Frauen in Dax-Vorständen Topmanagerinnen verdienen deutlich mehr als männliche Kollegen

In Vorständen deutscher Großkonzerne dominieren Männer. Ihre Kolleginnen dürfen sich trotzdem freuen - ihre Gehälter sind laut einer Studie deutlich höher. Die Rechnung klammert allerdings wichtige Zahlen aus.

Adaire Rita Fox-Martin, im Vorstand von SAP
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Adaire Rita Fox-Martin, im Vorstand von SAP


Frauen sind in den Vorständen deutscher Großkonzerne selten - aber wenn sie es bis an die Spitze schaffen, verdienen sie deutlich mehr als ihre männlichen Kollegen. Das hat die Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) berechnet. Demnach liegt die Vergütung der Managerinnen im Mittel um 26,7 Prozent höher als die der Manager, das macht einen Gehaltsunterschied von durchschnittlich 120.000 Euro im Jahr aus.

Die Direktvergütung weiblicher Vorstände in den größten deutschen börsennotierten Unternehmen lag damit im vergangenen Jahr im Durchschnitt bei 2,27 Millionen Euro. Diese Entwicklung folgt einem Trend: Bereits seit 2015 verdienen Topmanagerinnen überdurchschnittlich. 2017 lag der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen noch bei 16,8 Prozent.

Männer geben in Großkonzernen allerdings weiter den Ton an. Im ersten Halbjahr dieses Jahres gab es 61 Frauen in den Vorständen der 160 Unternehmen, die in den drei Börsenindizes Dax, MDax und SDax gelistet sind. Ihnen saßen 640 Männer gegenüber. Frauenquote: 8,7 Prozent. Der Anteil der Unternehmen mit einem weiblichen Chef (CEO) liegt sogar bei gerade einmal 1,9 Prozent. Im Dax 30 wurde erst jüngst mit SAP-Co-Chefin Jennifer Morgan eine erste Frau an die Spitze berufen.

CEOs ausgeklammert - Ergebnis verzerrt

Vorstandschefs hat EY daher in der Studie gleich ganz ausgeklammert - und verzerrt damit das Ergebnis. Da CEOs deutlich höhere Gehälter erzielen als andere Vorstandsmitglieder, wäre der Gehaltsvorsprung der Frauen damit wohl dahin. So erhielt etwa im Dax ein Vorstandsvorsitzender im Jahr 2018 eine durchschnittliche Gesamtdirektvergütung von 5,39 Millionen Euro, während die anderen Vorstandsmitglieder 2,96 Millionen Euro erhielten.

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Weibliche Vorstände hängen männliche Kollegen ab: Das sind die Topverdienerinnen im Dax

Jens Massmann von EY erklärt die Gehaltsunterschiede damit, dass Frauen als Topmanager vor allem unter den 30 Dax-Unternehmen begehrt sind. "Da geeignete Kandidatinnen knapp sind, steigt ihr Marktwert und damit auch ihre Vergütung", heißt es in der Studie.

Seit 2016 sind die Konzerne gesetzlich verpflichtet, eine Frauenquote von 30 Prozent in den Aufsichtsräten einzuhalten. Für die Vorstände gilt keine solche Vorschrift, aber die Unternehmen müssen sich selbst Ziele setzen und öffentlich machen. Ein großer Teil der Unternehmen reagiert darauf, indem er offiziell 0 Prozent Frauen im Vorstand anpeilt. Die anderen jedoch müssen sich doppelt auf die Suche nach Kandidatinnen begeben: für den Aufsichtsrat, um die gesetzliche Quote zu erfüllen, und für den Vorstand wegen des selbst gesetzten Ziels.

Insgesamt mussten die Manager deutscher Großkonzerne im vergangenen Jahr Gehaltseinbußen hinnehmen. Im Durchschnitt bekamen die Vorstände 2,09 Millionen Euro, also ein halbes Prozent weniger als ein Jahr zuvor. 2013, im ersten Jahr der Erhebung, hatten sie 30.000 Euro mehr verdient. Die Frauen in den Vorständen erhielten dagegen im Schnitt 6,5 Prozent mehr.

lmd/Reuters

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