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Von Gratis-Essen bis Klopapier Was Firmen jetzt für ihre Mitarbeiter tun

In der Krise wollen Firmen ihren Mitarbeitern zeigen, dass ihre Arbeit geschätzt wird: Es gibt kostenlose Vitaminspritzen, Sonderurlaub für Eltern - und Klopapier.
Foto: Phynart Studio/ E+/ Getty Images

In der Coronakrise zeigen viele Unternehmen, dass sie sich um ihre Mitarbeiter kümmern: Eine Untersuchung der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu ergab, dass drei Viertel der dort aktiven Arbeitnehmer zufrieden mit den Maßnahmen sind, die ihre Arbeitgeber ergriffen haben. Die Plattform hat dafür 5700 Erfahrungsberichte aus Deutschland, der Schweiz und Österreich ausgewertet. Drei Viertel der Arbeitnehmer fühlten sich gut informiert, noch mehr fanden, dass Aufklärungs- und Schutzmaßnahmen schnell umgesetzt wurden.

Viele Angestellte lobten ihre Arbeitgeber für die schnelle und unkomplizierte Umstellung auf das Homeoffice und Angebote wie Online-Sportkurse, Chef-Podcasts oder virtuelle Kaffeeküchen. Allerdings wollen auch in Corona-Zeiten nicht alle von zu Hause arbeiten - während 69 Prozent angeben, das sei grundsätzlich möglich, tun nur 58 Prozent der Kununu-Bewerter es tatsächlich. "Obwohl diese Situation für alle neu und herausfordernd ist, sind Unternehmen schnell aktiv geworden und kommunizieren offen mit ihren Mitarbeitern", sagt Kununu-CEO Moritz Kothe.

Ein etwas düstereres Stimmungsbild hat die Arbeitgeber-Bewertungsplattform Glassdoor in einer repräsentativen Online-Umfrage Anfang April eingeholt. Demnach fürchtet mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer in Deutschland, den Job zu verlieren; acht Prozent gaben an, in Kurzarbeit zu sein, mehr als die Hälfte befürchtet, dass ihnen das noch bevorsteht. Immerhin glauben knapp drei Viertel, ihr Arbeitgeber tue alles, um die Arbeitsplätze zu erhalten. Dafür würden gut 60 Prozent auf Boni und Gehaltserhöhungen verzichten, allerdings nur 43 Prozent Einbußen beim aktuellen Gehalt in Kauf nehmen.

Etliche Firmen lassen sich zudem jetzt einiges einfallen, um ihre Belegschaft in der Krise zu unterstützen – hier sind einige Beispiele.

Vitaminspritzen für die Belegschaft

Seit einigen Wochen können Mitarbeitende der Dextradata GmbH, einem IT-Dienstleister mit 130 Mitarbeitern, sich eine Vitaminspritze geben lassen, um die Immunabwehr zu stärken – am Standort Essen vom Betriebsarzt zweimal pro Woche vor Ort, an den anderen Standorten können sie sich die Kosten für die entsprechende Behandlung erstatten lassen. "Das Angebot wurde stark honoriert", berichtet Unternehmenssprecher Björn Seum über die Resonanz im Unternehmen. In der ersten Woche sei die Nachfrage am stärksten gewesen – mittlerweile arbeiteten die meisten Mitarbeiter von zu Hause aus.

Fünf Tage Sonderurlaub für Eltern

Die Provinzial-Gruppe bietet konzernweit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Kinder unter zwölf Jahren betreuen müssen, fünf Tage bezahlten Sonderurlaub an. Das betrifft zum Beispiel die Sparkassen Direktversicherung mit Sitz in Düsseldorf, die zum Konzern gehört. Sozialneid im Unternehmen gebe es deshalb nicht, meint Personalvorstand Jürgen Cramer: "Keiner versucht, für sich etwas besonderes herauszuholen, alle gehen die Situation mit Augenmaß an." Gut angekommen sei auch, dass die gleitende Arbeitszeit zusätzlich flexibilisiert worden sei.

Online-Call mit dem WHO-Fachmann und Mittagspause für alle

Im Homeoffice werde automatisch mehr gearbeitet, sagt eine Unternehmenssprecherin des Kommunikationsunternehmens Edelman, das mehr als 6000 Mitarbeitende an weltweit 60 Standorten hat. Deshalb seien für alle anderthalb Stunden Mittagspause geblockt, in der keine Meetings und Calls angesetzt werden sollen. Dreimal in der Woche gibt es dann auch ein gemeinsames Video-Workout mit einem Trainer. Seit Beginn der Krise gibt es einmal wöchentlich eine Onlinekonferenz mit dem Chef Richard Edelman und dem WHO-Gesundheitsspezialisten David Nabarro, der auch die im Live-Chat gestellten Fragen beantwortet – gerade dieses Angebot werde sehr gut angenommen, so die Sprecherin.

Kostenloses Essen, mehr Geld und Klopapier

Der Pflegeheimbetreiber BeneVit in Mössingen zahlt einen satten Aufschlag: Jeder Mitarbeiter, von Verwaltung über Hauswirtschaft bis hin zum Pflegepersonal, erhält rückwirkend ab dem 01.03.2020 vorläufig befristet bis zum 31.05.2020 drei Euro mehr pro geleistete Arbeitsstunde. Das mache bei einer Vollzeitstelle in Summe fast 500 Euro monatlich, so Geschäftsführer Kaspar Pfister, der seiner Belegschaft die Botschaft vor zwei Wochen in einer Videobotschaft verkündete. Seit Beginn der Krise werden die Mitarbeitenden außerdem gratis verpflegt – und dürfen sich sogar nach Absprache in den Lebensmittellagern der Häuser versorgen, wenn sie im Supermarkt leer ausgegangen sind. Dort gebe es auch Klopapier, so Pfister.

Sonderzahlungen

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der landeseigenen Berliner Kliniken Charité und Vivantes sollen von April an zunächst für drei Monate einen monatlichen Bonus von 150 Euro erhalten, teilte der Regierende Bürgermeister Michael Müller am Montag mit. Nicht nur Ärzte und Pfleger, sondern auch Reinigungskräfte sollen das Geld bekommen. Auch für andere Landesbeschäftigte ist ein Bonus im Gespräch. Auch Handelsketten wie etwa Rewe oder Aldi haben ihrem Personal Sonderbezüge in Aussicht gestellt.

Catering für die Mitarbeiter

Auch kleinere Unternehmen lassen sich etwas einfallen: Normalerweise hat die Maschinen- und Stahlbaufirma Klotz und Gangloff in Eschweiler keine Kantine. Aber weil die Firma geschäftliche Verbindungen zu einem Caterer hat, den sie in der für ihn schwierigen Zeit unterstützen will, gibt es jetzt einen Essenslieferdienst – eine Win-win-Lösung, die beiden Unternehmen hilft, findet der geschäftsführende Gesellschafter Jens Gangloff. Er hat für jede Abteilung eine eigene Mikrowelle angeschafft, damit die Mitarbeiter in getrennten Teams arbeiten und das gelieferte Essen aufwärmen können. Das zur Hälfte vom Arbeitgeber subventionierte Angebot kommt gut an – rund ein Drittel der 65 Mitarbeiter nutzt es. "Man kommt in so einer Krise aus alten Denkmustern heraus", sagt Gangloff, "es ist auch interessant und spannend, die Dinge anders anzugehen."