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Unzufriedene Azubis Lässig wie Tim Mälzer - von wegen

Deutsche Azubis sind mit ihren Lehrstellen so unzufrieden wie nie, zeigt eine DGB-Umfrage. Kritikpunkte: schlechte digitale Ausstattung und Überstunden. Von der Arbeitgeberseite kommt Kritik zurück.

Knapp 70 Prozent der deutschen Lehrlinge geben an, mit ihrer Ausbildung "zufrieden" oder "sehr zufrieden" zu sein. Das geht aus dem Ausbildungsreport 2019 des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB)  hervor. Das sei der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung vor 13 Jahren, sagte die DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte am Donnerstag in Berlin. Vor zehn Jahren seien es noch 75,5 Prozent gewesen.

Mehr als ein Drittel der Befragten klagte über regelmäßig anfallende Überstunden. Fast jeder achte Jugendliche unter 18 Jahren gab an, verbotenerweise mehr als 40 Stunden pro Woche zu arbeiten - vor einem Jahr war es jeder zehnte.

Vor allem bei der Digitalisierung ist dem Bericht zufolge noch "viel Luft nach oben": Fast jeder zweite Lehrling ist demnach der Meinung, nicht gezielt für digitale Technologien qualifiziert zu werden. Ein Grund dürfte die digitale Ausstattung der Berufsschulen sein, die knapp ein Drittel als "ausreichend" oder "mangelhaft" bewertet.

Jeder zweite Koch bricht vorzeitig die Ausbildung ab

Industriemechaniker, Verwaltungsfachangestellte und Industriekaufleute bewerteten ihre Ausbildung am besten. Am schlechtesten schnitten die Ausbildungen zum Koch, Friseur, Maler, Lackierer sowie Hotelfachmann/-frau ab - die auch in den vergangenen Jahren häufig als mittel bis sehr schlecht bewertet wurden. Der DGB-Umfrage zufolge bricht fast jeder zweite Koch die Ausbildung vorzeitig ab.

Die Schuld liege aber nicht unbedingt bei den Betrieben, meint Ulrike von Albedyll, Landesgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes e.V. in Hamburg. Sie glaubt, dass die hohe Abbrecherquote vor allem damit zu tun hat, dass viele Auszubildende falsche Erwartungen an die Lehrstelle haben: "Sie sehen den Koch Tim Mälzer lässig im Fernsehen und denken, so würde auch die Ausbildung ablaufen."

Die Arbeit als Koch sei körperlich anspruchsvoll, die Gäste seien hin und wieder kritisch und der Umgangston in der Küche auch schon mal rau - das würden viele nicht beachten, wenn sie sich für eine Ausbildung entscheiden.

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Regelmäßige Überstunden, Druck durch die Kunden

Dem DGB-Bericht zufolge sind durchaus die Arbeitsbedingungen ein Grund für die Unzufriedenheit: Rund 52 Prozent der Köche sowie 57 Prozent der Hotelfachleute gaben an, regelmäßig Überstunden machen zu müssen.

"Die Branche richtet sich eben nach dem Gast", hält von Albedyll dagegen. "Außerdem verstärkt der Fachkräftemangel zusätzlich, dass auch mal mehr angepackt werden muss." Allerdings würden gerade große Betriebe mittlerweile viel versuchen, um ihre Auszubildenden zu halten - zum Beispiel, indem sie sie ins Ausland schicken, um dort Erfahrungen zu sammeln.

Ein Blick auf den Arbeitsmarkt zeigt, wie sehr Betriebe auf junge Fachkräfte angewiesen sind. Zwar kommen auf 100 junge Menschen, die eine Lehrstelle suchen, knapp 97 Lehrstellen. Trotzdem blieb dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr jeder zehnte Platz unbesetzt.

"Die Möglichkeiten der Auszubildenden, einen anderen Ausbildungsplatz zu finden, sind heutzutage so gut, dass sie schneller das Handtuch werfen, sobald sie unzufrieden sind", glaubt Kirsten Kielbassa-Schnepp, die als Bildungsreferentin beim Zentralband des Deutschen Handwerks arbeitet.

Gerade in Dienstleistungsberufen wie Friseur oder als Maler würde das häufiger mal der Fall sein: "Anders als Zahntechniker im Labor sind Azubis auf der Baustelle oder im Friseursalon direkt im Kontakt mit den Kunden und deren Erwartungen. Das erzeugt Druck, den natürlich auch die Azubis spüren."

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