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Schaffnerin über Maskenkontrolle "Er sagte, er sei der König von Bayern und müsse keine Maske tragen"

In vielen Bundesländern müssen Maskenverweigerer in Bus und Bahn Strafen zahlen. Eine Schaffnerin erzählt, wie Fahrgäste auf Ermahnungen reagieren und warum sie die Bußgelder für viel zu niedrig hält.
Aufgezeichnet von Florian Gontek
"Die Maske ist für uns Kundenbetreuende im Alltag mittlerweile das beherrschende Thema"

"Die Maske ist für uns Kundenbetreuende im Alltag mittlerweile das beherrschende Thema"

Foto: sturti / E+ / Getty Images

Nordrhein-Westfalen machte den Anfang, andere Bundesländer zogen nach: Fährt man ohne Mund-Nasen-Schutz in öffentlichen Verkehrsmitteln, drohen teilweise empfindliche Geldstrafen. Zahlt man in Bayern als Maskenmuffel seit Anfang des Monats 150 Euro, können es in Berlin bis zu 500 Euro werden (sehen Sie die Strafen aller Länder in der unten stehenden Grafik). 
 
Sabrina Dietl*, 25, arbeitet seit knapp fünf Jahren als Kundenbetreuerin bei der Bayerischen Regiobahn (BRB), meistens auf der Strecke zwischen München und Salzburg: 1 Stunde und 45 Minuten Fahrt durch eine Landschaft, die wie gemalt aussieht. Dietl kontrolliert Geschäftsleute, Familien und Radwandernde. Hier erzählt sie aus ihrem beruflichen Alltag in Zeiten von Maskenpflicht bei Sommerhitze und erklärt, warum sie selbst das neue Bußgeld gar nicht kassieren darf.

Schaffnerin Sabrina Dietl*

Schaffnerin Sabrina Dietl*

 "Die Maske ist für uns Kundenbetreuende im Alltag mittlerweile das beherrschende Thema. Gerade jetzt, wo es draußen richtig heiß wird. Für mich ist die Maske allgegenwärtig geworden. Wenn ich in einem Zug mit 300 Fahrgästen Dienst habe, halten sich im Normalfall ungefähr 200 davon an die Regeln. Manchmal sind es bis zu 50, die sagen, sie bräuchten keine Maske, sonst bekämen sie schlecht Luft. Andere reißen sich zusammen, wenn ich sie dann ermahne. Ich habe auch immer ein paar Reservemasken dabei, die ich Reisenden kostenlos geben kann. 

Eine Mund-Nasen-Bedeckung wird bei vielen Gästen schnell mal zu einer Kinn- oder Schlafmaske. Wenn ich die Reisenden dann ermahne, ihre Maske bitte korrekt zu tragen, erwidern viele, dass sie Atembeschwerden hätten oder bei der Hitze von der Maske Kopfschmerzen bekämen. Ich empfehle dann häufig einen Schluck Wasser - und die meisten merken dann schnell, dass sie bei mir mit Ausreden nicht weiterkommen.

Beim Essen und Trinken unterscheiden viele nicht zwischen Naschereien und Grundbedürfnissen. Niemand hat etwas dagegen, wenn man früh morgens vom Brot abbeißt oder einen Schluck Saft nimmt. Viele aber überreizen das und setzen die Maske dann erst gar nicht wieder auf. Kann mir ein Fahrgast jedoch ein Attest vorlegen, dann ist das für mich völlig in Ordnung; aber auch nur dann.  

Auf Uneinsichtige wartet am Bahnhof die Polizei

Lässt sich jemand gar nicht ermahnen, rufe ich für den nächsten Bahnhof die Bundespolizei hinzu. Das kommt glücklicherweise nicht oft vor, aber immer mal wieder. Als Kundenbetreuerin darf ich die neu erlassenen Bußgelder selbst nicht verhängen. Die Bußgelder für den Verstoß gegen die Maskenpflicht dürfen nur Polizeibeamte kassieren. Widersetzen sich die Fahrgäste also weiter, müssen sie die 150 Euro bei den Beamten der Bundespolizei bezahlen. 

Bestimmungen in den einzelnen Bundesländern (Stand 13. August)

Verstöße gegen die Maskenpflicht

  • 25 bis 250 Euro

Verstöße gegen Abstandsregeln

  • 50 bis 250 Euro

Am vergangenen Dienstag hatte ich meinen ersten Fahrgast, der solch ein Bußgeld der Behörden verhängt bekommen hat, weil er keine Schutzmaske getragen hatte. Bei dem Reisenden war das Problem eines, das wir Kundenbetreuende im Alltag häufiger haben: Die Menschen weigern sich, ihren Personalausweis herauszugeben. Ich erklärte dem Mann Mitte 30 dann, dass am nächsten Bahnhof Rosenheim die Bundespolizei mit einem Bescheid über 150 Euro Bußgeld auf ihn warten würde. Er hat lange diskutiert, aber so richtig stören wollte ihn das nicht. Sein Argument, die Maske nicht tragen zu müssen, war, der König von Bayern zu sein - dann brauche man so etwas wie eine Schutzmaske nicht. Der meinte das wirklich ernst.

Dumme Sprüche kommen häufiger

Solche Sprüche gibt es immer mal wieder; von Männern und von Frauen. Die unterschiedlichen Charaktere sind aber auch das, was ich an meinem Beruf so schätze. Ich bin gern schlagfertig und beginne immer mit einem Lächeln - aber manchmal fühlt man sich, wie beim König von Bayern, einfach nur lächerlich gemacht. Das ist schon alles nicht ganz ohne und geht an die Substanz. 

"Ich glaube, dass die Bußgelder nicht viel verändern werden."

Sabina Dietl*, Kundenbetreuerin bei der Bayerischen Regiobahn

Erlebnisse wie diese zeigen in meinen Augen, dass die Strafen noch deutlich zu niedrig sind. Ich glaube, dass die Bußgelder nicht viel verändern werden. Strafen müssen wehtun und 150 Euro tun vielen nicht weh genug - dann gehen die Leute halt dreimal weniger einkaufen. Die bis zu 500 Euro Bußgeld, die in Berlin für Maskenverweigerer aufgerufen werden, würde ich mir auch in Bayern wünschen. Das würde dann vielleicht auch etwas verändern. Zusätzlich müssten die Behörden in unseren Zügen, aber auch an den Bahnhöfen einfach mehr kontrollieren."    
 

*Anmerkung der Redaktion: Auf Wunsch der Protagonistin haben wir ihren Namen im Nachhinein verändert. Die inhaltlichen Aussagen sind davon nicht betroffen. Dem SPIEGEL ist der Name bekannt.

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