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Coronafolgen für die Jobsicherheit Die Krise produziert Quereinsteiger

Corona wirbelt den Arbeitsmarkt weltweit durcheinander. Eine neue Studie zeigt, welche Altersgruppen es besonders hart trifft – und was gegen Jobverlust hilft.
Lebenslanges Lernen: Flexibilität wird immer wichtiger auf dem Arbeitsmarkt

Lebenslanges Lernen: Flexibilität wird immer wichtiger auf dem Arbeitsmarkt

Foto: 10'000 Hours / Digital Vision / Getty Images

Die Coronapandemie hat nicht nur Deutschland auf den Kopf gestellt . Der Kultursektor und die Reisebranche trocknen wirtschaftlich aus und viele Menschen werden sich nach neuen Jobs umsehen müssen. Wer sind die Gewinner und Verlierer auf dem Arbeitsmarkt, welche Branchen sind besonders gebeutelt und in welche Richtung wollen sich Berufstätige weiterbilden und umschulen? Das hat die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) zusammen mit The Network, einem von der Jobplattform Stepstone mitbegründeter Zusammenschluss von Jobbörsen in 130 Ländern, im Herbst untersucht.

Insgesamt 208.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in 190 Nationen, darunter rund 9000 in Deutschland, wurden online über ihre berufliche Situation befragt. Neben den Coronafolgen wurden auch die Effekte untersucht, die die zunehmende Automatisierung auf die Arbeitsmärkte hat.

Nur Niederländer investieren weniger Zeit in Fortbildung

»Die Studie hat gezeigt, dass Deutschland global bei der Bereitschaft zu Weiterbildung und Zusatzqualifizierung nicht gut abschneidet und sich am unteren Ende der Länderskala wiederfindet«, sagt Rainer Strack, Senior Partner bei BCG und Co-Autor der Studie. »Bei der investierten Zeit in berufliche (Weiter-)Bildung liegt Deutschland sogar auf dem vorletzten Platz – nur die Niederlande schneiden hier schlechter ab.« Am lernwilligsten sind türkische Arbeitnehmer: 80 Prozent der Befragten gaben dort an, sich mindestens einige Wochen im Jahr mit Fortbildung zu befassen.

Weltweit berichtete mehr als ein Drittel der Befragten, durch die Coronapandemie entweder den Arbeitsplatz verloren zu haben oder in Kurzarbeit zu sein. Die meisten Betroffenen waren dabei weniger gebildet und jung; in Deutschland ist das allerdings anders – hier sind vor allem ältere Arbeitnehmer betroffen (siehe Grafik).

Besonders der Tourismussektor wurde weltweit sehr in Mitleidenschaft gezogen – dort gingen die meisten Jobs verloren. Auch Servicekräfte und im Verkauf Tätige waren stark betroffen, ebenso wie Künstler. Am härtesten traf die Pandemie sich entwickelnde Länder in Afrika; in Europa und Asien waren die Effekte auf dem Arbeitsmarkt immer noch hart, aber weniger umfassend.

Quereinsteiger auf dem Vormarsch

Stepstone-Chef Sebastian Dettmers sagt: »Viele Berufsbilder sind nicht nur kurzfristig von der Pandemie betroffen, sondern strukturell bedroht. Der Suchbegriff ›Quereinsteiger‹ ist gerade in die Top 10 auf StepStone.de aufgestiegen. Gerade in Deutschland tun wir uns allerdings schwer damit, Quereinsteigern neue Berufsperspektiven zu öffnen. Die größten Chancen für die genannten Berufe ergeben sich in Onlineunternehmen, die ihre Service- und Verkaufsprozesse komplett digitalisiert haben.« Er erwartet, dass der Arbeitsmarkt in Zukunft »insgesamt durchlässiger« werden wird.

Generell sind deutsche Arbeitnehmerinnen und -nehmer offen dafür, sich beruflich komplett neu zu orientieren. Mehr als die Hälfte würde grundsätzlich umschulen, zusätzlich mehr als ein Drittel würde es tun, wenn es notwendig wäre, um einen Job zu finden. Dabei nimmt die Bereitschaft zur Neuorientierung mit dem Bildungsgrad ab – knapp zwei Drittel der Befragten ohne abgeschlossene Ausbildung würden sich umschulen lassen, bei den Uni-Absolventen ist es rund die Hälfte. Deren Jobs sind allerdings auch spezialisierter, sodass eine Neuorientierung schwieriger sein könnte. Generell zeigt sich: Ein höherer Bildungsgrad hat auch in der Pandemie für mehr Arbeitsplatzsicherheit sorgen können (siehe Grafik).

Befragt, in welche Bereiche Arbeitnehmer wechseln wollen würden, werden vor allem drei Bereiche genannt: Beratung, Digitalisierung und Forschung. Bereiche, die auch Studienautor Strack als zukunftsträchtig identifiziert: »Unsere Studien zeigen, dass es in Deutschland in den nächsten Jahren einen Mangel an Fachkräften vor allem in technischen und IT- Berufen geben wird – 2030 werden über eine Million Fachkräfte in diesem Bereich fehlen. Darüber hinaus wird aber auch die Nachfrage in Medizin und Pflege steigen.« Laut BCG stehen neben IT-Berufen und Topmanagement auch Lehrkräfte, Geschäftsprozess-Spezialisten, medizinische Berufe, Ingenieure und Pflegeberufe ganz oben auf der Liste der Berufe, in denen sich der Fachkräftemangel verschärfen wird.