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Studie zu Frauen in Dax-Unternehmen Topmanagerinnen verdienen mehr als männliche Kollegen

Der Frauenanteil in den Topetagen der deutschen Wirtschaft ist gering - und nimmt derzeit sogar ab. Finanziell läuft es für viele weibliche Führungskräfte laut einer Auswertung des Beratungsunternehmens EY aber gut.
Belen Garijo: Die künftige Chefin des im Dax notierten Pharmakonzerns Merck gehört zu den Topmanagerinnen in Deutschland

Belen Garijo: Die künftige Chefin des im Dax notierten Pharmakonzerns Merck gehört zu den Topmanagerinnen in Deutschland

 

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Bernd Hartung

Die Führungsetagen deutscher Großunternehmen sind immer noch männlich dominiert. Das Beratungs- und Prüfungsunternehmen EY untersucht jährlich, wie es mit der Bezahlung von Topmanagern aussieht – und förderte Erstaunliches zutage: Erstmals wurden weibliche Vorstandsmitglieder in allen Börsenindizes der Dax-Familie, die die größten deutschen Unternehmen auflisten, besser bezahlt als ihre männlichen Kollegen.

Als einen wichtigen Grund nannte EY-Experte Jens Massmann das wachsende Bestreben der Unternehmen, Frauen für ihr oberstes Führungsgremium zu gewinnen. Da Kandidatinnen knapp seien, erhöhe sich ihr Marktwert und damit auch ihr Salär. In der obersten Börsenliga der 30 Dax-Konzerne verdienten Vorstandsfrauen im vergangenen Jahr demnach im Schnitt etwa 2,93 Millionen Euro und damit im Mittel rund 30.000 Euro mehr als die männlichen Topmanager. Frauen werden den Angaben zufolge dort seit vier Jahren durchschnittlich besser bezahlt.

Frauenanteil in der Chefetage nimmt wieder ab

Bei den 60 Firmen im MDax, den nach Marktkapitalisierung und Orderbuchumsatz nächstgrößeren Unternehmen nach den Dax 30, war das Gehalt der Topmanagerinnen mit 1,44 Millionen Euro im Schnitt um etwa 115.000 Euro höher. Im SDax, der die 70 auf den MDax folgenden Unternehmen abbildet, lagen erstmals seit Beginn der Untersuchung im Jahr 2013 Frauen beträchtlich vorn. Ihre durchschnittliche Gesamtdirektvergütung fiel mit rund 1,07 Millionen Euro etwa sieben Prozent höher aus als die der männlichen Vorstandsmitglieder.

Allerdings nimmt der Frauenanteil in den Topetagen erstmals wieder ab: Zum Stichtag 1. September 2020 saßen in den 30 Dax-Konzernen nur noch 23 Managerinnen im Vorstand, wie aus einer Untersuchung der gemeinnützigen AllBright-Stiftung  hervorgeht. Vor einem Jahr waren es noch 29 gewesen. Der Anteil weiblicher Führungskräfte im Vorstand sank von 14,7 auf 12,8 Prozent. Im MDax sind es EY zufolge sieben Prozent und im SDax fünf Prozent.

Bei den CEOs sieht es ganz anders aus

Die in allen Indizes fast durchgängig männlichen Vorstandschefs wurden bei dem Vergleich allerdings nicht berücksichtigt – sie werden als separate Kategorie betrachtet. Ihre zum Teil sehr hohen Gehälter würden das Verhältnis allerdings stark verändern, wenn man sie in die Rechnung mit aufnähme.

Männer und Frauen kann man bei Dax-CEOs tatsächlich nicht vergleichen – weil es in Deutschland schlicht keine einzige Frau an der Spitze der größten Konzerne gibt. Erst im Frühjahr 2021 übernimmt Belen Garijo als erste Alleinchefin einen Dax-Konzern, das Pharmaunternehmen Merck. Zuvor war beim Softwareriesen SAP mit Jennifer Morgan bereits eine Frau an der Spitze gewesen, allerdings gemeinsam mit einem männlichen Kollegen; Morgan hatte sich dort allerdings kein Jahr halten können.

Topverdiener unter den amtierenden Dax-Chefs war laut einer Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München  VW-Chef Herbert Diess (61) mit 9,9 Millionen Euro. Dahinter folgten Merck-Chef Stefan Oschmann (62) mit 8,5 Millionen und Siemens-Chef Joe Kaeser (63) mit 7,2 Millionen.

Insgesamt sank EY zufolge das Gehalt der Vorstände 2019 das zweite Jahr in Folge. Es verringerte sich über alle Unternehmen der Dax-Familie im Schnitt um 4,6 Prozent auf rund 1,99 Millionen Euro. »Die schwierige konjunkturelle Lage hat im vergangenen Jahr – also bereits vor der Corona-Pandemie – zu deutlichen Gehaltseinbußen bei den Topmanagern geführt«, erläuterte EY-Experte Massmann. Im Jahr 2018 hatte es demnach bereits einen Rückgang von 0,5 Prozent gegeben. Für 2020 rechnet Massmann Corona-bedingt mit weiter sinkenden Vergütungen.

Während sich die weiblichen Vorstände im Jahr 2018 noch gegen den Abwärtstrend stemmen konnten, sank ihre Vergütung mit minus 5,9 Prozent im Jahr darauf stärker als die der Männer (minus 3 Prozent). Die Gesamtdirektvergütung setzt sich zusammen aus dem Grundgehalt, Jahresboni und langfristigen Bestandteilen, die in dem Jahr gewährt wurden.

mh/dpa
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