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Leserfragen zum Coronavirus Darf der Chef mich ins Büro zwingen?

Der Arbeitgeber besteht auf Anwesenheit im Büro, obwohl Homeoffice möglich wäre. Darf er das? Die Leserfrage des Tages.
Hauptsache Abstand: Arbeiten zu Corona-Zeiten

Hauptsache Abstand: Arbeiten zu Corona-Zeiten

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Halfpoint/ iStockphoto/ Getty Images

Hier und in unserem Newsletter beantworten wir regelmäßig eine Frage unserer Leserinnen und Leser zum Coronavirus.

Sie haben ebenfalls medizinische Fragen zu Covid-19 oder möchten genauer wissen, welche wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen Auswirkungen die Krise für Deutschland und die Welt hat? Schreiben Sie uns an coronafragen@spiegel.de .

Ein Leser, der anonym bleiben möchte, weil das Thema in seinem Unternehmen kontrovers diskutiert wird, schreibt: "Darf der Arbeitgeber anweisen, die Tätigkeit im Büro gemeinsam mit anderen Kollegen und Kolleginnen zu verrichten, obwohl die Voraussetzungen für Homeoffice gegeben sind? So geschehen heute bei meinem Arbeitgeber, einem Unternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitern. Die Begründung: Es seien zu viele im Homeoffice, die sich über den gleichen Zugang einwählten. Dadurch werde die Performance des Systems beeinträchtigt."

Die Antwort von Helene Endres, Redakteurin im Ressort Job und Karriere beim SPIEGEL:

Zunächst einmal die grundlegende Botschaft: Ein Recht auf Homeoffice wegen Angst vor Ansteckung gibt es auch in Corona-Zeiten nicht, vor allem wenn der Arbeitgeber ausreichend sichere Arbeitsplätze zur Verfügung stellt. Dazu gehört beispielsweise, dass ein ausreichender Sicherheitsabstand gewährleistet ist und entsprechende Hygienevorgaben beachtet werden. Gibt es also nicht bereits eine Homeoffice-Vereinbarung, wird es jetzt schwierig, das Arbeiten von zu Hause durchzusetzen.

Gibt es dagegen eine Vereinbarung, kommt es darauf an, ob diese - wie in der Praxis üblich – entsprechende Rückholvorbehalte vorsieht. Diese würden greifen, wenn beispielsweise die technischen Voraussetzungen nicht vorliegen. Und es gibt auch ausdrückliche Rückholrechte, nach denen der Arbeitgeber die Mitarbeiter zur Betriebsstätte beordern kann. Derartige Klauseln unterliegen zwar strengen Wirksamkeitsvoraussetzungen, wenn diese aber gut gestrickt sind, müssen Sie weiter im Betrieb erscheinen.

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In der aktuellen Zeit braucht es Leute, die im Großen und im Kleinen mit anpacken, damit unsere Gesellschaft weiter funktioniert - sei es durch ihr berufliches oder privates Engagement. Wir stellen vor: Die Heldinnen und Helden des Corona-Alltags.

Sieht die bestehende Homeoffice-Vereinbarung keine derartigen Vorbehalte vor, wird es knifflig. Hier haben wir Daniel Klösel gefragt, Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Arbeitsrecht und Compliance und Partner der Kanzlei Justem Rechtsanwälte in Frankfurt/Main. Er sagt: "Ein möglicher Weg für Arbeitgeber könnte dann die allgemeine Schadensabwendungspflicht sein, wenn die technischen Voraussetzungen für einen Regelbetrieb aus dem Homeoffice infolge von Überlastung nicht gegeben sind. Hier ist der Weg durch die Rechtsprechung noch nicht geebnet, es spricht aber einiges für eine solche Pflicht, jedenfalls wenn der Arbeitgeber in dieser Ausnahmesituation nicht in zumutbarer Weise für technische Nachrüstung sorgen kann und – natürlich mit entsprechenden betrieblichen Gesundheitsschutzkonzepten – auch für sichere Arbeitsplätze im Betrieb sorgt."

Also lieber am Arbeitsplatz erscheinen. Denn letztlich ist zu beachten, dass Mitarbeiter im Fall einer Weigerung ein hohes Risiko eingehen. Dann drohen arbeitsrechtliche Sanktionen von Abmahnung bis fristloser Kündigung. Die Frage, ob im konkreten Fall ein Recht auf Homeoffice bestanden hat, würde dann im Kündigungsschutzprozess geklärt werden. Und hier kommt es auf den Einzelfall und die genannten Umstände an. Ausgang jedenfalls ungewiss.

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