Professorinnen an Hochschulen Die reine Leere

Frau Professorin und Frau Dekanin sind an deutschen Hochschulen deutlich unterrepräsentiert, zeigt das Ergebnis einer Umfrage. Welche Uni macht sich bei der Gleichstellung, welche ist Schlusslicht?

Professorinnen sind immer noch eine Minderheit an den Hochschulen: Nur jeder vierte Lehrstuhl gehört einer Frau
Getty Images

Professorinnen sind immer noch eine Minderheit an den Hochschulen: Nur jeder vierte Lehrstuhl gehört einer Frau


Frauen in Führungspositionen sind in Deutschland deutlich in der Minderheit - das gilt auch für die Wissenschaft. Nur jeder vierte Lehrstuhl ist aktuell von einer Professorin besetzt. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Bildungsanbieters WBS bei den 44 größten Hochschulen Deutschlands.

An einigen Hochschulen sind Frauen allerdings besser vertreten als an anderen, zeigt die Umfrage. Das Spitzentrio hat sich dabei im Vergleich zum Wintersemester 2018 nicht verändert.

  • Die Freie Universität Berlin ist nach wie vor Spitzenreiterin bei der Gleichstellung. 186 von 493 Professoren sind hier weiblich, die Quote liegt damit bei fast 38 Prozent.
  • An zweiter Stelle des Rankings liegt die Universität Paderborn mit einer Professorinnenquote von knapp 36 Prozent. 91 Frauen haben hier einen Lehrstuhl - im Vergleich zu 163 Männern.
  • Mit einem Frauenanteil von gut 35 Prozent belegt die Universität Koblenz-Landau den dritten Platz. Hier unterrichten 55 Professorinnen - und 100 Professoren.

Auch auf den letzten beiden Plätzen des Rankings gab es keine Verschiebung im Vergleich zum vergangenen Jahr:

  • Den niedrigsten Professorinnenanteil hat nach wie vor die Technische Hochschule Mittelhessen, wo gerade mal 10,82 Prozent der Lehrstühle Frauen gehören.
  • Auf dem vorletzten Platz landet das Karlsruher Institut für Technologie mit 51 Professorinnen - macht 13,93 Prozent Frauenanteil bei den Lehrstühlen.

Eine noch seltenere Spezies als Professorinnen sind Dekaninnen. Sie leiten eine Fakultät oder einen Fachbereich. Sieben der 44 befragten Hochschulen haben gar keine Dekanin, darunter auch die FU Berlin. Sieben weitere Hochschulen haben nur eine einzige Dekanin.

Wer hat die Studie in Auftrag gegeben?
Die WBS-Gruppe ist ein Bildungsanbieter in Deutschland.
Wie wurden die Daten erhoben?
Die WBS-Gruppe hat die 50 größten Hochschulen und Universitäten bezüglich ihres Frauenanteils befragt. 44 Einrichtungen antworteten. Ihre Angaben wurden für die Studie ausgewertet.
Was war das Ziel der Untersuchung?
Es sollte ermittelt werden, wie hoch der Anteil von Frauen im akademischen Bereich auf verschiedenen Hierarchieebenen ist.

An drei Hochschulen allerdings herrscht Gleichstand: An den Universitäten Kassel und Koblenz sowie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg gibt es jeweils gleich viele Dekaninnen und Dekane.

Bei den Hochschulleitungen wiederum liegt der Frauenanteil bei knapp 30 Prozent: Von den 44 untersuchten Hochschulen werden 13 von einer Rektorin oder Präsidentin geleitet. Dazu gehören die Goethe-Universität Frankfurt, die Philipps-Universität Marburg und die TU Darmstadt, die seit diesem Monat von der Politikwissenschaftlerin Tanja Brühl geleitet wird.

sun/him



insgesamt 52 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
MoeS 16.10.2019
1. Unterrepräsentiert?
Wieso unterrepräsentiert? Sollte man die Anzahl der Professorinnen nicht ins Verhältnis der Studentinnen setzen? Ist es so überraschend das technische Universitäten deren große Fakultäten (=viele ProfessoInnen) naturwissenschaftlich/technisch geprägt sind viele männliche Professoren haben? Wie alt ist ein Professor im Schnitt? Zwischen 50-65? Wie viele weibliche Studenten der Physik, des Maschinenbaus etc. gab es vor 30-40 Jahren in diesen Fächern?
Europa! 16.10.2019
2. Madame Curie war keine Quotenfrau
Wissenschaft ist keine Frage der Geschlechtsteile und sollte auch nicht dazu gemacht werden. Madame Curie war keine Quotenfrau.
lukas123456779 16.10.2019
3. Gegenüberstellung mit Geschlechtervertelung unter den Studenten
Wäre es nicht sinnvoll den relativen Anteil der Geschlechter unter den Studierenden an diesen Hochschulen dem gegenüberzustellen? Oder andersherum: Wäre es keine systematische Benachteiligung von Männern, würden 50% aller Maschinenbau oder Informatik Professuren von Frauen besetzt?
mghi 16.10.2019
4. Nichtssagende Statistiken
Zu den Informationen gehört auch, dass angegeben wird, an welchen Hochschulen welche Fächer im Vordergrund stehen; es gibt offensichtlich Fächer, die besonders gerne und welche die besonders ungerne von Frauen gewählt werden. An technischen Hochschulen wie z.B. dem KIT wundert der Anteil von Professorinnen doch absolut nicht. Üblicherweise sind im Maschinenbau weniger als 10% der Studenten Studentinnen. Woher sollen denn da später die Professorinnen kommen? Selbst wenn man annimmt, dass die jungen Damen, die sich für einen technischen Studiengang entscheiden besonders motiviert und qualifiziert sind, was nicht belegt ist, wäre ein Anteil von 20% Professorinnen dort schon ein Wunder.
MoeS 16.10.2019
5. Unterrepräsentiert?
Wieso unterrepräsentiert? Sollte man die Anzahl der Professorinnen nicht ins Verhältnis der Studentinnen setzen? Ist es so überraschend das technische Universitäten deren große Fakultäten (=viele ProfessoInnen) naturwissenschaftlich/technisch geprägt sind viele männliche Professoren haben? Wie alt ist ein Professor im Schnitt? Zwischen 50-65? Wie viele weibliche Studenten der Physik, des Maschinenbaus etc. gab es vor 30-40 Jahren in diesen Fächern?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.