."


Cornelia Knust ist Autorin für manager magazin online in München



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spon-facebook-10000116794 24.06.2012
1. Huhn oder Ei?
Die alte Frage: Was war zuerst da: Der anfällige Mensch oder die zu harten Bedingungen? Wie bei Huhn und Ei ist auch hier die Antwort: SO ist diese Frage nicht zu beantworten - denn: Beide Faktoren haben sich in einem gemeinsamen Prozess aus früheren Formen bzw. kleinsten Anfängen entwickelt. Die Anfälligkeit der Menschen läßt sich zurückführen auf eine Störung, dessen Ursprünge ca. 10.000 Jahre zurückreichen, zu den Anfängen dessen, was wir "Zivilisation" nennen: Moderne Arbeitsteilung statt Jagen und Sammeln oder die ersten Städtekulturen? Wer will das heute noch eindeutig sagen können? Muss auch nicht geklärt werden. Die - kollektive - "Immunschwäche", die sich daraus entwickelt hat, ist nämlich im Hier und Jetzt im individuellen Einhzelfall grundlegend und nachhaltig HEILBAR. Leider spielt dabei das "System" nicht mit - weder Politik noch Gesundheitssystem sind ansprechbar auf die behebbaren Ursachen, die außerhalb des mehrheitlich akzeptierten wissenschaftlichen Weltbildes liegen - im "FEINstofflichen" Bereich. Denn die Wissenschaft deckt nur den GROBstofflichen Bereich ab. Die tiefere Ursache der "Kollektiven Zivilisations-Neurose" ist Mangel an INFORMATION UND LEBENS-ENERGIE. Davon ist der "normale" typische zivilisierte Mensch entfremdet. Er weiß viel zu wenig über die Lebens-Energie und ihre Bedeutung für sein ganzheitliches Gesund- und Glücklichsein und er leidet unter schweren Lebens-Energie-Versorgungsmängeln. DAS ist in Kürze das Problem. Der hilfreichen Aufklärung und Heilung steht am meisten das unnatürlich verkürzte, wirklichkeitsfremde wissenschaftliche Weltbild im Wege.
Lorbeerblatt 24.06.2012
2. Nur zum Teil recht
Natürlich sind es auch die Mitarbeiter, die selbst auf sich achten müssen. Allerdings hängt dies ganz gewaltig vom Klima ab! Ständige Erreichbarkeit ist von den Mitarbeitern gewollt? Wohl nicht in der Mehrheit. Sonst wären Mitarbeiter nicht gezwungen, sich "Auszeiten" (sic!) vor Gericht erstreiten zu müssen. Ein ganz großer Lapsus ist Frau Ederers Einstellung zum Thema Sport. Natürlich ist nicht das Maß der Dinge, "nebenberuflich" noch den Marathon-Man/Woman zu mimen. Nur ist Sport bzw. ausreichend Zeit für Bewegung ein wichtiger Faktor für die Gesundheit. Das müsste gerade Frau Ederer als Personalchefin wissen und - eigentlich - fördern. Sich selbst als "Vorbild" anzuführen ist da mehr als zweischneidig. Zumal man - sorry, ist nicht bös gemeint - Frau Ederer nun wirklich ansieht, dass sie ein gehöriges Päckchen Risikopotenzial mit sich rumschleppt. Damit ist nicht gemeint, dass da wer 2, 3 kg vom Schönheitsideal abweicht! Last not least kann und muss sich Frau Ederer als Konzernverantwortliche dem stellen, dass (auch latent) ständig drohender Arbeitsplatzverlust Druck auf die Mitarbeiter ausübt und zu bestimmten Verhalten führt. Wenn Firmen von ihren Mitarbeitern erwarten, dass die nicht nur guten, sondern auch in schlechten Zeiten loyal zum Unternehmen stehen und bspw. Lohneinbußen hinnehmen, dann muss auch das Unternehmen gegenüber den Mitarbeitern loyal sein und kein Hire and fire veranstalten!
München 24.06.2012
3. durch ständige Wiederholung nicht besser!
So wie in Deutschland qua Grundgesetz weder für Frauen noch für Männer eine Arbeitspflicht besteht (wie dies in den früheren sozialistischen Ostblockstaaten einschl. der DDR der Fall gewesen ist), so gibt es in Deutschland auch keine allgemeine Kita-Pflicht und wird es sie mit dem bestehenden Grundgesetz auch nicht geben können - allen alten oder neuen Versuchen einer Zwangskollektivierung und Zwangsbeglückung zum Trotz. Schon allein deshalb muss denjenigen Frauen und Müttern, die die Betreuung ihrer Kinder selbst in die Hand nehmen möchten, geholfen werden. Deshalb übernimmt das Betreuungsgeld hier eine wichtige Funktion. Das einzige, was mich und viele andere am Betreuungsgeld massiv stört, ist der Umstand, dass hier eine neue Sozialleistung eingeführt wird, die Steuerzahler und Haushalte dauerhaft belasten wird. Wenn man dieses Kosten jedoch mit den staatlichen Ausgaben für den Ausbau der Kita-Plätze in zweistelliger Mrd.-Höhe vergleicht, die ihre – in der Zukunft sogar noch erheblich steigende – Belastungswirkung für die öffentlichen Haushalte schon längst entfalten, dann halte ich das Betreuungsgeld gerade noch für vertretbar. Es wäre jedoch besser, wenn die privaten Unternehmen in Deutschland hier mehr Initiative zeigen würden und Kita-Plätze zumindest co-finanzieren würden. Ob sich dafür auch mal die großen Gewerkschaften in den Tarifverhandlungen einsetzen werden? Geschieht aber nicht und ist auch in der Zukunft wohl kaum zu erwarten. Das passt jedoch nicht zusammen: Gegen das Betreuungsgeld agitieren und auf die Straße gehen und gleichzeitig nichts dafür tun, private Kita-Angebote in die Tarifverhandlungen mit aufzunehmen.
Spiegelleserin57 24.06.2012
4. natürlich die Mitarbeiter....
sicher wollen die Mitarbeiter zu viel... wenn man die gewünschte Leistun g nicht bringt ist man draußen....das wollen die Mitarbeiter natürlich nicht....und ein Leben außerhalb der Arbeit wollen sie natürlich auch.....brauchen sie auch sonst landen sie noch schneller im Burnout und man lebt nicht nur für die Arbeit....am ende des Lebens fragt man sich dann wofür hat man eigentlich gelebt... Zu viele Menschen verdrängen die Endlichkeit des Lebens... es wird Zeit dass das Tabu gebrochen wird...
lew111 24.06.2012
5. Kampf um Talente
Ich kann bestätigen das Frauen bei Siemens stark gefördert werden. Es geht teilweise soweit das man sich als Mann auf gewisse Stellen nicht mehr bewerben brauch wenn eine Frau sich dort beworben hat. Ich habe persönlich vom meinen Chef die Anweisung bekommen zwei Frauen, die zuvor wegen mangelnder qulifikation abgelehnt worden sind, einzustellen damit wir mehr Frauen bei uns haben. Ich würde kein talentierter Mann empfehlen bei Siemens anzufangen wenn er gleichberechtigt (gleiche Chancen) eine Karriere machen möchte.
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