DAK-Psychoreport 2019 Arbeitsausfälle wegen psychischer Erkrankungen verdreifacht

Deutlich mehr Menschen lassen sich wegen psychischer Erkrankungen krankschreiben, zeigt eine Untersuchung der DAK. Der Grund für die Entwicklung sei der offenere Umgang mit Seelenleiden. Die Linke widerspricht.

DAK-Psychoreport 2019: Krankmeldungen wegen Depressionen am häufigsten
Radu Bighian / EyeEm/ Getty Images

DAK-Psychoreport 2019: Krankmeldungen wegen Depressionen am häufigsten


Die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Probleme hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdreifacht. Das zeigt eine Langzeituntersuchung der DAK-Gesundheit. In ihrem "Psychoreport 2019" hat die Krankenkasse die Fehltage ihrer Versicherten seit 1997 ausgewertet.

Die Krankschreibungen von Arbeitnehmern wegen psychischer Leiden erreichten demnach im Jahr 2017 einen Höchststand. Im Schnitt fiel jeder Versicherte wegen psychischer Probleme für 2,5 Tage auf der Arbeit aus. Zwanzig Jahre vorher waren es im Schnitt nur 0,7 Krankheitstage.

Erst 2018 ging die Zahl der Fehltage wegen psychischer Leiden nach stetigem Anstieg erstmals wieder leicht zurück. Trotzdem fehlte im vergangenen Jahr jeder 18. Arbeitnehmer wegen einer psychischen Erkrankung im Job. Seelenleiden lagen bundesweit auf dem dritten Platz der Krankheitsarten.

Mehr Arbeitsstress oder offenerer Umgang mit psychischen Erkrankungen?

Die hohen Zahlen bedeuten nach Angaben der DAK nicht zwingend, dass es in der Bevölkerung generell einen Anstieg psychischer Erkrankungen gibt. DAK-Vorstandschef Andreas Storm sagt, dass die Entwicklung auch auf einen offeneren Umgang mit psychischen Problemen zurückgehe: "Vor allem beim Arzt-Patienten-Gespräch sind psychische Probleme heutzutage kein Tabu mehr." Deshalb werde auch bei Krankschreibungen offener damit umgegangen.

Die Linke verweist dagegen auch auf eine gestiegene Arbeitsbelastung als Ursache. "Arbeitsstress macht krank. Viele Beschäftigte können ein trauriges Lied davon singen. Das darf nicht heruntergespielt werden", sagte Jutta Krellmann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag. Es brauche eine Anti-Stress-Verordnung und flächendeckend Arbeitsschutzkontrollen.

Depression verursacht die meisten Ausfälle

Wie aus der DAK-Studie hervorgeht, fehlten Arbeitnehmer seit 1997 am häufigsten wegen der Diagnose Depression. Dahinter folgen sogenannte Anpassungsstörungen, die zum Beispiel nach schweren Schicksalsschlägen auftreten können, sowie neurotische Störungen und Angststörungen.

Der Studie zufolge nehmen die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen mit dem Alter kontinuierlich zu. Außerdem sind Frauen deutlich häufiger wegen Seelenleiden krankgeschrieben als Männer. Das zeigte vor Kurzem auch eine andere Studie.

Unterschiede nach Branchen und Regionen

Vor allem in der öffentlichen Verwaltung sowie im Gesundheitswesen gebe es "überproportional viele Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen".

Auch regional gibt es deutliche Unterschiede: Im vergangenen Jahr waren die Bayern mit 1,9 Fehltagen pro Versichertem am seltensten wegen psychischer Probleme krank, die Saarländer am häufigsten (3,1 Fehltage).

Für die Langzeitanalyse hat das Forschungs- und Beratungsinstitut IGES die anonymisierten Daten von rund 2,5 Millionen erwerbstätigen Versicherten ausgewertet. In der DAK-Gesundheit sind mehr als fünf Millionen Menschen versichert.

faq/dpa



insgesamt 41 Beiträge
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Profdoc1 25.07.2019
1. öffentliche Verwaltung
Sicherlich muss hier unterschieden werden, was damit genau gemeint ist, sonst endet das wieder in einem Bashing. In der Verwaltung ist das oftmal eher ein Führungsproblem, denn ein Arbeitsmengenproblem, gepaart mit Organisationsversagen.
Freidenker10 25.07.2019
2.
Wundert das jemanden? Die Arbeitsverdichtung der letzten 25 Jahre und der permanente Stress hinterlassen bei jedem irgendwann Spuren. Vielleicht können ein paar Selbständige noch nach den eigenen Kraftmöglichkeiten ihre Arbeit einteilen, aber Angestellte werden ausgepresst wo es nur geht und irgendwann gehen halt die Lichter aus! Was für seine Mitarbeiter zu tun kommt zwar langsam in Mode, aber typisch deutsch muss es halt billig sein und da nützt einem eine 1/2 Stunde Rückenmassage im Jahr dann auch nicht viel! Der Leistungsdruck erreicht im übrigen auch schon die jungen Menschen, auch dort steigen die Zahlen von psychischen Erkrankungen, sollte uns als Gesellschaft durchaus mal zu denken geben...!
zausi 25.07.2019
3. Für die Geschäftsleitung..
existiert dieses Krankheitsbild Bild nicht. In Firmen werden Anzeichen ignoriert, im Gegenteil es werden noch mehr Forderungen gestellt und Druck aufgebaut. Es ist Fakt, dass Führungspersonal erst für Unternehmen interessant sind, wenn sie alles tun was Chef/Chefin wollen und nach unten Treten. Ist eine Führungskraft zu sehr für seine/ihre Untergebenen, hat er/sie nicht lange Spaß. Deswegen sage ich immer wieder, ein Betriebsrat gehört nicht auf die Gehaltsliste der Firmen.
Frunobulax 25.07.2019
4. Effekt der Psychiatrisierung
Diese Zahlen sollten kein Wunder sein, immerhin stempeln Ärzte routinemäßig alle Patienten als "psychisch" ab bei denen sie keine andere Diagnose stellen können. Wohin das führt sieht man bei ME/CFS, was auch viele Ärzte nicht kennen: Diese schwere somatische Krankheit führt in 60% aller Fälle zur Verrentung, trift alle Altersgruppen und hat eine Prävalenz von immerhin 0.3% oder 250.000 Betroffene in DE. Fast alle ME/CFS-Patienten müssen sich jahrelang mit Depressionsdiagnosen rumschlagen und gerichtlich um Rente und Schwerbehindertenstatus kämpfen, weil Depressionen - im Gegenteil zu CFS - heilbar sind und eine gute Prognose haben...
deSelby 25.07.2019
5. Bevölkerungsdichte heute geringer als früher...
Eine angeblich zu hohe Bevölkerungsdichte von rechten Immigrationsgegnern zwar oft ins Feld geführt, ist aber faktisch im Vergleich zur alten BRD einfach nicht vorhanden: aktuell haben wir in Deutschland etwa 232 Einwohner pro Quadratkilometer, in der alten BRD waren es vor der Wiedervereinigung knapp 250 Einwohner pro Quadratkilometer...
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