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05. November 2013, 10:02 Uhr

Studie in 60 Ländern

Deutsche rutschen bei Englischkenntnissen ab

Von Helene Endres

Die Deutschen verlieren bei ihren Fremdsprachenkenntnissen den Anschluss. Eine aktuelle Studie zeigt, dass Skandinavier, aber auch Polen und Österreicher besser Englisch sprechen als die Menschen hierzulande. Und gerade Staaten, die von der Wirtschaftskrise betroffen sind, holen auf.

"Equal goes it loose" und "You can say you to me", ja, so spricht der Germane Englisch, und so lacht die Welt darüber. Die Deutschen haben seit Lübke und Co. ihr englisches Sprachniveau verbessert - allerdings nur mäßig. Dies zeigt der sogenannte EF English Proficiency Index (EF EPI), der das Englischniveau von fünf Millionen Erwachsenen in 60 Ländern weltweit vergleicht und an diesem Dienstag veröffentlicht wird. Erstellt hat ihn die internationale Sprachschule EF.

Die Deutschen belegen in der Auswertung einen traurigen 14. Platz - abgehängt von ihrer europäischen Nachbarschaft. In der letzten Erhebung 2012 reichte es noch zu Platz neun. Now we've got the salad.

Die Streber im Englischunterricht sind demnach Schweden (Platz 1), Norwegen (2), die Niederlande (3) und Estland (4). Auch in Österreich (6) und Polen (8) wird besser Englisch gesprochen als hierzulande.

But sponge over, denn hier kommt die gute Nachricht: Nach Bewertungspunkten haben sich die Englischkenntnisse der Deutschen in den vergangenen sechs Jahren leicht verbessert - die der anderen Länder aber einfach noch mehr. "Deutschland ist bereits auf einem guten Englischniveau. Allerdings gibt es Regionen, die wesentlich größere Zuwächse vorweisen können. Besonders Länder, die stärker von der Krise betroffen sind, wie Spanien und Portugal, haben im vorigen Jahr einen größeren Sprung gemacht. Deutschland nicht", so EF-Geschäftsführer Niklas Kukat.

Der Trend, Englisch vor allem dann zu lernen, wenn man dem eigenen Land entwachsen will oder muss, ist eindeutig. Das zeigt sich nicht nur in den Krisen- und Schwellenregionen Europas, sondern weltweit. Und freut natürlich die Sprachschulen vor Ort.

"Wir erleben besonders in den kleineren Ländern, wie ambitioniert sich die Jugend für Bildung interessiert, um eine internationale Karriere voranzutreiben. Entsprechend investieren die Menschen dort mehr in ihre Sprachkenntnisse", so Kukat. Was ihm ebenfalls auffällt: Dass der Reichtum eines Landes mit guten Englischkenntnissen korreliert. Ob bessere Englischkenntnisse zu großem Reichtum verhelfen oder es nicht vielleicht doch umgekehrt ist, dass also ein reiches Land eher in Bildung investiert, bleibt Interpretationssache.

Die Entwicklungen im Einzelnen:

Europa:

Unter den weltweiten Top Ten finden sich nur europäische Länder - und nur kleine. Ihre geringe Größe zwingt sie zu einer internationalen Ausrichtung und damit verbunden zu einer zunehmenden Professionalisierung der Englischkenntnisse, um auf dem Weltmarkt zu bestehen.

Absolutes Schlusslicht in Europa ist Frankreich. Es liegt mit Platz 35 im weltweiten Vergleich hinter Russland (Platz 31) oder Südkorea (24). Der Wert der Franzosen nahm im vergangenen Jahr sogar noch ab. Die EPI-Ergebnisse überraschen nicht: Die Europäische Kommission überprüfte 2012 europaweit Teenager auf ihre Fremdsprachenkenntnisse und stellte auch bei französischen Schülern durchgängig ein unterdurchschnittliches Englischniveau fest.

Lateinamerika:

Über die Hälfte der Länder des Kontinents sind in der schwächsten Gruppe. Brasilien, Peru, Kolumbien, Venezuela und Chile haben sich im letzten Jahr verbessert, aber reichen noch nicht an ein Sprachniveau heran, das sie im internationalen Wettbewerb vorwärts bringt.

Asien:

Die meisten asiatischen Länder haben ihre Kompetenz weiter ausgebaut, vor allem die kleineren Länder liegen im Plus, verglichen mit den Vorjahren. Japan und Südkorea fallen hingegen zurück.

Arabien und Mittlerer Osten:

In Nordafrika und im mittleren Osten finden sich die schlechtesten Englischsprecher. Die Vereinigten Arabischen Emirate sind mit Platz 36 der beste Vertreter der Region - Algerien, Saudi Arabien und der Irak bilden die Dreierkette der Verlierer auf den Plätzen 58, 59 und 60.

Das Länderranking ist zum dritten Mal erschienen und basiert auf Testergebnissen von 750.000 Erwachsenen aus 60 Ländern im Jahr 2012. Für die Analyse der Entwicklung des Englisch-Sprachniveaus von 2007 bis 2012 wurden weltweit standardisierte Tests von mehr als fünf Millionen Erwachsenen ausgewertet. Alle haben eine nicht-englische Muttersprache.

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