Fischer an der Copacabana "Uns machen die hier alles zu"

Kaum einer kennt Brasiliens berühmtesten Strand der Copacabana besser als er: Caco, 75, arbeitet hier schon fast sein ganzes Leben lang als Fischer. Doch große Kutter machen ihm das Leben schwer - und jetzt auch noch Olympia.

Fischer José de Jesus Damasceno in Rio de Janeiro am Strand
DPA

Fischer José de Jesus Damasceno in Rio de Janeiro am Strand


Es dämmert, Caco steht im seichten Wasser, vor ihm liegt die wunderschön geschwungene Hügelkette der Copacabana. Ein guter Tag zum Rausfahren. Doch die Idylle trügt. Caco ist mit 75 Jahren der älteste Fischer von Copacabana in Rio de Janeiro - aber viele von Cacos Sorte gibt es nicht mehr.

Die großen Kutter ignorieren oft die Gesetze und fangen bis an die Küste. Da bleibt für die Fischer der Copacabana nicht mehr viel übrig. "Zudem zerstören sie oft auch noch unsere Netze mit ihren großen Schleppnetzen", sagt Caco. Sein Monatslohn beträgt 200 bis 250 Euro, je nach Ausbeute.

Caco arbeitet in der traditionellen Fischerkolonie Z13 am Fort von Copacabana, die für Touristen etwas versteckt liegt. Er heißt eigentlich José de Jesus Damasceno, mit zwei Jahren kam er aus dem Nachbarstaat Minas Gerais mit seiner Familie hierhin.

Mit zehn Jahren fuhr Caco erstmals aufs Meer. Viele Jahre ruderte er raus, statt wie heute mit Motorantrieb Fische zu fangen. Der vernarbte, kräftige Körper erzählt von einem Leben auf See, Cacos Gesicht ist sonnengegerbt.

"Wir haben kaum noch Fische in den Netzen", sagt Caco
DPA

"Wir haben kaum noch Fische in den Netzen", sagt Caco

Caco wohnt nicht weit entfernt von seinem Boot, oben am Berg mit Meerblick, in der Favela Cantagalo. Er hat drei Kinder und acht Enkel.

Gerade steht Caco mit seinen grauen Haaren und dem grauen Vollbart an einem der Boote und blickt immer wieder aufs Meer. "Wir haben kaum noch Fische in den Netzen", sagt er. Und dann sei da der Müll, viel Plastik zieht er aus dem Meer.

Rund 300 Meter von der Fischerkolonie entfernt werden sich bald die Triathleten ins Meer stürzen. Freut er sich auf Olympia? "Ich bewundere die Olympischen Spiele", sagt Caco. Rio als Bühne, die besten Sportler der Welt.

Dann kommt das Aber: "Uns machen die hier alles zu, kein Boot darf während der Wettkämpfe rausfahren", berichtet der alte Fischer. Dann sagt er: "Wovon sollen wir dann leben? Wir werden an den Tagen keinen Real verdienen."

Inzwischen gibt es aber Verhandlungen mit der Stadt. Caco sorgt sich vor allem darum, dass wegen der Kosten für Olympia Geld für einen besseren Küstenschutz fehlen könnte. Denn der Kampf gegen die Kutter hat für die Copacabana-Fischer etwas von David gegen Goliath.

Georg Ismar/dpa/lov



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.