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Frauen in Führungspositionen Unternehmerfamilien bevorzugen Söhne als Chefs

71 der 100 größten deutschen Familienunternehmen werden von Männern geleitet. In Firmen, die in Familienbesitz sind, spielen Frauen kaum eine Rolle, zeigt eine Studie - selbst Töchter kommen nicht zum Zug.
"Papa sagt, ich soll die Firma übernehmen": Die größten deutschen Familienunternehmen sind fest in Männerhand

"Papa sagt, ich soll die Firma übernehmen": Die größten deutschen Familienunternehmen sind fest in Männerhand

Foto: Martin Dimitrov/ E+/ Getty Images

Der Chef heißt Thomas oder Michael. Das gilt für 34 der 100 größten Familienunternehmen in Deutschland. In ihren Geschäftsführungen gibt es sogar mehr Thomasse und Michaels als Frauen. Nur knapp sieben Prozent der Mitglieder in den Geschäftsführungen der größten deutschen Familienunternehmen sind weiblich. 71 der 100 Firmen werden ausschließlich von Männern geleitet.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der deutsch-schwedischen AllBright Stiftung über die Zusammensetzung der Geschäftsführungs- und Kontrollgremien der 100 umsatzstärksten deutschen Familienunternehmen, die an diesem Mittwoch erscheint. Das Fazit der Autoren: "Das Führungsverständnis erscheint zuweilen so alt wie die Unternehmen selbst."

Westdeutsche Wirtschaftswissenschaftler Mitte Fünfzig

Mehr als die Hälfte der 100 untersuchten Firmen sind mehr als 100 Jahre alt, die meisten werden von angestellten Geschäftsführern oder gemeinsam von Familienmitgliedern und externen Managern geleitet - die sich aber erstaunlich ähnlich sind: Das durchschnittliche Geschäftsführungsmitglied ist männlich, Mitte der Sechzigerjahre in Westdeutschland geboren und hat Wirtschaftswissenschaften studiert.

Insgesamt 43 Familienmitglieder arbeiten in den Geschäftsführungen der 100 größten Familienunternehmen - nur drei von ihnen sind Frauen. Weibliche Familienmitglieder sind vor allem in den Gremien von Unternehmensstiftungen präsent, dort liegt ihr Anteil bei 52 Prozent.

Machtvolle Positionen wie den Vorsitz der Geschäftsführung oder des Aufsichtsrats vertrauen die Eigentümerfamilien dagegen noch immer vorwiegend Männern an. In nur zwei Firmen aus der Top-100-Liste gibt es weibliche Vorsitzende der Geschäftsführung: Anna Maria Braun beim Medizintechnik-Hersteller B. Braun Melsungen und Nicola Leibinger-Kammüller beim Maschinenbaukonzern Trumpf. B. Braun Melsungen ist auch das einzige der 100 untersuchten Unternehmen mit zwei Frauen in der Geschäftsführung.

Anna Maria Braun

Anna Maria Braun

Foto: Marco Moog

Außer Anna Maria Braun und Nicola Leibinger-Kammüller gibt es in den größten Familienunternehmen nur noch eine weitere Frau, die von ihrer eigenen Familie zur Chefin ernannt wurde: Alice Schardt-Roßmann. Die anderen 27 Frauen, die in den untersuchten Geschäftsführungen arbeiten, sind familienfremde Managerinnen.

Firmen, die vollständig in Familienbesitz sind, schneiden im Vergleich des Frauenanteils in den Geschäftsführungen am schlechtesten ab: Chefposten sind dort zu mehr als 95 Prozent mit Männern besetzt, der Frauenanteil liegt bei 4,8 Prozent.

Bei Firmen, die an der Börse notiert sind und in denen Manager, die nicht zur Familie gehören, einflussreiche Positionen innehaben, ist der Frauenanteil deutlich höher: In den 20 betreffenden Unternehmen, zu denen etwa die Autohersteller BMW und Volkswagen, der Autozulieferer Continental, der Konsumgüterhersteller Henkel und der Pharmakonzern Merck gehören, liegt der Frauenanteil in den Geschäftsführungen bei 10,3 Prozent.

Eine Veränderung scheine sich allerdings abzuzeichnen, heißt es in der Studie: Zwischen März 2019 und März 2020 seien offene Stellen in den Geschäftsführungen zu 22 Prozent mit Frauen und zu 26 Prozent mit Managern oder Managerinnen aus dem Ausland besetzt worden. "Ein Teil der Unternehmen ist sich also des Defizits bewusst und beginnt gegenzusteuern", schreiben die Autoren.

Dass divers zusammengesetzte Geschäftsführungen innovativere und langfristig bessere Entscheidungen treffen, hat erst vor wenigen Wochen eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey gezeigt.