In Kooperation mit

Job & Karriere

Fotostrecke

Digitale Nomaden: Wo geht's denn hier zum Strand?

Foto: Michelle Kutzner

Digitale Nomaden auf den Kanaren Büro am Strand - und das für wenig Geld

Wer zum Arbeiten nur ein Notebook braucht, muss nicht im deutschen Winter hocken. Immer mehr Freiberufler ziehen 25 Grad und Strandnähe vor - etwa auf den Kanaren.
Von Rainer Müller

Einen Laptop und ein Smartphone, mehr braucht Max nicht zum Geldverdienen. Als Webentwickler arbeitet der Italiener fest angestellt für zwei Firmen in Rom und San Francisco - von Gran Canaria aus. In seiner Bürogemeinschaft in Las Palmas trifft er Spanier, Italiener, Deutsche und Amerikaner, manche für ein paar Tage oder Wochen, andere für ein ganzes Jahr. Max ist seit August hier. Eigentlich hießt der 25-Jährige Massimiliano. Aber hier kennen ihn alle als Max. Im Büro wird Englisch gesprochen.

Leise Elektromusik, Graffiti, kunterbunte Sofas und Tischreihen, an denen sich bis zu 30 Coworker gegenübersitzen - nur die Surf-Deko im Gemeinschaftsbüro erinnert an die Ferieninsel.

Gegründet hat CWC (Coworking Canary Islands) Geschäftsmann Ignacio Rodriguez, genannt Nacho. "Wobei 'gegründet' das falsche Wort ist", so Nacho, "das war purer Zufall." Seit 25 Jahren installiert die Firma seiner Familie Solaranlagen auf den Hotels der Insel. Großvater, Vater, jetzt die dritte Generation. 2014 bezogen sie ein neues Büro in Santa Catalina, dem Vergnügungsviertel von Las Palmas. Eines Tages standen zwei norwegische Backpacker vor der Tür und fragten, ob sie vielleicht mal das Internet nutzen dürften. Das war der Beginn von CWC.

Inzwischen gibt es auf den Kanarischen Inseln 50 Coworking Spaces mit rund 1200 Arbeitsplätzen, die meisten in Las Palmas und Santa Cruz, der Hauptstadt der Nachbarinsel Teneriffa. Viele bieten auch Co-Living an - also WGs auf Zeit für digitale Nomaden, die kurzfristig sesshaft sein wollen.

Warum die Inseln für Computerarbeiter so attraktiv sind, liegt auf der Hand - es sind die gleichen Gründe, die seit Jahrzehnten Pauschalurlauber und Rentner anziehen: Das Wetter, die gute Erreichbarkeit und die niedrigen Lebenshaltungskosten. 180 Euro kostet ein Arbeitsplatz im CWC für einen Monat - Kaffee inklusive.

Billigflieger bringen Senioren und Softwareentwickler vom europäischen Festland in wenigen Stunden nach Las Palmas. Während die meisten Urlauber sofort in die Bettenburgen von Playa del Inglès gekarrt werden, bleiben die Digitalnomaden einfach in Las Palmas. Die Stadt mit ihren 380.000 Einwohnern - darunter 30.000 Studenten - bietet Tapasbars, Klubs, Geschäfte und eben Schreibtische in Bürogemeinschaften.

Fotostrecke

Digitale Nomaden: Wo geht's denn hier zum Strand?

Foto: Michelle Kutzner

Geht es nach Nacho Rodriguez, könnte das Image von Gran Canaria "noch cooler" werden. Die Inselregierung sieht das ähnlich und fördert deshalb Veranstaltungen wie den einwöchigen Kongress Digital Nomad City. Fast 200 Teilnehmer kamen Anfang Dezember: Programmierer, Webdesigner, App-Entwickler, Blogger - und Menschen ohne Geschäftsmodell, aber mit viel Fernweh, die sich inspirieren lassen wollten von Referenten wie Jacob Hiller.

Der 35-jährige Amerikaner reist seit Jahren mit Frau und Kind um die Welt. Acht Monate hat er als Basketballprofi in Mexiko gearbeitet, nun coacht er Nachwuchsspieler per E-Book, Youtube und Twitter. Mehr als 100.000 E-Books habe er schon verkauft, sechs Millionen Dollar verdient, sagt er. Sein größter Schatz: "200.000 E-Mail-Adressen und Tausende Freunde, Fans und Follower."

Die meisten anderen Kongressteilnehmer haben noch nicht ganz so viel vorzuweisen. Matthias Groo etwa lässt Mini-Geldbeutel in Bayern produzieren, rund 70.000 hat er weltweit übers Internet verkauft, so Groo. Vor drei Jahren hat der Nürnberger mit einem Studienfreund und 4000 Euro Eigenkapital damit angefangen, jetzt ist er mit seiner Freundin auf Weltreise und bleibt unterwegs online mit seinen Geschäftspartnern in Verbindung. Las Palmas ist für ihn nur Zwischenstation. Als Nächstes will er nach Cartagena in Kolumbien, auch so ein "Hub" für digitale Nomaden.

Die Zukunft der Arbeit liegt in der Ortsunabhängigkeit, davon sind alle auf dem Digital-Nomad-City-Kongress überzeugt. Die Kanarischen Inseln wollen davon profitieren und aus dem Fachkongress eine jährliche Veranstaltung machen. Den Weg dafür bereitet hat ein anderer Deutscher: Johannes Voelkner hat 2015 in Las Palmas erstmals Kreuzfahrten für moderne Wanderarbeiter organisiert. Im Winter geht es seither von den Kanaren in die Karibik und im Frühjahr zurück.

Auch die dritte Digital Nomad Cruise ist ausverkauft, viele Kongressteilnehmer sind an Bord. Ihre größte Sorge: 14 Tage kalter Entzug durch "digital Detox". Mitten auf dem Atlantik ist Internet nur für einen hohen Aufpreis zu haben.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.