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Leserfrage zum Coronavirus Was mache ich bei einem Arbeitsunfall im Homeoffice?

Was ist ein Arbeitsunfall, wenn man von zu Hause arbeitet – und wann greift der Versicherungsschutz? Die Leserfrage des Tages.
Ein Arbeitsunfall im Homeoffice bedeutet rechtliche Kleinarbeit

Ein Arbeitsunfall im Homeoffice bedeutet rechtliche Kleinarbeit

Foto: Chinnapong/ iStockphoto/ Getty Images

Anonym erreichte uns folgende Leserfrage: Wie bin ich im Homeoffice versichert - und was ist ein Arbeitsunfall im Homeoffice?

Die Antwort gibt Florian Gontek, Redakteur im Ressort Job & Karriere des SPIEGEL:

Hier ist die zentrale Frage: Ist die Aufgabe, bei der der Arbeitnehmer einen Unfall hat, Teil des Privat- oder Berufslebens? Die Tätigkeit im Homeoffice spitzt diese Abgrenzung zu: Allein durch die räumliche Situation verschmelzen am Heimarbeitsplatz Berufliches und Privates leicht miteinander. Die Rechtsprechung versucht, diese beiden Sphären nach Unfällen im Homeoffice klar voneinander zu trennen. Das hat Folgen für den Versicherungsschutz. "Die Gegebenheiten im Homeoffice hat der Arbeitnehmer in der Regel selbst gewählt. Er muss nicht an einem vom Arbeitgeber vergebenen Ort arbeiten. Wird dieser vom Arbeitgeber vorgegeben, sind Betriebswege erforderlich, um die Arbeit zu erbringen – das ist hier der wesentliche Unterschied", sagt Jens Niehl, 49, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Düsseldorf.

Der Gang zur Kantine ist versichert, der in die heimische Küche nicht

Um zu verdeutlichen, wie eng die Trennlinie zwischen privaten und beruflichen Bereich ist, arbeiten wir mit Beispielen: Wenn jemand im Homeoffice während eines beruflichen Telefonats stürzt, ist er oder sie versichert. Stürzt die Person auf der Treppe, um sich ein Glas Wasser zu holen, greift die gesetzliche Unfallversicherung nicht. Auch beim Gang zur Toilette gilt: Wer im Büro aufs Klo muss, ist auf dem Weg dorthin gesetzlich unfallversichert; zu Hause ist dem nicht so. Auch greift der Versicherungsschutz nicht, wenn man während der Heimarbeit auf dem Weg in die heimische Küche stürzt. Fällt der Arbeitnehmer aber beim Gang in die Betriebskantine, zahlt die Versicherung.

Grenzen Sie Berufliches und Privates bestmöglich voneinander ab

Das gilt auch für den "Dienstweg". Wer sein Kind auf dem Weg zur Arbeit in der Kita absetzt, ist gesetzlich unfallversichert. Diese Regelung gibt es seit 1971. Wer dagegen auf dem Weg von der Kita zum Heimarbeitsplatz einen Unfall hat, geht laut Bundessozialgericht leer aus. Eine Mutter war mit ihrem Fahrrad auf Blitzeis gestürzt und brach sich den Ellenbogen. Sie war auf dem Rückweg von der Kita zu ihrem Heimarbeitsplatz. Ihre Krankenkasse wollte sich die Behandlungskosten von 19.000 Euro vom Träger der gesetzlichen Unfallversicherung zurückholen – und scheiterte (Urteil vom 30.01.2020 - B 2 U 19/18 R).

Zusammengefasst gilt also: Die Anforderungen dafür, ob die Versicherung wirklich eingreift, sind in der Heimarbeit deutlicher höher als im Betrieb. Wer im Homeoffice etwas tut, was nicht in direktem Zusammenhang zur Arbeit steht, ist nicht gesetzlich unfallversichert.

Leserfragen zum Coronavirus

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Arbeitsrechtler Jens Niehl rät: "Schauen Sie, dass privater und dienstlicher Bereich bestmöglich voneinander getrennt sind". Damit der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung auch bei einem Unfall während der Tätigkeit im Homeoffice greift, ist – wenn möglich –  ein separates Arbeitszimmer eine gute Idee. Ebenso rät Niehl dazu, Screenshots und Anruflisten zu sichern, um nachweisen zu können, dass der Unfall während einer beruflich motivierten Tätigkeit passiert ist. Denn das zweifelsfrei aufzuzeigen, wird für den Arbeitnehmer am Ende entscheidend sein.

flg
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