In Kooperation mit

Job & Karriere

"So einfach wie möglich" Bahn erlaubt Bewerbung ohne Bewerbungsschreiben

Lebenslauf und Zeugnisse reichen: Angehende Azubis müssen künftig kein Anschreiben mehr formulieren, wenn sie sich bei der Deutschen Bahn bewerben. Für Schüler sei das einfach zu schwierig.
Zugbegleiterin (Archiv)

Zugbegleiterin (Archiv)

Foto: Christoph Schmidt/ picture alliance / dpa

Wer sich für eine Stelle bewirbt, zerbricht sich oft tagelang den Kopf darüber, wie er die eigene Motivation, seine Fähigkeiten und sein Talent am besten zum Ausdruck bringen kann. Damit ist jetzt Schluss - zumindest für viele, die bei der Deutschen Bahn eine Ausbildung machen wollen.

Das Unternehmen will bei angehenden Azubis künftig auf das Bewerbungsschreiben verzichten. Ab Herbst soll es möglich sein, über eine Onlineplattform nur noch Lebenslauf und Zeugnisse einzureichen. "Wir wollen es den Bewerbern so einfach wie möglich machen", sagte Personalerin Carola Hennemann. Der Konzern will dieses Jahr etwa 19.000 Mitarbeiter einstellen, darunter 3600 Auszubildende.

In den nächsten Jahren gehen bei der Deutschen Bahn Tausende Mitarbeiter in Rente. Etwa die Hälfte der Belegschaft wird den Konzern in den kommenden zehn Jahren aus Altersgründen verlassen, wie das Unternehmen erklärt. Neben IT-Experten oder Ingenieuren sucht die Bahn auch Leute, die Lokführer oder Fahrdienstleiter werden wollen.

"Für Schüler ist so ein Motivationsschreiben schon schwierig", sagte Hennemann, die die Personalgewinnung in Baden-Württemberg leitet und bundesweit für die Einstellung von Ingenieuren zuständig ist. "Wir prüfen die Motivation der Bewerber sowieso nochmal in einem Gespräch ab."

Dass kein Anschreiben mehr hochgeladen werden muss, soll für Bewerber gelten, die 2019 als Azubis anfangen wollen. Der Staatskonzern prüft, bei welchen Berufsgruppen es noch sinnvoll ist auf ein Anschreiben zu verzichten. "Wir schauen, welche Erfahrungen wir damit machen", sagte ein Bahnsprecher.

Video: Eine Woche als Schaffner

NDR

Nicht nur die Bahn steht vor einer Pensionierungswelle, auch andere Unternehmen oder öffentliche Verwaltungen suchen Leute. Sie konkurrieren zum Beispiel um Ingenieure. Einen Engpass gibt es auch bei Lokführern. Hier bemühen sich der Staatskonzern Bahn und seine privaten Wettbewerber seit geraumer Zeit stärker um Nachwuchs.

Denn beim Fernverkehr steht die Bahn auch vor einer Herausforderung: Union und SPD fordern in ihrem Koalitionsvertrag, dass im Jahr 2030 rund 280 Millionen Fahrgäste in den Schnellzügen unterwegs sind. Das wären doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Der Konzern selbst hatte sich 180 Millionen zum Ziel für 2030 gesetzt.

Bisher hat die Bahn für etwa 12.000 von 19.000 Stellen in diesem Jahr Mitarbeiter gefunden, 10.000 davon haben nach Angaben des Bahnsprechers bereits ihre Arbeit begonnen. "In Regionen, in denen wir Vollbeschäftigung haben, ist die Suche natürlich schwieriger, in Bayern und Baden-Württemberg zum Beispiel", sagt Hennemann.

Seit Längerem nutzt die Bahn intern auch einen Bonus zur Personalsuche: Wirbt ein Mitarbeiter einen neuen Kollegen, bekommt er 1500 Euro. Die Bahn sucht heute auch stärker im Ausland als früher. "Aus Spanien und Griechenland haben wir schon Ingenieure nach Baden-Württemberg geholt", sagt Hennemann. "Und wir haben für die S-Bahn in Stuttgart auch schon Lokführer aus Kroatien eingestellt." Die Bahn schult auch Quereinsteiger um. "Da hat man auch Ü-50 noch die Chance, eine neuen Weg einzuschlagen."

In Hamburg etwa setzt die Bahn auf ältere Bewerber, auf Studienabbrecher, ehemalige Soldaten und Schulabgänger. Alle haben laut Angaben des Konzerns die gleichen Jobchancen. Etwa 14 Prozent der neuen Mitarbeiter des vergangenen Jahres seien beispielsweise über 50 Jahre alt.

kha/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.