Altes Konzept reloaded Deutsche Bahn will wieder Werkswohnungen bauen

Die Deutsche Bahn will ihren Mitarbeiten helfen, eine Wohnung zu finden - und dafür unter anderem Flächen in Konzernbesitz bebauen. Baureif ist bisher allerdings keines der Grundstücke.

Mitarbeiter der Deutschen Bahn im Hauptbahnhof Hannover
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Mitarbeiter der Deutschen Bahn im Hauptbahnhof Hannover


Der größte deutsche Staatskonzern hat eine "Wohnraumoffensive" gestartet: Die Deutsche Bahn will ihren Mitarbeitern künftig dabei helfen, bezahlbaren Wohnraum zu finden - und sie will selbst Wohnungen bauen.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, haben die Eisenbahner vor allem in den Städten Probleme, eine passende Unterkunft zu finden. "Bezahlbare Mieten sind für unsere Mitarbeiter ein großes Thema geworden", sagte Personalvorstand Martin Seiler der Zeitung.

Bei der Offensive, die der Konzern am Freitag in München vorstellen will, soll es unter anderem um Grundstücke und Immobilien gehen, die sich in Bahn-Besitz befinden. Der Konzern will solche Grundstücke dem Bericht zufolge künftig anders nutzen - beispielsweise, um dort Wohnraum zu schaffen.

Eisenbahnersiedlungen gab's schon mal

Damit rollt das Unternehmen ein altes Konzept neu auf: Bis in die Siebzigerjahre hinein baute die Bahn Zehntausende Werkswohnungen für ihre Mitarbeiter. Im Laufe der Zeit wurden viele dieser Wohnungen wieder verkauft, zum Beispiel an Immobilienkonzerne.

Von den Grundstücken, auf denen in Zukunft Wohnungen der Bahn entstehen könnten, ist derzeit allerdings keines baureif. Deswegen führt das Unternehmen auch Gespräche mit Kommunen. Es geht um die Frage, wie sich etwa Park&Ride-Flächen erweitern oder bebauen ließen. Pendler müssten sich jedoch keine Sorgen machen, sagte Personalvorstand Seiler der Zeitung: "Wir wollen keinem Pendler den Parkplatz wegnehmen."

Die Deutsche Bahn gehört zu den größten Arbeitgebern des Landes. Sie zahlt nach Tarif, doch die Mitarbeiter verdienen häufig nicht genug, um eine Wohnung zu finden, die sie sich leisten können. Das gilt insbesondere für Auszubildende. Auch diese will der Konzern dem Bericht zufolge künftig stärker unterstützen und Mieten monatlich mit bis zu 350 Euro bezuschussen.

nil/dpa



insgesamt 34 Beiträge
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so-long 10.07.2019
1. Dann sollte
die DB höhere Gehälter zahlen, anstatt sich im Wohnungsmarkt zu tummeln. Das dadurch fehlende Kapital für die eigentlichen Bahnzwecke soll dann von der Allgemeinheit aufgebracht werden?
OberstSL 10.07.2019
2. Na endlich...
...Hoffentlich ist das nur der Anfang und andere ziehen nach.
unpolit 10.07.2019
3. Erst überlegen...
Zitat von so-longdie DB höhere Gehälter zahlen, anstatt sich im Wohnungsmarkt zu tummeln. Das dadurch fehlende Kapital für die eigentlichen Bahnzwecke soll dann von der Allgemeinheit aufgebracht werden?
Wir brauchen Bahnmitarbeiter in HotSpots des Mietmarktes. Die sollten, auch wegen der Arbeitszeiten, in der Nähe wohnen können. Was hilft es, wenn die Tarife für ALLE, auch die in Hintertupfingen, um einen kleinen Beitrag angehoben werden? Denen im Hotspot ist damit immer noch nicht geholfen. Übrigens, auch der geldwerte Vorteil einer Werkswohnung ist zu versteuern.
Freidenker10 10.07.2019
4.
Gut so! Der Rückzug der großen Unternehmen aus der sozialen Verantwortung kann rückgängig gemacht werden, auch wenn die Aktionäre dann ein paar Cent weniger erhalten. Früher war es doch normal das sich große Arbeitgeber um ihre Angestellten gekümmert haben, aber dann ist alles dem Shareholder Value geopfert worden. Wäre wirklich schön wenn wir ein paar "Errungenschaften" der Moderne zurückdrehen könnten!
nici_d 10.07.2019
5. Armutszeugnis der Tarifparteien
Zitat: "... zahlt nach Tarif, aber die Mitarbeiter verdienen häufig nicht genug …" Vielleicht sollten Betriebsräte und Gewerkschaften mal ihre Hausaufgaben machen? Die sind mit schuld daran, dass Deutschland zum Niedriglohnland wird, bei Steuern und Abgaben aber spitze ist.
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