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Stars ohne Grund: "Ich bin die mit den Brüsten"

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Karriere als Blitzlichtfutter "Nicht jeder Tag ist ein roter Teppich"

Paul Janke und Micaela Schäfer sind Stars ohne Grund, Abteilung TV-Trash. Er war der "Bachelor", sie ein Nackedei im "Dschungelcamp". Ihr Geschäftsmodell: Als C-Promis verdienen beide ihr Geld mit Partyauftritten und guter Laune.

Vor kurzem wollte Paul Janke sein Profil auf dem Business-Netzwerk Xing aktualisieren. Dabei kam er ins Grübeln. Er dachte: "Mensch Paul, was schreibst du bei Beruf?" Gute Frage. Einem Millionen-Publikum ist Janke aus der TV-Show "Der Bachelor" bekannt. In der RTL-Sendung suchte er nach der großen Liebe. Der Junggeselle traf auf 20 Frauen, die oft nur einen Bikini trugen. Es sei mit die schönste Zeit seines Lebens gewesen, sagt er.

Inzwischen wird Janke regelmäßig für Discotheken und Messen gebucht. Auf Feiern am Ballermann oder in Bottrop ist er "Special Guest". Seine Aufgaben sind übersichtlich: Publikum anlocken, gute Laune haben, Autogramme schreiben, sich fotografieren lassen.

Janke ist 32 Jahre alt. Seit er einmal der "Bachelor" war, verdient er sein Geld damit, der "Bachelor" zu sein. Das ist grob gesagt sein Beruf. Aber das kann man nicht bei Xing eintragen. Es heißt, Janke bekommt für seine Auftritte bis zu 3000 Euro am Abend. "Ich bin überrascht, wie lange das schon funktioniert", sagt er.

Unter den C-Promis beinah ein A-Promi

Die Regenbogenpresse hat Janke dafür die Berufsbezeichnung "C-Promi" verpasst. Streng genommen geht es dabei nicht um eine Kategorie, sondern um eine Beleidigung. Sie klebt an vielen Teilnehmern von Castingshows, Talentwettbewerben, Reality-Formaten. Es heißt: kein Inhalt. Kein Talent. Star ohne Grund. Ein mieser Job. Eigentlich.

Micaela Schäfer kennt diese Vorwürfe. Man könne sie auch gern C-Promi nennen, sagt sie. Schäfer ist 29 Jahre alt, hat eine Ausbildung zur pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten absolviert und schaffte es als Kandidatin der ersten Staffel von "Germany's Next Topmodel" ins Rampenlicht.

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Sonderbare Jobs: Berufe gibt's, die gibt's gar nicht

Foto: Angelika Warmuth/ dpa

Jetzt arbeitet sie als Model, Moderatorin, DJane, Partygast. Sie tut das meistens nackt. Worüber Boulevard-Magazine häufig berichten. Gerade hat sie sich auf dem Oktoberfest ein Dirndl auf den Körper malen lassen. Die "Bild"-Zeitung schrieb: "Nacktschnecke im Käferzelt".

Wenn man so will, ist Schäfer der A-Promi unter den C-Promis. Es ist leicht, sie ziemlich bescheuert zu finden. Vor allem aber scheint sie verstanden zu haben, wie der Beruf eines Trash-Stars funktioniert. Im Gegensatz zu Janke ist Schäfer von ihrem Erfolg nicht überrascht. Sie hat, nun ja, eine Art Konzept.

In ihrer Beschreibung wird die Welt des Boulevards zu einer ziemlich geordneten Sache: Verona Pooth ist das Dummchen mit der nervigen Stimme, Gina-Lisa Lohfink ist prollig, Georgina Fleur blöd, und sie sei gern nackt, sagt Schäfer. "Wer bekannt werden will, braucht eine gute Macke."

Lange Zeit konnte Schäfer damit kein Geld verdienen. "Deutschland ist prüde", sagt sie. Die anderen seien da schon viel früher viel weiter gewesen: England hatte das Boxenluder Katie Price. In den USA gab es den Burlesque-Star Dita von Teese. Für Micaela, den Nackedei aus Leipzig, war Deutschland lange nicht bereit. So sieht sie das. "Zum Glück ist dann die Trash-Welle gekommen", sagt Schäfer.

Ihr Produkt: "Ich bin die mit den Brüsten"

Sie meint Sendungen wie "Big Brother", "Dschungelcamp", "Supertalent", "Perfektes Dinner", "Promiboxen", "Frauentausch", "Reality Queens auf Safari". Schäfer ging in jede dieser Sendungen. Jetzt ist sie ein kleiner Trash-Star.

Nichts von dem, was die da mache, schaue sie sich danach im Fernsehen an, behauptet Schäfer. Sie habe gar keinen Fernseher. Sie würde ihren Namen auch nie bei Google eingeben. "Man braucht viel Selbstironie", sagt sie. Die Frage ist, wie selbstironisch es ist, sich nackt auf eine Bierbank zwischen einen Haufen Betrunkener zu stellen.

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Foto: Verena Brandt

Ausgabe 5/2013

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Schäfer hat die wichtigste Aufgabe eines Trash-Künstlers verstanden: zu unterhalten. Sie sagt: "Ich werde nur gebucht, wenn ich aktuell bin. Deshalb muss ich in die Medien. Mein Produkt ist Micaela Schäfer mit den Brüsten. Das muss ich vermarkten." Das klingt alles ein wenig wie auswendig gelernt. Aber immerhin ist es eine präzise Jobbeschreibung.

Paul Janke arbeitet seit einiger Zeit auch als DJ, und er findet, dass seine Arbeit unterschätzt wird. Man müsse die neuesten Lieder kennen und wissen, wann der Gesang einsetzt. Er sei in diesem Jahr schon 200-mal geflogen. Das sei anstrengend. Dann sagt Janke noch: "Nicht jeder Tag ist ein roter Teppich."

"Noch ein paar gute Jahre"

Schäfer ist ein Workaholic. Sie verpasst Familienfeste und verzichtet auf Urlaub. Gerade hat sie sich eine Eigentumswohnung in Berlin-Friedrichshain gekauft. Davor hat sie sieben Jahre in einem 32 Quadratmeter großen Zimmer gelebt. Erst wurde sie ausgelacht, dann angegafft. Jetzt ist sie damit reich geworden.

Keiner kann sagen, wie lange das Konzept Micaela Schäfer funktioniert. Aber eine Konkurrenz auf dem Nackt-Model-Markt sieht sie nicht. Neulich wurde sie in einem Dirndl-Geschäft von zwei Engländern erkannt. Sie dachte: "Wow! England!" Sie ist nun die Katie Price der Deutschen. Eine lebende Fotostrecke.

Um ihr Image muss sie sich keine Sorgen machen. "Ist ja eh egal", sagt Schäfer. Sie kann sich die Freiheit erlauben, immer das zu sagen, was sie denkt. Ihre Zukunft sieht Schäfer wie eine Leistungssportlerin: "Ich habe nur noch ein paar gute Jahre vor mir, in denen ich sehr viel Geld verdienen muss."

Paul Janke spricht wie ein Fußballprofi nach Spielschluss: "Ich schaue von Woche zu Woche", sagt er. Er hätte allerdings auch echte Alternativen: Janke hat einen Abschluss als Diplomkaufmann und bereits für einen Spirituosenhersteller gearbeitet. Als Berufsbezeichnung hat er sich auf seinem Xing-Profil dann aber doch für eine andere Lösung entschieden. Dort steht nun: Künstler.

Foto: Frauke Lüpke-Narberhaus

KarriereSPIEGEL-Autor Jonas Leppin (Jahrgang 1983) ist Journalist in Hamburg. Zuvor hat er Politik, Geschichte, Jura studiert und die Henri-Nannen-Journalistenschule absolviert.

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