Mangel an Führungskräften Wer will schon Chef sein?

Verlieren Beschäftigte in Deutschland die Lust an Führungsposition? Eine Umfrage, die dem SPIEGEL vorliegt, legt das nahe. Demzufolge wollen viele Berufstätige keine Führungskraft sein oder glauben nicht daran, jemals eine zu werden.

Ein schicker Schreibtisch. Nicht im Bild: eine Führungskraft
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Ein schicker Schreibtisch. Nicht im Bild: eine Führungskraft

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In Deutschland wollen Beschäftigte immer seltener Chef werden. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage der Initiative Chefsache hervor, die dem SPIEGEL vorliegt. Im September wurden dafür rund 5000 Berufstätige und Studenten befragt. Die Initiative Chefsache ist ein Netzwerk von Führungskräften, das unter anderem die Chancengleichheit von Männern und Frauen fördern will. Schirmherrin ist Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Umfrage wurde von dem deutschen Meinungsforschungsinstitut Civey erstellt.

Das zentrale Ergebnis der Umfrage: Nur noch 40 Prozent der Männer und 33,7 Prozent der Frauen wollen eine Führungsposition in ihrem Unternehmen übernehmen. Im Februar 2018 - damals wurde die Umfrage zum ersten Mal durchgeführt - wollten das noch 45,1 Prozent der Männer und 37,5 Prozent der Frauen. Befragt wurden Personen ab 18 Jahren. Die Stichprobe sei gewichtet worden, um in Bezug auf Faktoren wie das Alter, Geschlecht oder das Einkommen repräsentativ zu sein, hieß es.

Mehr Unterstützung durch die Arbeitgeber

Dabei fühlen sich sowohl Männer als auch Frauen von ihren Chefs in ihren Karrierewünschen besser unterstützt als zuvor. Außerdem sagte fast die Hälfte aller befragten Frauen (45,3 Prozent), dass ihr Arbeitgeber sie dabei unterstütze, ohne Nachteile zeitlich und räumlich flexibel arbeiten zu können. 18,7 Prozent der Frauen gaben an, sich in ihrem Beruf mit Vorurteilen wegen ihres Geschlechts konfrontiert zu sehen. Vor einem halben Jahr sagten das noch 23,7 Prozent der Frauen.

Die Gründe für das mangelnde Interesse am Chefposten gehen aus der Umfrage nicht hervor. "Führungsaufgaben werden immer anspruchsvoller", sagte Angelique Renkhoff-Mücke, Vorstandsvorsitzende beim Sonnenschutzhersteller Warema und Mitglied der Initiative Chefsache. Es sei deshalb eine aktive Entscheidung der Beschäftigten, nicht in diesem Spannungsfeld leben zu wollen. "Karriere wird heute nicht mehr automatisch mit Personalführung verbunden", sagte Renkhoff-Mücke dem SPIEGEL.



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