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Job & Karriere

Verena Töpper

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit Frauenveräppelungsgesetz

Ein neues Gesetz soll dafür sorgen, dass Frauen künftig so viel wie Männer verdienen. Es greift ab Samstag, aber es greift zu kurz - und wird rein gar nichts ändern.

Egal wie man kalkuliert und selbst wenn man alle nur denkbaren Einflussmöglichkeiten herausrechnet, steht am Ende immer ein Ergebnis: Es gibt in Deutschland keine gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit. Frauen verdienen auf den gleichen Positionen durchschnittlich immer noch sechs Prozent weniger als Männer. Und keine Branche ist von diesem Missstand ausgenommen.

Sechs Jahre nachdem die SPD-Fraktion den ersten Entwurf dazu vorgelegt hatte, gibt es nun endlich ein Gesetz zur Lohngerechtigkeit. Der Name könnte bürokratischer kaum sein: Entgelttransparenzgesetz. Jeder soll erfahren können, was die Kollegen verdienen. Das ist ein logischer Schritt zu mehr Gerechtigkeit: Nur wer weiß, dass er diskriminiert wird, kann aktiv werden. Aber leider ist das Gesetz nur ein Papiertiger. Verbessern wird es nichts.

Einen Auskunftsanspruch haben nämlich nur Frauen und Männer, die in einem Betrieb mit mindestens 200 Angestellten arbeiten - und die mindestens sechs Kollegen des jeweils anderen Geschlechts haben, die einen gleichwertigen Job ausüben wie sie selbst. Aber was ist schon gleichwertig?

Wenn der Chef die Frau abspeist - Pech gehabt

Für Arbeitgeber wird es leicht sein, sich hier herauszuwinden: Der Herr Meier trägt doch mehr Verantwortung! Und der Herr Schmidt hat schließlich mehr Kundenkontakt!

Selbst wenn eine Frau es schafft nachzuweisen, dass sechs Männer den gleichen Job machen wie sie selbst, erfährt sie nur einen Mittlerwert. Genauer gesagt, den Median der Gehälter. Das heißt: Wenn drei exorbitant verdienen und drei weitere unterdurchschnittlich wenig, bildet das noch immer nicht mögliche Gehaltsexzesse ab. Das sieht sogar das Familienministerium so. In deren Leitfaden für Arbeitgeber  heißt es dazu: Mit der Ermittlung des Medians sei "noch keine Entgeltdiskriminierung belegt".

Was passiert nun also, wenn eine Frau dank des neuen Gesetzes herausfindet, dass ihr Gehalt niedriger ist als der Median der Kollegen? Erst mal gar nichts!

Sie kann den Chef darauf ansprechen, klar. Wenn der sie abspeist - Pech gehabt. Dann kann sie sich höchstens auf das Allgemeine Geichbehandlungsgesetz berufen und eine Klage vor Gericht anstreben. Wie aussichtsreich so etwas ist, hat vor einem Jahr der Fall einer ZDF-Reporterin gezeigt. Sie wollte ihren Arbeitgeber dazu zwingen, ihr genauso viel zu zahlen wie ihren männlichen Kollegen - und musste sich vom Richter anhören, die Kollegen hätten eben einfach besser verhandelt. "Das nennt man Kapitalismus", belehrte er sie.

In Island wurde auch gerade ein Gesetz zur Lohngleichheit verabschiedet. Dort müssen Frauen jetzt nicht mehr von sich aus nachforschen, ob sie schlechter bezahlt werden. Stattdessen ist es ab sofort Pflicht der Unternehmen, eine faire Bezahlung zu dokumentieren - und zwar bei einer Firmengröße ab 25 Mitarbeitern. Das wäre auch für Deutschland der richtige Weg.

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