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Carmen Michaelis

Tipps von der Karriereberaterin Mein Chef hat sein Versprechen gebrochen - und jetzt?

Carmen Michaelis
Ein Gastbeitrag von Carmen Michaelis
Der Chef verspricht, sich für die Beförderung einzusetzen - aber dann kommt heraus: Er hat nichts unternommen. Soll man ihn darauf ansprechen oder den Ärger einfach herunterschlucken?
Hm, spreche ich mit dem Chef oder richtet das mehr Schaden als Nutzen an?

Hm, spreche ich mit dem Chef oder richtet das mehr Schaden als Nutzen an?

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Yuri Arcurs/ PeopleImages/ Getty Images

Vincent, 33 Jahre: "Mein Vorgesetzter hat mir im Jahresgespräch versprochen, sich für meine Beförderung einzusetzen. Jetzt habe ich aus zuverlässiger Quelle erfahren, dass er nichts unternommen hat. Die Stelle hat ein anderer bekommen. Ich bin enttäuscht und frustriert und überlege, ob ich meinen Vorgesetzten zur Rede stelle. Ist das klug oder sollte ich es einfach schlucken?"

Zur Autorin

Carmen Michaelis war zehn Jahre Führungskraft in einem Unternehmen, zuletzt stellvertretende Geschäftsführerin. Seit 2004 arbeitet sie selbstständig als Coach, Trainerin und Moderatorin für Unternehmen. E-Mail an karriere.leserpost@spiegel.de schreiben   Stichwort Carmen Michaelis 

Lieber Vincent,

stellen Sie sich bitte zunächst die kommenden Wochen in der Zusammenarbeit mit Ihrem Vorgesetzten vor, wenn Sie nichts sagen: Können Sie ihm das nötige Vertrauen schenken, sein Feedback oder seinen Rat zu Ihrer Arbeit ernst- und annehmen? Wenn Sie das bejahen, können Sie zur Tagesordnung übergehen. Wenn das Verhältnis aber für Sie belastet ist, suchen Sie das Gespräch.

Doch zuvor: Ziehen Sie in Betracht, dass es sich auch ganz anders verhalten kann als geschildert.

Sie spielen mit dem Gedanken, Ihren Chef zur Rede zu stellen. Das klingt, als wollten Sie ihn zur Rechenschaft ziehen für etwas, was er falsch gemacht hat. Verständlich, wenn Sie wirklich sicher sein können, dass es so ist. Bedenken Sie aber, dass es in der Kommunikation zwischen Ihnen und Ihrem Chef auch ein Missverständnis gegeben haben kann. Kommunikation ist keine Einbahnstraße. Nicht immer kommt beim Empfänger genau das an, was der Sender gemeint hat. Prüfen Sie vorab, worauf Sie sich berufen können. Wie konkret war das Versprechen? Ist im Jahresgespräch dazu etwas festgehalten worden?

Sie sprechen von einer zuverlässigen Quelle. Bedenken Sie bitte, dass eine Quelle, wenn überhaupt, auch nur die Fakten kennt, nicht aber die Beweg- und Hintergründe der Entscheidung. Geben Sie sich und Ihrem Vorgesetzten die Chance, das offen zu klären. Zerschlagen Sie kein Porzellan, ehe Sie nicht den ganzen Sachverhalt auch aus seiner Sicht kennen. Erst recht nicht, wenn Sie auch bei einer negativen Antwort besprechen wollen, wie es für Sie weitergeht.

Trennen Sie Sach- und Beziehungsebene

So könnten Sie vorgehen:

Erster Schritt: Bereiten Sie das Gespräch gut vor.

Trennen Sie die Fakten von den Mutmaßungen: Was wissen Sie wirklich und können es belegen? Trennen Sie die Sach- und Beziehungsebene: In der Sache geht es um Ihre persönliche Entwicklung, um die Frage einer Beförderung. Klären Sie für sich: Was spricht an Leistungen, Erfolgen, Fähigkeiten und Kompetenzen für Sie und was wollen Sie perspektivisch? Was sind Ihre Forderungen, Wünsche, Appelle? In der Beziehung geht es um Vertrauen, um eine transparente, zeitnahe Information an Sie und eventuell auch um ein nicht eingelöstes Versprechen und die Enttäuschung, dass beides nicht stattgefunden hat.

Zweiter Schritt: Führen Sie das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten.

Starten Sie das Gespräch als "Erkundungsgespräch" und bleiben Sie zunächst auf der Sachebene: Beginnen Sie offen und hören Sie Ihrem Vorgesetzten erst einmal zu. Versuchen Sie zu verstehen, was genau passiert ist. So bieten sich dann weitaus mehr Reaktionsmöglichkeiten für Sie. Ihrem Ärger können Sie dann immer noch Luft machen, wenn er berechtigt ist.

Der Einstieg in das Gespräch stellt die Weichen. Er könnte so lauten: "Herr Xy, ich habe Sie in unserem Jahresgespräch so verstanden, dass Sie sich für meine Beförderung einsetzen wollen. Nun habe ich gehört, dass Herr Z die vakante Stelle bekommen hat. Ich bin verunsichert und dachte, ich frage am besten die Person, die es sicher weiß. Bin ich da richtig informiert worden?" Verneint Ihr Vorgesetzter und erklärt Ihnen, dass es sich hier um eine Fehlinformation handelt, können Sie erneut Ihr Interesse an dieser Stelle bekunden und Verbindlichkeit herstellen. "Ich bin erleichtert, dass es sich um ein Missverständnis gehandelt hat. Verstehe ich es richtig, dass ich weiterhin für diese Stelle vorgesehen bin?"

Bejaht Ihr Vorgesetzter Ihre Frage und es stellt sich so dar, wie Sie vermutet haben, nutzen Sie im zweiten Schritt offene Fragen, um mehr zu erfahren. Sie erhalten Informationen, die Sie nutzen können und gewinnen Zeit, um zu reagieren.

Sogenannte W-Fragen, um den Sachverhalt zu verstehen, könnten sein:

  • Wie kam es dazu?

  • Was sind die Gründe?

  • Was hat dazu geführt, dass …?

Ihre Gefühle sollen ebenfalls ihren Platz finden. Senden Sie sogenannte "Ich-Botschaften". Sie beschreiben damit, wie die Verhaltensweisen Ihres Chefs und das Geschehen auf Sie subjektiv wirken. So fühlt sich Ihr Vorgesetzter nicht angegriffen, sondern wird in die Lage versetzt, Ihnen zuzuhören und mit Ihnen eine Lösung für die Situation zu suchen.

Ich-Botschaften statt Vorwürfe

Ihre Ich-Botschaft formulieren Sie in drei Schritten:

  1. Beobachtung ohne Bewertung ausdrücken: "Nach unserem Jahresgespräch, in dem ich Sie so verstanden habe, dass Sie sich für meine Beförderung einsetzen, bin ich davon ausgegangen, die Stelle zu bekommen."

  2. Gefühle ausdrücken (dem Herzen Luft machen): "Ich bin enttäuscht und frustriert."

  3. Eigene Bedürfnisse formulieren: "Ich hätte mir gewünscht, dass Sie mich rechtzeitig informieren und mir ein Feedback geben, warum ich es nicht geworden bin. Mir ist es jetzt wichtig, darüber zu reden, wie es für mich weitergeht."

Um das Gespräch konstruktiv in die Zukunft zu lenken, bieten sich im Weiteren wieder W-Fragen an:

  • Wie kann es für mich weitergehen?

  • Welche Möglichkeiten sehen Sie für mich …

  • Was kann ich dazu beitragen, dass ...

Wechseln Sie nun von den offenen Fragen zu geschlossenen Fragen, um einen verbindlichen Abschluss zu erzielen und fassen Sie das Ergebnis zusammen.

Lieber Vincent, ich wünsche Ihnen, dass Ihr Vorgesetzter Sie positiv überrascht und das Gespräch in eine Richtung lenkt, die für Sie die Richtige ist!

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