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08. August 2011, 09:17 Uhr

Das Vortrags-Einmaleins

Jetzt rede ich!

Alle Augen sind auf Sie gerichtet. Sie sollten jetzt mit Ihrer Rede anfangen. Ja, genau jetzt. Aber wie fängt man das Publikum ein und verhindert, dass es nach wenigen Minuten wegdämmert? Management-Berater Rüdiger Klepsch hat einige Tipps parat.

Wer gut reden kann, erfreut, überzeugt, begeistert und erobert Sympathien. Chancen dafür gibt es genug. Häufig kann man sich drücken - manchmal jedoch gibt es kein Entrinnen. Sei es, dass man neu in der Verantwortung für ein Team ist, Mitarbeiter von einem Projekt überzeugen muss oder einfach Ergebnisse klar darstellen möchte.

Es lohnt sich einfach, dabei eine gute Figur abzugeben. Ein paar Tricks genügen - hier kommt das kleine Vortrags-Einmaleins.

Zunächst einmal: keine Präsentation, kein Statement, keine Rede ohne Ziel! Nur die Erfahrensten können aus dem Stand ohne Vorbereitung eine gute Rede halten. Aber selbst sie machen sich kurz vorher klar, was ihr Ziel ist und wie sie es erreichen. Darauf konzentrieren sie sich, während sie sprechen.

Weniger erfahrene Redner brauchen mehr Zeit zur Vorbereitung und Planung der "Dramaturgie". Das gilt selbst für den langweiligsten Projektbericht.

Bloß keine Floskeln

Am wichtigsten sind die ersten Sekunden, denn da entscheidet sich, ob Ihr Publikum sich für Ihren Vortrag interessiert. Wer eine Rede beginnt mit langatmigen Begrüßungen oder Floskeln wie: "Ich freue mich, dass Sie so zahlreich …", vergibt sich die Chance auf Zuhörer. Auch Aussagen, mit denen Sie sich selbst herabsetzen ("Entschuldigen Sie bitte mein ungeübtes Auftreten…") sind ein No-No.

Die bewährteste Form ist, Fragen zu stellen. Aber bitte kurz und kompakt. Fragen Sie auf provokante oder ungewöhnliche Weise - und vermeiden Sie ähnliche Formulierungen. Ausnahme: wenn Sie am Anfang und am Ende des Vortrags bewusst denselben Akzent setzen wollen, um dem Publikum etwas vor Augen zu führen.

Besser ist es, Sie machen deutlich, was Ihr persönlicher Bezug zum Thema ist, etwa wie es sich entwickelt hat: "Ich bin froh und stolz, hier die Projektergebnisse darstellen zu können. Ich erinnere mich an den Anfang des Projekts und an die vielen Zweifel und Widerstände…". Setzen Sie in diesen Fällen Ihre Stimme (Betonung, Geschwindigkeit, Lautstärke), Ihre Gestik und Ihre Mimik ein. Aber Achtung: Es muss zu Ihrer Person passen, sonst wirkt es aufgesetzt - und stört.

Kontakt schaffen und halten, kein Radarblick

Jetzt heißt es Kontakt halten: Erst wenn Sie jemandem mindestens zwei, drei Sekunden in die Augen blicken, entsteht eine Verbindung. Also kein "Radarblick", der ohne Unterbrechung über das Auditorium schweift - verharren Sie beim ersten Zuhörer, schwenken weiter und verharren, zum nächsten...

Sehr aktivierend ist immer Interaktion mit den Zuhörern. Das ist zwar nicht bei jeder Rede möglich, doch wo immer es angebracht ist: Sprechen Sie direkt mit einzelnen im Publikum. Lassen Sie auch Zwischenfragen zu. Sie können das Publikum zudem aktivieren, indem Sie etwa um Handzeichen bitten oder eine kleine Übung am Platz integrieren. Je besser Sie das Publikum einbinden, desto enger wird der Kontakt. Allerdings gilt auch hier: Derlei Aktionen müssen zum Thema passen. Falls Sie Gefallen daran finden: Mehr als drei solcher Elemente sollte Ihr Vortrag keinesfalls enthalten.

Manche Menschen sind fähig, schier endlose Sätze fehlerfrei zu sprechen. Vermeiden Sie diesen Thomas-Mann-Stil und kultivieren Sie den Ernest-Hemingway-Stil: Schonen Sie Ihre Zuhörer. Sprechen Sie in kurzen Sätzen - und Hauptsachen in Hauptsätzen.

Einfache Worte erzeugen mehr Bilder als komplexe, zusammengesetzte oder aus Fach- und Fremdsprachen stammende. Und Sie wollen schließlich mentale Bilder hervorrufen. Bildhaftigkeit hilft, Informationen zu bündeln und abzuspeichern. Wollte man all dies in Worten ausdrücken, bräuchte man nicht nur mehr Zeit - es würde auch viel mehr Konzentration seitens der Zuhörer verlangen.

Fall es nicht gelingt, die Aufmerksamkeit zu halten, falls zunehmend Gemurmel und Nebengespräche entstehen: niemals versuchen, gegen eine plaudernde Masse anzureden; besser pausieren, bis alle still sind. Ebenfalls hilfreich: Etwas Rätselhaftes auf das Flipchart malen oder sogar das Gemurmel in das Thema einbauen - "mir ging es im Projektverlauf wie Ihnen jetzt: Alles lief, es wurde langweilig, wir wurden nachlässig und verloren den Fokus. Aber genau dann geschah es…".

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