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Urteil in China 6400 Euro für fünf Jahre Hausarbeit

Erstmals in China muss ein Mann seiner Ex-Frau die Hausarbeit vergüten. Das Urteil heizt die Debatte im Land neu an: Welchen Wert haben Kindererziehung, Pflege und Tätigkeiten im Haushalt?
Hausarbeit: Auch in China ein Streitpunkt

Hausarbeit: Auch in China ein Streitpunkt

Foto: Lubitz + Dorner / plainpicture

Umgerechnet knapp 6400 Euro für fünf Jahre Hausarbeit: Ein chinesisches Scheidungsgericht im Pekinger Stadtbezirk Fangshan verurteilte einen Mann dazu, seiner Ex-Frau 50.000 Yuan für die geleistete Kinderbetreuung und Hausarbeit zu zahlen. Der Fall gilt, wie die britische Zeitung Independent  schreibt, als Präzedenzfall in dem Land: Erst vor Kurzem wurde dort Familienarbeit mit einem Preisschild versehen.

Im vergangenen Monat trat nämlich eine Änderung im bürgerlichen Recht Chinas in Kraft: Danach kann ein Ehepartner im Rahmen einer Scheidung vom anderen eine Entschädigung verlangen, wenn er oder sie mehr häusliche Pflichten übernommen hat – das schließt Kindererziehung und Pflege für ältere Familienangehörige mit ein.

Im konkreten Fall heiratete das Paar 2015 und lebte seit 2018 getrennt, der gemeinsame Sohn blieb bei der Mutter. 2020 reichte der Ehemann die Scheidung ein. Dabei sah er sich mit Kompensationsforderungen seiner Frau konfrontiert, die ins Feld führte, er habe sich kaum an der Hausarbeit und der Kinderbetreuung beteiligt.

Rückwirkend musste der Mann seiner Ex-Frau nun zusätzlich zu monatlichen Alimenten von umgerechnet 255 Euro noch 6400 Euro für die in den vergangenen Jahren geleistete Hausarbeit zahlen. Laut CNN hat die vorsitzende Richterin das Urteil damit begründet, dass Hausarbeit beispielsweise die Chancen des anderen Ehepartners verbessere, persönliche und berufliche Ziele zu erreichen – das schlage sich aber nicht in der Teilung des Sachvermögens nieder.

In den sozialen Netzwerken Chinas befeuerte das Urteil eine hitzige Debatte über den Wert von unbezahlter Arbeit. Laut OECD leisten Frauen in China rund zweieinhalb Mal so viel Hausarbeit wie Männer, etwa vier Stunden täglich. Nach dem Urteil trendete vor allem auf dem twitter-ähnlichen Netzwerk Weibo ein entsprechender Hashtag  – und wurde mehr als 500 Millionen Mal aufgerufen.

Dabei waren sich laut der Nachrichtenseite CNN  die Nutzer uneinig: Viele fanden, die Summe, die das Gericht der Ehefrau zugesprochen hat, sei viel zu gering – und merkten an, die Gesamtsumme reiche in Peking gerade einmal, sich für ein Jahr eine Nanny zu leisten. Andere merkten an, dass es kein Wunder sei, dass junge Leute nicht mehr heiraten wollten: »Es ist einfach zu teuer.«

mh
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