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Lokführermangel Personal fehlt - Bahn-Verspätungen weiter garantiert

Verspätungen, Zugausfälle: hinter den großen Problemen der Bahn steckt auch Personalmangel. Das Unternehmen will gegensteuern - und wirbt um Quereinsteiger.
Die Deutsche Bahn will über 20.000 neue Mitarbeiter einstellen, darunter allein rund 2000 Lokführer

Die Deutsche Bahn will über 20.000 neue Mitarbeiter einstellen, darunter allein rund 2000 Lokführer

Foto: Silas Stein/ DPA

Wegen des massiven Personalmangels bei der Deutschen Bahn wird es voraussichtlich auch in Zukunft zu Zugausfällen und Verspätungen im laufenden Betrieb kommen. Das Unternehmen will allein in diesem Jahr 2000 neue Lokführer anstellen, bestätigte ein Sprecher dem SPIEGEL. "Wir stellen massiv ein, um unsere Kapazitäten zu erhöhen", sagte der Sprecher.

Zuletzt war es immer wieder zu teils langen Ausfällen von Verbindungen gekommen, weil das Personal fehlte. So mussten im vergangenen Herbst Pendler in Schleswig-Holstein für mehrere Wochen auf Busse umsteigen, die "Kieler Nachrichten" berichteten . Im Februar dieses Jahres traf es dann Berlin und Brandenburg: Dort fielen an einem Wochenende viele Regionalzüge aus, weil sich nach Berichten des "Tagesspiegels"  zu viele Lokführer gleichzeitig krankgemeldet hatten.

"Die Bahn hat über Jahrzehnte hinweg Personal abgebaut. Das ist die Konsequenz", sagte Gerda Seibert von der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer dem SPIEGEL. Das Durchschnittsalter der Lokführer ist hoch - laut Unternehmen 46,4 Jahre - das Problem werde sich in den nächsten Jahren somit voraussichtlich noch verschlimmern. Deutschlandweit fehlten schon jetzt etwa 1500 Lokführer, nicht nur bei der Deutschen Bahn, sondern auch bei Mitbewerbern oder im öffentlichen Nahverkehr.

Doch die Rekrutierung von Nachwuchs gestaltet sich offenbar schwierig. Besonders der Schichtdienst schrecke junge Menschen davon ab, Lokführer zu werden, so Seibert. Auch die psychische Belastung sei wegen vieler Suizidversuche auf Bahnstrecken hoch. "Die Personaldecke ist so dünn, dass Ausfälle nicht mehr aufgefangen werden können", so Seibert. Das erkläre auch, warum Züge gestrichen würden, sobald sich mehrere Lokführer gleichzeitig krankmeldeten.

Um den Personalmangel auszugleichen, setzt die Bahn deswegen nun auch gezielt auf Quereinsteiger. "Wer bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung hat, kann bei uns unkompliziert umlernen", so ein Unternehmenssprecher. Diese Umschulung dauert im Gegensatz zur dreijährigen Ausbildung nur zehn bis zwölf Monate.

Die Bahn werbe deswegen auch bei Unternehmen in anderen Branchen, die Arbeitsplätze abbauen. So suche die Deutschen Bahn mit ihren Angeboten zum Beispiel bei Ford nach neuen Kräften. Der Autokonzern baut am Kölner Standort einige Tausend Stellen ab. Auch bei der Ruhrkohle AG habe sich die Bahn mit ihren Jobmöglichkeiten schon den dortigen Mitarbeitern vorgestellt.

Der Fachkräftemangel mache sich auch bei der Bahn bemerkbar. Der unorthodoxe Wettbewerb um Fachkräfte führt auch zu neuen Werbemethoden. In den kommenden Wochen etwa werden DB-Mitarbeiter in Wohnwagen für mehrere Wochen durch Deutschland reisen. Sie sollen vor Ort für die Berufsmöglichkeiten bei der Deutschen Bahn werben - Interessierte können dort Bewerbungsgespräche führen und sollen eine direkte Rückmeldung erhalten.

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes wurde das Durchschnittalter der Lokführer mit "mehr als 50" Jahre angegeben. Wir haben die Zahl korrigiert.

lmd/dpa
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