Von Beruf Krimi-Autorin "Ich mordete ein wildes Schwein"

Sie leitete ein Restaurant in Botswana und führte ein ruhiges Leben. Bis Christiane Grän die Lust zu schreiben überkam - zu ihrer eigenen Überraschung landete sie Bestseller mit Frauenkrimis um Heldin Anna Marx.

Christine Grän ist Schriftstellerin, ihr letztes Buch: "Amerikaner schießen nicht auf Golfer" - 18 Storys über Golf und das Leben
Angelika Bardehle

Christine Grän ist Schriftstellerin, ihr letztes Buch: "Amerikaner schießen nicht auf Golfer" - 18 Storys über Golf und das Leben


Zwölf Top-Managerinnen, ein Dutzend Geschichten: Hier zeichnen erfolgreiche Frauen ihren Weg nach oben nach - und berichten, worauf es ankommt. Heute: die Schriftstellerin Christine Grän über Frauenkrimis und Wildschweinjagden im Busch.

"Afrika, jenseits von Telefon oder Fernsehen: Die Frauenkrimi-Welle in Deutschland war 16 Flugstunden entfernt. Dort beflügelte sie die Medien, und 'Bild' brachte es auf den simplen Punkt: Frauen morden einfach besser.

In jener Zeit war ich Managerin einer Lodge in Botswana. Mordete Moskitos, gelegentlich Schlangen, einmal ein wildes Schwein mit der Schrotflinte. Ein ruhiges Leben alles in allem, doch als gelernte Journalistin fiel es mir schwer, auf das Schreiben ganz zu verzichten. Also begann ich mit einem Kriminalroman, der in Afrika spielte. Frei nach dem Mord an einer Engländerin, der die Gemüter der Expatriates in Botswana bewegte. Mit Anna Marx als Hauptfigur: Journalistin in Bonn mit krimineller Neugierde und Schwierigkeiten, Ego und Körper in Form zu halten.

'Weiße sterben selten in Samyana': Nach zwei Jahren schickte ich das Manuskript zu Rowohlt nach Hamburg und war überrascht, als nach zwei Monaten eine positive Antwort kam. Der Verlag wollte allerdings keine Eintagsfliege, ich sollte mich zu weiteren Büchern verpflichten, was ich nur zu gerne tat.

Nach fünf Jahren Afrika kehrte ich zurück nach Bonn und arbeitete in der Presseabteilung der Deutschen Welthungerhilfe. Und veröffentlichte weitere Krimis bei rororo-Thriller, sanft getragen von der Welle, die unter anderem Ingrid Noll, Doris Gercke, Pieke Biermann und Sabine Deitmar in die Schlagzeilen und Buchläden brachte.

Was, bitte, ist ein Frauenkrimi?

'Die Wut der Weibchen' überschrieb Uta-Maria Heim damals im Krimi-Magazin 'Schwarze Beute' ihre Kritik an Frauenkrimis, die an radikal feministische Thriller á la Kitty Fitzgerald oder Marion Forster nicht annähernd herankamen. Die Diskussion ist inzwischen auch schon Geschichte, doch kam ich damals um die Frage nicht herum: Was zum Teufel ist ein Frauenkrimi?

1) Eine Krimi, der von einer Frau geschrieben wurde?

2) Ein Krimi, für Frauen geschrieben?

3) Das Gegenteil eines Männerkrimis?

4) Was hätte Agatha Christie darauf geantwortet?

5) I am sorry, but I do hate this differentiation between the sexes!

Aus der Welle wurde eine Woge, doch irgendwann verliefen sich die Frauenkrimis im Sand. Danach wurde wieder zwischen guten und schlechten Thrillern unterschieden, und das war gut so. Frauen morden nicht besser, allenfalls anders. Vielleicht weniger blutrünstig, doch auch darauf kann man sich nicht verlassen. Fest steht, dass mehr Frauen Krimis lesen als Männer. Eventuell, weil die Fantasie eine Frau ist? Und weil die Fantasie der Frau doch recht mörderisch sein kann?

Wofür interessiert sich die Leserin der Zukunft?

Während ich munter gegen den Strom schrieb, stürmten leichte Frauenromane die Bestsellerlisten. Hera Lind und Co. kreierten die patente, moderne Frau in Lebenskrisen (Alter, Mann, Kind, Karriere), die sie mit List und Humor stets zu meistern versteht. Der Schmus der Weibchen: selten realistisch, aber herzergreifend zu lesen.

Eine Frau - ein Buch: Es folgten die Sachbücher für feminine Lebenslagen: Lust, Zyklus und Wechseljahre; Karriere und Kinder, die Weisheit der ungezähmten Frau, Männer verstehen, Fit mit 50, Warum Frauen besser einparken... oder war es umgekehrt?

Was fehlte noch? 'Feuchtgebiete'. Die Ekelgrenzen der Weibchen. Ich habe das Buch nie gelesen, doch die Auflagenhöhe erfüllte mich mit schöner, reiner Wut, gesteigert noch durch 'Shades of Grey'. Angelesen, weggeworfen.

Welchem Thema wird sich die geneigte Leserin künftig zuwenden? Ich habe keine Ahnung und schreibe einfach weiter. Zum guten Schluss noch Simone de Beauvoir: 'Der Ausdruck Weibchen ist nicht deshalb abwertend, weil er die Frau in der Natur verankert, sondern weil er sie in ihr Geschlecht einsperrt.'"

Protokolliert von Gisela Maria Freisinger

insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
dschinn1001 01.12.2014
1. ja - in manchen ...
Dingen sind Frauen einfach unbestritten Weltmeister - da würde sogar ich neidisch und deswegen platzen da bei mir schon alleine deswegen meine Lippen und meine Haut ... - nur früher war ein typischer Männerjob auch eben "Scharfschütze" - und heute ?! - ist es Frauenjob - verständlich, daß da die Männer lieber zu Hause mit den Kindern spielen .... und kochen und alles schnell aufessen bevor sie nach Hause kommt - lieber noch schnell weg an die frische Luft, bevor sie vielleicht zum Beil greift ... ?!
koenigludwigiivonbayern 01.12.2014
2.
Meine Großmutter hieß Anna Marx, geborene Jelinek. Da ich sie nie kennengelernt hatte, versuche ich sie manchmal zu googeln. Endlich verstehe ich die Ergebnisse (alle).
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